Palästinensisches Fernsehen würdigt Hitler-Verbündeten als Nationalhelden

Palästinensisches Fernsehen würdigt Hitler-Verbündeten als Nationalhelden


Ein Beitrag des offiziellen Fernsehens der Palästinensischen Autonomiebehörde stellt Mohammed Amin al-Husseini als bedeutenden Nationalführer dar. Selbst seine Suche nach Hitlers Unterstützung wird erwähnt. Seine antisemitische Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten bleibt dagegen unerklärt.

Palästinensisches Fernsehen würdigt Hitler-Verbündeten als Nationalhelden
Bildnachweis: Matson Collection / Quelle

Das offizielle Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) hat den früheren Großmufti von JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, Mohammed Amin al-Husseini, in einer Geschichtssendung als herausragende Persönlichkeit der palästinensischen Nationalbewegung gewürdigt. Bemerkenswert ist, dass die Sendung seine Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Deutschland nicht verschweigt, sondern als Teil seines politischen Einsatzes darstellt.

Die Sendung vom 23. August 2026 wurde von Palestinian Media Watch dokumentiert und am 20. Oktober ausgewertet. Darin bezeichnet der Sprecher al-Husseini als eine der bedeutendsten palästinensischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Besonders aufschlussreich ist die Darstellung seines Aufenthalts in Deutschland. Laut der dokumentierten Übersetzung fand al-Husseini 1941 dort Zuflucht und bemühte sich, Adolf Hitlers Unterstützung für die palästinensische Sache zu gewinnen.

Was in dieser Darstellung fehlt, ist die historische Bedeutung dieser Zusammenarbeit.

Al-Husseini war kein gewöhnlicher Exilpolitiker, der lediglich diplomatische Unterstützung suchte. Er war ein überzeugter AntisemitAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen und aktiver Kollaborateur des NS-Regimes.

Am 28. November 1941 traf er Hitler in Berlin. Das Treffen ist durch historische Filmaufnahmen und deutsche Dokumente belegt. Al-Husseini wollte verhindern, dass in PalästinaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen eine jüdische nationale Heimstätte entsteht. Hitler stellte den Kampf gegen die Juden ausdrücklich in den Zusammenhang dieser gemeinsamen Interessen.

Das United States HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen Memorial Museum dokumentiert zudem, dass al-Husseini während des Zweiten Weltkriegs antisemitische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen verbreitete, die nationalsozialistische Kriegsführung unterstützte und an der Rekrutierung muslimischer Männer für deutsche militärische Verbände mitwirkte.

Von diesen Verbindungen erfährt das Publikum der palästinensischen Geschichtssendung nach der veröffentlichten Übersetzung nichts Wesentliches.

Stattdessen wird al-Husseini als Symbol des palästinensischen Kampfes und als Persönlichkeit dargestellt, die zur Stärkung der nationalen Identität beigetragen habe.


Der Widerspruch zur palästinensischen Nazi-Rhetorik

Besonders brisant ist die Würdigung vor dem Hintergrund wiederholter Nazi-VergleicheHolocaust-Relativierung: Die Verharmlosung der ShoahHolocaust-Relativierung bezeichnet die Verharmlosung, Verzerrung oder Entwertung der Shoah. Sie leugnet den Holocaust nicht zwingend offen, stellt ihn aber durch falsche Vergleiche, Verkleinerung, Umdeutung oder Täter-Opfer-Umkehr in ein verzerrtes Licht.Mehr lesen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.

Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde und palästinensische Medien haben Israel wiederholt mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Palestinian Media Watch dokumentiert entsprechende Aussagen seit Jahren.

Ausgerechnet das offizielle PA-Fernsehen würdigt nun einen Politiker, dessen tatsächliche Zusammenarbeit mit Hitler historisch umfassend belegt ist.

Während Israel mit dem NS-Regime verglichen wird, erscheint ein palästinensischer Hitler-Kollaborateur als bedeutender Nationalführer.

Das ist ein erheblicher Widerspruch in der politischen Geschichtsdarstellung.

Die Zusammenarbeit al-Husseinis mit den Nationalsozialisten ist keine umstrittene israelische Behauptung. Sie wird unter anderem vom United States Holocaust Memorial Museum anhand historischer Dokumente beschrieben.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Al-Husseini unterstützte die nationalsozialistische Judenverfolgung und propagierte antisemitische Gewalt. Er war jedoch nicht der Urheber des Holocaust. Die Verantwortung für die systematische Ermordung der europäischen Juden lag beim nationalsozialistischen Deutschland und seinen Verbündeten und Helfern.

Gerade diese historische Genauigkeit macht die aktuelle Fernsehsendung so problematisch.

Es geht nicht darum, die Verbrechen eines einzelnen historischen Politikers der gesamten palästinensischen Bevölkerung zuzuschreiben. Es geht um die Entscheidung eines offiziellen, von der Palästinensischen Autonomiebehörde betriebenen Fernsehsenders, seine Rolle positiv darzustellen, ohne seine aktive Beteiligung an nationalsozialistischer Propaganda und Judenfeindschaft angemessen einzuordnen.

Die politische Bedeutung reicht damit über eine historische Rückschau hinaus.

Wer einen überzeugten Antisemiten und Hitler-Kollaborateur als Vorbild nationaler Identität präsentiert, vermittelt seinem Publikum auch eine Vorstellung davon, welche Persönlichkeiten Anerkennung verdienen.

Die PA kann nicht glaubwürdig gegen angeblichen Nationalsozialismus in Israel auftreten und gleichzeitig die eigene historische Verbindung eines gefeierten Nationalführers zum tatsächlichen NS-Regime beschönigen.

Die dokumentierte Sendung zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus al-Husseinis in der offiziellen palästinensischen Geschichtsdarstellung weiterhin ein ungelöstes Problem ist.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 29 Oktober 2026

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