Trump greift in Israels Wahlkampf ein: Nur Netanjahu sei der richtige Partner gegen IranTrump greift in Israels Wahlkampf ein: Nur Netanjahu sei der richtige Partner gegen Iran
Neun Tage vor der Knessetwahl erklärt der US-Präsident seine uneingeschränkte Unterstützung für Benjamin Netanjahu. Seine Botschaft geht weit über ein gewöhnliches Wahllob hinaus und verbindet Israels Regierungsbildung unmittelbar mit der amerikanischen Iran-Politik.

Bildnachweis: The White House /
QuelleUS-Präsident Donald Trump hat sich am Sonntag, dem 18. Oktober, offen in den israelischen Wahlkampf eingeschaltet. Neun Tage vor der Knessetwahl am 27. Oktober veröffentlichte er eine ausführliche Unterstützungserklärung für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Darin bezeichnete er jeden anderen möglichen Regierungschef als falsche Wahl und stellte die künftige Zusammenarbeit im Kampf gegen das iranische Regime ausdrücklich in den Mittelpunkt.
Die Erklärung wurde auf Trumps Plattform Truth Social veröffentlicht. Der Präsident lobte Netanjahus Führungsrolle, seine Widerstandsfähigkeit und die gemeinsame militärische Politik gegenüber Iran. Der israelische Ministerpräsident bedankte sich umgehend für die Unterstützung und erklärte, beide würden ihre gemeinsame Aufgabe fortsetzen.
Besonders weitreichend ist Trumps Aussage, dass die Vereinigten Staaten im Kampf gegen Iran selbst handeln müssten, sollte IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen einen anderen Regierungschef erhalten. Gleichzeitig machte er deutlich, dazu nicht bereit zu sein.
Damit bleibt es nicht bei einer persönlichen Wahlempfehlung. Trump verknüpft die Auswahl des nächsten israelischen Regierungschefs mit der Frage, wie Washington künftig gegen das iranische Regime vorgehen will.
Aus Zurückhaltung wird offene Wahlkampfunterstützung
Noch wenige Tage zuvor hatte Trump eine ausdrückliche Wahlempfehlung vermieden. Auf Nachfragen erklärte er, er vertraue Politikern grundsätzlich nicht und habe sich noch nicht entschieden, ob er in Israels Wahlkampf eingreifen werde.
Nun ist diese Zurückhaltung beendet.
Der Präsident beschreibt Netanjahu als einen Politiker, der erheblichem Druck standgehalten habe. Er lobt dessen Vorgehen gegen Iran und stellt ihn als unverzichtbaren Partner amerikanischer Sicherheitsinteressen dar.
Diese Darstellung knüpft an eine langjährige Zusammenarbeit an. Während Trumps erster Amtszeit erkannten die Vereinigten Staaten JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen als Israels Hauptstadt und die israelische Souveränität über die Golanhöhen an. Unter amerikanischer Vermittlung entstanden zudem die Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten.
Die Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu waren dennoch nicht immer konfliktfrei. In den vergangenen Monaten berichteten amerikanische Medien über erhebliche Differenzen hinsichtlich der militärischen Strategie gegen Iran und der israelischen Vorgehensweise in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und im Libanon.
Umso bemerkenswerter ist die nun veröffentlichte Erklärung. Trump stellt die gemeinsame Linie gegenüber Teheran wieder deutlich in den Vordergrund und macht daraus ein zentrales Argument seiner Unterstützung.
Iran wird zum Kern der Botschaft
Trump verweist ausdrücklich auf die Vernichtungsrhetorik des iranischen Regimes gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten. Die iranische Führung hat über Jahrzehnte Parolen gegen beide Länder verbreitet und bewaffnete Organisationen unterstützt, die Israel angreifen.
Die Bedrohung ist nicht allein rhetorischer Natur. Irans Raketen- und Nuklearprogramme sowie seine Unterstützung für HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen gehören seit Jahren zu den wichtigsten sicherheitspolitischen Herausforderungen Israels.
In seiner Erklärung beansprucht Trump erhebliche militärische und wirtschaftliche Erfolge gegen Iran. Zugleich droht er damit, weitere Maßnahmen folgen zu lassen, sollte Teheran seinen Kurs nicht ändern.
Damit erhält die Unterstützung Netanjahus eine zweite Bedeutung. Der US-Präsident beschreibt nicht nur, mit wem er bevorzugt zusammenarbeiten möchte. Er stellt auch einen Zusammenhang zwischen der israelischen Regierungsführung und dem weiteren Vorgehen gegen Iran her.
Das ist besonders sensibel, weil in den vergangenen Tagen über erneute amerikanisch-israelische Angriffsoptionen berichtet wurde. Nach Recherchen von Axios besprachen Trump und Netanjahu mögliche militärische Maßnahmen gegen Iran. Ob und wann entsprechende Entscheidungen getroffen werden, ist offen.
Die neue Wahlerklärung enthält jedenfalls keinen konkreten Angriffsbefehl und keinen Zeitplan für eine Militäroperation.
Israels Regierungsbildung bleibt Sache der Knesset
Die öffentliche Unterstützung eines amerikanischen Präsidenten besitzt erhebliches diplomatisches Gewicht. Sie ersetzt jedoch weder das israelische Wahlergebnis noch die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse.
In Israel wählen die Bürger ihre Knesset. Anschließend entscheidet sich in Koalitionsverhandlungen, welcher Abgeordnete eine Regierung bilden kann. Auch die größte Partei erhält nicht automatisch das Amt des Ministerpräsidenten.
Trumps Erklärung kann deshalb keine Regierungsbildung garantieren. Sie dokumentiert allerdings eindeutig, welchen politischen Partner der amerikanische Präsident bevorzugt und welche strategischen Erwartungen er mit dieser Entscheidung verbindet.
Für die israelischen Oppositionsparteien ergibt sich daraus eine zusätzliche außenpolitische Debatte. Sie müssen sich nicht nur mit Netanjahus innenpolitischer Bilanz und seinen sicherheitspolitischen Entscheidungen auseinandersetzen, sondern auch mit Trumps ausdrücklicher Behauptung, ein anderer Regierungschef könne die amerikanisch-israelische Zusammenarbeit gegenüber Iran erschweren.
Dass der US-Präsident diese Frage derart eng mit einer bestimmten Person verknüpft, ist politisch bemerkenswert. Die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten beruhen auf langfristigen Sicherheitsinteressen, militärischer Kooperation und institutionellen Vereinbarungen, die weit über einzelne Regierungschefs hinausreichen.
Trump macht aus dieser Partnerschaft nun ein persönliches Wahlkampfthema.
Seine Botschaft ist eindeutig: Er möchte Netanjahu auch nach dem 27. Oktober als Ansprechpartner in Jerusalem sehen. Zugleich erhöht er mit seiner Iran-Rhetorik die politische Bedeutung der bevorstehenden Wahl.
Welche Regierung Israel tatsächlich erhält, entscheiden jedoch die israelischen Wähler und die anschließenden parlamentarischen Verhandlungen. Trumps Erklärung ist eine eindeutige politische Intervention, keine Vorentscheidung über den Wahlausgang.
Autor: Redaktion
Montag, 19 Oktober 2026