Nach Terrorversuch auf FZ1073 wächst der Streit zwischen Israel und den EmiratenNach Terrorversuch auf FZ1073 wächst der Streit zwischen Israel und den Emiraten
Die Vereinigten Arabischen Emirate bestätigen inzwischen selbst, dass der Co-Pilot von Flydubai-Flug FZ1073 einen Terrorakt vorbereitet und begonnen hatte. Gleichzeitig wächst in Abu Dhabi der Unmut über Israels Reaktion. Eine regierungsnahe Quelle wirft Jerusalem vor, den Vorfall politisch auszuschlachten und die Rückkehr von Flydubai unnötig zu verzögern.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Vier Tage nach dem Angriff auf Flydubai-Flug FZ1073 ist aus einem dramatischen Sicherheitsvorfall auch eine diplomatische Belastungsprobe geworden. Dabei besteht über den Kern des Geschehens inzwischen kaum noch Streit: Die zuständigen Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate sprechen selbst von einem geplanten Terrorakt.
Der Generalstaatsanwalt der Emirate, Hamad Saif Al Shamsi, erklärte am Samstag, die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der Co-Pilot den Angriff vorbereitet und mit dessen Ausführung begonnen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft attackierte er den Kapitän während des Fluges mit einer im Cockpit befindlichen Notfallaxt und versuchte anschließend, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen.
Damit ist ein entscheidender Punkt geklärt, der unmittelbar nach dem Vorfall noch offen war. Was IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zunächst als möglichen Terroranschlag behandelte, wird nun auch von der zuständigen Justizbehörde des Landes, in dem Flydubai seinen Sitz hat, ausdrücklich als Terrorakt bezeichnet.
Die Ermittlungen selbst sind damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Weiterhin offen ist, welches konkrete Motiv der Täter verfolgte, ob er allein handelte und ob es Kontakte zu extremistischen Organisationen oder Unterstützern gab.
Für Israel ist diese Frage von erheblicher Bedeutung. Der Flug war mit mehr als 170 Menschen an Bord von Dubai nach Tel Aviv unterwegs. Der mutmaßliche Täter war kein Passagier, der eine Sicherheitskontrolle überwunden hatte, sondern Teil der regulären Cockpitbesatzung.
haOlam berichtete bereits unmittelbar nach dem Vorfall über den dramatischen Höhenverlust der Boeing, die schweren Verletzungen von Kapitän Smit Machchhar und das Eingreifen von Passagieren sowie weiteren Piloten an Bord. Erst durch ihr gemeinsames Handeln konnte die Maschine schließlich unter Kontrolle gebracht und sicher im saudi-arabischen Tabuk gelandet werden.
Besonders schwer wiegen Berichte, wonach der omanische Co-Pilot bereits zuvor wegen extremistischer Auffassungen aufgefallen sein soll. Medienberichten zufolge durfte er in OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen zeitweise nicht mehr als Pilot eingesetzt werden. Sollte sich das bestätigen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie er später bei Flydubai eingestellt und ausgerechnet auf einer Verbindung nach Israel eingesetzt werden konnte.
Abu Dhabi kritisiert Israels Reaktion
Während die Emirate den Terrorcharakter des Angriffs inzwischen selbst bestätigen, wächst dort zugleich die Verärgerung über den Umgang Israels mit den Folgen.
Eine Quelle aus dem Umfeld der emiratischen Regierung erklärte gegenüber israelischen Medien, JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen nutze den Vorfall politisch aus und erschwere die Wiederaufnahme der Flydubai-Verbindungen unnötig.
Besonders störte sich die Quelle an der Bezeichnung „Rettungsflüge“ für jene Sonderverbindungen, mit denen israelische Fluggesellschaften gestrandete Reisende aus Dubai zurückholen sollten. Der Begriff erwecke den Eindruck, Israelis müssten aus einem unsicheren oder gar kriegsähnlichen Umfeld evakuiert werden.
Aus Sicht Abu Dhabis sei das schlicht falsch. Die Vereinigten Arabischen Emirate seien sicher, israelische Staatsbürger seien dort keiner allgemeinen Gefahr ausgesetzt.
Dieser Einwand ist nicht völlig unbegründet. Dubai war nach dem Anschlag selbst kein Gefahrengebiet. Israelische Reisende mussten nicht vor Angriffen in den Emiraten geschützt werden. Das Problem entstand vielmehr dadurch, dass Flydubai seine Verbindungen nach Israel aussetzte und damit tausende Reisepläne zusammenbrachen.
Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter widersprach deshalb auch der Darstellung, der Staat selbst habe die Flüge als Evakuierungsoperation bezeichnet. Der Begriff sei vor allem von Fluggesellschaften und in Medien verwendet worden. Israelische Bürger in Dubai seien weder eingeschlossen noch aus einer unmittelbaren Gefahr gerettet worden.
Deutlich schwieriger ist der zweite Vorwurf aus Abu Dhabi.
Die emiratische Seite erklärt, man habe nach dem Anschlag zusätzliche israelische Sicherheitsanforderungen akzeptiert und Flydubai zu verschärften Verfahren verpflichtet. Trotzdem habe Israel die Wiederaufnahme der Verbindungen nicht sofort genehmigt.
Eine regierungsnahe Quelle behauptete deshalb, nicht mehr nur Sicherheitsfragen, sondern auch der israelische Wahlkampf bestimme den Umgang mit dem Fall.
Für diese politische Interpretation gibt es bislang keinen unabhängigen Beleg.
Dass Israel nach einem versuchten Terroranschlag aus dem Cockpit einer Linienmaschine seine Sicherheitsanforderungen überprüft, bedarf ohnehin keiner komplizierten politischen Erklärung. Eine Boeing mit mehr als 170 Menschen an Bord wäre beinahe von einem Mitglied der eigenen Besatzung übernommen worden. Wenn sich zusätzlich bestätigt, dass der Täter zuvor bereits durch extremistische Einstellungen aufgefallen war, wäre es eher ungewöhnlich, ohne gründliche Prüfung zum bisherigen Betrieb zurückzukehren.
Belastungsprobe für die Abraham-Abkommen
Gerade deshalb ist der Streit politisch bemerkenswert.
Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören seit den Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen zu den wichtigsten neuen Partnern in der Region. Selbst während schwerer Krisen blieben die Beziehungen stabil. Flydubai wiederum entwickelte sich zu einem sichtbaren Symbol dieser Normalisierung und hielt seine Israel-Verbindungen auch in angespannten Zeiten vergleichsweise zuverlässig aufrecht.
Nun trifft ausgerechnet ein Terrorversuch jene Verbindung, die für die neue Nähe zwischen beiden Staaten steht.
Für die Emirate ist das heikel. Dubai lebt vom Ruf eines sicheren und hochprofessionellen internationalen Luftfahrtdrehkreuzes. Wenn ein Pilot einer emiratischen Fluggesellschaft auf einem Linienflug nach Israel einen Terroranschlag verübt haben soll, stellt das zwangsläufig Fragen an Auswahl, Überprüfung und laufende Kontrolle des Flugpersonals.
Dass Abu Dhabi auf eine mögliche Beschädigung dieses Rufes empfindlich reagiert, ist nachvollziehbar.
Genauso nachvollziehbar ist jedoch Israels Sicherheitsinteresse.
Die entscheidende neue Tatsache ist, dass die Emirate selbst nicht mehr von einem bloßen Streit im Cockpit oder einem unklaren Zwischenfall sprechen. Die eigene Staatsanwaltschaft bezeichnet das Geschehen als begonnenen Terrorakt.
Damit verschiebt sich auch die Bewertung der israelischen Reaktion.
Über einzelne Maßnahmen kann gestritten werden. Man kann fragen, ob jede Verzögerung bei der Wiederaufnahme des Flugverkehrs notwendig war oder ob manche Formulierungen unnötig dramatisch wirkten. Doch der Ausgangspunkt ist kein Missverständnis, sondern ein bestätigter Terrorversuch an Bord eines Fluges nach Tel Aviv.
Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass beide Staaten den Konflikt begrenzen wollen. Die Ermittlungen werden gemeinsam vorangetrieben, die diplomatischen Kontakte laufen weiter, und israelische Fluggesellschaften konnten bereits Reisende aus Dubai zurückbringen.
Von einer Krise der Abraham-Abkommen kann deshalb bislang keine Rede sein.
Aber erstmals seit dem Angriff auf FZ1073 wird sichtbar, dass die Folgen des Anschlags über das Cockpit hinausreichen.
Die Maschine landete sicher.
Die politische Auseinandersetzung hat gerade erst begonnen.
Autor: Redaktion
Samstag, 03 Oktober 2026