Jetzt nennen auch die Emirate den Flydubai-Angriff einen TerroraktJetzt nennen auch die Emirate den Flydubai-Angriff einen Terrorakt
Zwei Tage lang wurde über Motiv und Hintermänner des Angriffs auf Flug FZ1073 vorsichtig formuliert. Nun spricht erstmals ein hochrangiger Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate selbst von einem „gefährlichen Terrorakt“. Die Ermittlungen laufen inzwischen in Abu Dhabi. Offen bleibt weiterhin, ob der omanische Co-Pilot allein handelte oder Unterstützung hatte.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Aus einem zunächst rätselhaften Zwischenfall im Cockpit wird immer deutlicher ein Terrorfall. Anwar Gargash, diplomatischer Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, hat den Angriff auf den Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv erstmals öffentlich als „gefährlichen Terrorakt“ bezeichnet.
Das ist mehr als eine neue Formulierung.
Die Maschine gehörte einer emiratischen Fluggesellschaft, startete in Dubai und der mutmaßliche Täter war als Co-Pilot Teil der Besatzung. Inzwischen wurden sowohl der schwer verletzte indische Kapitän Smit Machchhar als auch der omanische Co-Pilot aus Saudi-Arabien in die Emirate gebracht. Die weitere Untersuchung liegt damit wesentlich bei den Behörden in Abu Dhabi.
Gargash würdigte vor allem Machchhar. Der Kapitän habe Mut, Verantwortungsbewusstsein und Professionalität gezeigt und damit eine mögliche Katastrophe verhindert. Zugleich warnte der Präsidentenberater vor Extremismus und Terrorismus und davor, den Fall mit unbelegten Verschwörungstheorien zu überziehen.
Damit setzt auch Abu Dhabi eine klare Grenze: Über mögliche Hintermänner wird weiter ermittelt. Dass der Angriff selbst als terroristischer Akt bewertet wird, sagt inzwischen jedoch nicht mehr nur IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.
Netanyahu spricht von islamistischer Radikalisierung
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte am Freitag, der omanische Co-Pilot habe sich islamistisch radikalisiert und beabsichtigt, das Flugzeug mit allen Menschen an Bord zum Absturz zu bringen.
Nach Netanyahus Darstellung prüfen die Ermittler nun vor allem, ob der Mann allein handelte oder geschickt wurde. Israel verfüge derzeit noch über keine gesicherten Erkenntnisse, die Iran als Auftraggeber belegten. Diese Frage müsse erst untersucht werden.
Genau diese Trennung ist wichtig.
US-Präsident Donald Trump hat bereits öffentlich über eine mögliche iranische Beteiligung gesprochen und für diesen Fall schwere Konsequenzen angekündigt. Beweise für eine Steuerung des Angriffs durch Teheran wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht. Auch Netanyahu erklärte, es sei zu früh, Iran verantwortlich zu machen.
Gesichert ist inzwischen wesentlich mehr über den Ablauf.
Der Co-Pilot soll Kapitän Machchhar während des Fluges angegriffen und schwer verletzt haben. Anschließend verlor die Maschine innerhalb kürzester Zeit massiv an Höhe. Machchhar schilderte am Freitag im Gespräch mit Indiens Premierminister Narendra Modi, dass er verletzt am Boden des Cockpits lag und spürte, wie die Flugzeugnase nach unten ging.
Trotz seiner Verletzungen gelang es ihm, die Cockpittür zu öffnen.
Dieser Moment dürfte entscheidend gewesen sein. Erst dadurch konnten Passagiere eingreifen. Mehrere Israelis überwältigten den Co-Piloten und zogen ihn aus dem Cockpit. Weitere ausgebildete Flydubai-Piloten, die sich an Bord befanden, halfen anschließend dabei, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.
haOlam hat bereits über die beteiligten Passagiere berichtet. Der israelische Klempner Yaniv Hayoun gehörte zu den Männern, die nach vorne gingen. Gemeinsam mit Asaf Rajuan, Zvika Manes und weiteren Passagieren wurde der Angreifer überwältigt. Dr. Shota Musayev kümmerte sich um den schwer verletzten Kapitän.
Mit Machchhars eigener Aussage wurde inzwischen noch deutlicher, dass die Rettung nur durch eine ganze Kette von Entscheidungen möglich war. Ein schwer verletzter Pilot öffnete die Tür, Passagiere griffen ein, der Angreifer wurde überwältigt und zusätzliche Piloten stabilisierten die Maschine.
174 Passagiere überlebten.
Für die Vereinigten Arabischen Emirate ist der Fall besonders heikel. Flydubai gehört zu den sichtbarsten Symbolen der engen Verkehrsverbindungen zwischen den Emiraten und Israel seit den Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen. Dass ein Besatzungsmitglied eines Fluges nach Tel Aviv möglicherweise selbst zum Täter wurde, wirft zwangsläufig Fragen nach Radikalisierung, Personalüberprüfung und Cockpitsicherheit auf.
Genau deshalb ist die öffentliche Reaktion aus Abu Dhabi bedeutend.
Die Emirate versuchen nicht, den Vorfall als bloßen persönlichen Konflikt oder technischen Notfall herunterzuspielen. Ein enger Berater des Präsidenten nennt ihn offen Terrorismus.
Gleichzeitig verweigert sich Gargash Spekulationen über Hintermänner. Das ist derzeit die einzig seriöse Linie. Ob der Co-Pilot Kontakte zu islamistischen Organisationen hatte, ob jemand von seinen Plänen wusste oder ob ein Staat beteiligt war, muss durch Ermittlungen geklärt werden.
Der Unterschied zu Mittwoch ist dennoch erheblich.
Damals prüfte Israel noch einen Terrorverdacht.
Heute spricht auch Abu Dhabi von einem Terrorakt.
Die nächste entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, was im Cockpit von FZ1073 geschah.
Sie lautet, ob der Mann dort allein handelte.
Autor: Redaktion
Freitag, 02 Oktober 2026