121 Maßnahmen gegen Israel: Die nächste Gefahr sind Sanktionen gegen Banken und Unternehmen121 Maßnahmen gegen Israel: Die nächste Gefahr sind Sanktionen gegen Banken und Unternehmen
Internationale Boykotte treffen bereits israelische Forschung, Rüstungsindustrie und Handel. Experten warnen nun vor einer Eskalation, die das gesamte Finanzsystem erfassen könnte. Selbst in den USA wächst der politische Druck.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen steht vor einer wirtschaftlichen Herausforderung, die weit über einzelne Boykottaufrufe hinausgeht. Das Jewish People Policy Institute (JPPI) hat 121 internationale Sanktions- und Beschränkungsmaßnahmen gegen israelische Einrichtungen, Unternehmen und Einzelpersonen erfasst. Davon sind nach Angaben des Instituts 93 weiterhin in Kraft. Noch sind die gesamtwirtschaftlichen Folgen begrenzt. Doch Experten warnen, dass eine Ausweitung auf israelische Banken und zentrale Handelsbeziehungen erheblichen Schaden verursachen könnte.
Die Maßnahmen reichen von Finanzbeschränkungen über Einschränkungen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit bis zu Handelsverboten und Maßnahmen gegen die Rüstungsindustrie.
Besonders aktiv sind nach der JPPI-Auswertung Spanien, Großbritannien, Belgien und die Türkei. Auch aus den Vereinigten Staaten sind Einschränkungen erfasst, darunter Maßnahmen einzelner wissenschaftlicher Einrichtungen.
Diese unterschiedlichen Formen des Boykotts dürfen nicht gleichgesetzt werden. Eine Entscheidung einer Universität, wissenschaftliche Kooperationen einzuschränken, hat andere rechtliche und wirtschaftliche Folgen als eine staatliche Finanzsanktion.
Dennoch dokumentiert die Untersuchung eine zunehmende internationale Bereitschaft, wirtschaftliche Beziehungen zu Israel von politischen Forderungen abhängig zu machen.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat darauf inzwischen öffentlich reagiert. Er kündigte an, alternative Zahlungssysteme prüfen zu lassen, darunter Möglichkeiten auf Grundlage von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie.
Wenn israelische Banken zum Ziel werden
Die bisherige Entwicklung konzentriert sich vielfach auf Unternehmen und Personen, die mit israelischen Siedlungen im Westjordanland in Verbindung stehen.
Großbritannien hat im September weitere Einschränkungen angekündigt. Auch Spanien und die Niederlande haben Maßnahmen beschlossen beziehungsweise entsprechende Initiativen verfolgt.
Der besonders gefährliche Punkt liegt darin, dass viele israelische Unternehmen Dienstleistungen für Kunden innerhalb Israels ebenso wie im Westjordanland anbieten.
Dazu gehören Banken, Zahlungsdienstleister, Telekommunikationsunternehmen und andere Anbieter grundlegender Infrastruktur.
Sollten ausländische Regierungen diese Geschäftsbeziehungen umfassend sanktionieren, könnten die Folgen weit über die unmittelbar betroffenen Siedlungen hinausreichen.
Ein israelisches Kreditinstitut, das wegen bestimmter Geschäftsbeziehungen von internationalen Finanzsystemen ausgeschlossen würde, könnte Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Zahlungen, der Finanzierung von Unternehmen und der Zusammenarbeit mit ausländischen Banken bekommen.
Damit würde aus einer zunächst geografisch begrenzten Sanktion ein Risiko für die gesamte israelische Wirtschaft.
Mark Dubowitz, Geschäftsführer der amerikanischen Foundation for Defense of Democracies, warnt bereits seit Wochen vor einer solchen Entwicklung.
Dubowitz gehört zu den Fachleuten, die sich intensiv mit dem amerikanischen Sanktionssystem gegen Iran beschäftigt haben.
Seine Warnung hat deshalb besonderes Gewicht: Instrumente, die ursprünglich gegen Teheran entwickelt wurden, könnten eines Tages auch gegen israelische Unternehmen und Banken eingesetzt werden.
Es handelt sich bisher um ein Risikoszenario, nicht um eine bereits beschlossene umfassende amerikanische Sanktionierung Israels.
Europa könnte wirtschaftlich erheblichen Schaden verursachen
Eine zweite Gefahr geht von möglichen Veränderungen der Beziehungen zwischen Israel und der Europäischen Union aus.
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, bestimmte Handelsvergünstigungen aus dem Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen.
Sie begründet dies mit ihrer Bewertung der humanitären Situation im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und möglichen Verstößen Israels gegen Verpflichtungen aus dem Abkommen.
Israel weist zentrale Vorwürfe gegen seine Kriegsführung zurück und verweist auf die militärische Bedrohung durch die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen.
Bislang konnte sich innerhalb der Europäischen Union keine ausreichende Mehrheit für die vorgesehenen umfassenden handelspolitischen Maßnahmen durchsetzen. Deutschland und Tschechien gehören zu den Staaten, die einer solchen Ausweitung entgegenstehen.
Für Israel ist diese Unterstützung wirtschaftlich bedeutend.
Die Europäische Union gehört zu den wichtigsten Handelspartnern des jüdischen Staates. Eine weitreichende Einschränkung des Warenverkehrs würde nicht nur traditionelle Industriezweige treffen, sondern könnte auch internationale Forschungsprojekte und den Technologiesektor belasten.
Gerade Israels wirtschaftlicher Erfolg hängt von offenen Märkten, internationalen Investitionen und technologischer Zusammenarbeit ab.
Ein Land kann seine militärische Produktion ausbauen und neue Absatzmärkte erschließen. Den Zugang zu etablierten internationalen Finanz- und Handelssystemen kann es jedoch nicht ohne erhebliche Kosten ersetzen.
Warnung aus Washington und Kritik im eigenen Land
Besonders ernst nimmt Dubowitz die Möglichkeit einer veränderten amerikanischen Politik nach dem Ende der Präsidentschaft Donald Trumps.
Er warnt davor, dass eine künftige US-Regierung wirtschaftliche Sanktionen auch gegen Israel einsetzen könnte.
Seine Einschätzung knüpft ausdrücklich an die innenpolitische Entwicklung in Israel und die wachsende Kritik an bestimmten Entscheidungen der israelischen Regierung an.
Diese Warnung ist keine Prognose eines bereits feststehenden amerikanischen Regierungswechsels. Sie beschreibt die mögliche politische Nutzung bestehender Sanktionsinstrumente.
Auch innerhalb Israels wächst die Kritik an Netanjahus wirtschaftspolitischer Reaktion.
Am Sonntag äußerten 109 Ökonomen, Wirtschaftsvertreter und ehemalige hochrangige Staatsbedienstete ihre Besorgnis über seine Überlegungen, mithilfe von Kryptowährungen auf mögliche internationale Sanktionen zu reagieren.
Die Unterzeichner warnen vor den Folgen wirtschaftlicher Isolation und bezweifeln, dass alternative Zahlungstechnologien das Problem lösen könnten.
Tatsächlich können Kryptowährungen internationale Rechtsvorschriften nicht außer Kraft setzen. Auch Transaktionen über Blockchain-Systeme unterliegen gegebenenfalls Sanktionen und gesetzlichen Beschränkungen.
Ein neues technisches Zahlungssystem ersetzt weder einen verlässlichen Außenhandel noch den Zugang zu internationalen Kapitalmärkten.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Israel künftig Rechnungen in einer anderen Währung bezahlen kann. Entscheidend ist, ob ausländische Unternehmen und Banken weiterhin bereit und rechtlich in der Lage sind, mit israelischen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten.
Netanjahus Warnung macht deutlich, dass die Regierung diese Gefahr inzwischen berücksichtigt.
Israel ist bislang nicht wirtschaftlich isoliert. Seine Technologieunternehmen, Forschungsinstitute und internationalen Handelspartner bilden weiterhin eine leistungsfähige wirtschaftliche Grundlage.
Doch die Auswertung des JPPI zeigt, dass der internationale Druck nicht mehr nur aus politischen Erklärungen besteht.
Die bestehende Vielzahl gezielter Maßnahmen ist noch keine umfassende Wirtschaftsblockade. Sie könnte jedoch zur Grundlage für wesentlich weitreichendere Eingriffe werden.
Sollten wichtige internationale Banken und Handelspartner ihre Beziehungen zu israelischen Unternehmen aufgeben müssen, würde die wirtschaftliche Sicherheit des Landes erheblich beeinträchtigt.
Deshalb ist die mögliche Ausweitung finanzieller Sanktionen keine Randfrage der Außenpolitik mehr. Sie betrifft die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Israels insgesamt.
Autor: Bernd Geiger
Dienstag, 27 Oktober 2026