Saudi-Arabien blockiert Frieden mit Israel unter NetanjahuSaudi-Arabien blockiert Frieden mit Israel unter Netanjahu
Mitten in Israels Regierungsbildung kommt aus Riad eine deutliche Botschaft: Solange Netanjahu mit seiner bisherigen Koalition regiert, wird es keine Normalisierung geben. Das Königreich verlangt Fortschritte bei der Gründung eines palästinensischen Staates. Doch die Forderung stößt in Israel längst nicht nur bei Netanjahu auf Widerstand.

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Saudi-Arabien schließt eine Normalisierung seiner Beziehungen zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen unter der bisherigen Regierung von Benjamin Netanjahu vorerst aus. Das berichtete der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan am Donnerstagabend, dem 5. November 2026, unter Berufung auf eine mit der saudischen Haltung vertraute Quelle. Die Aussage fällt in eine politisch entscheidende Phase: Nach der israelischen Parlamentswahl vom 27. Oktober laufen die Beratungen über die Bildung einer neuen Regierung.
Der saudische Gesprächspartner erklärte gegenüber dem Kan-Korrespondenten Roi Kais, das Königreich sei grundsätzlich an Frieden und Verhandlungen mit Israel interessiert. Voraussetzung sei jedoch eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts auf Grundlage zweier Staaten. Eine solche Perspektive sehe man unter Netanjahu und dessen bisheriger Koalition nicht.
Dabei betonte die Quelle, Saudi-Arabien habe kein grundsätzliches Problem mit der Person des israelischen Ministerpräsidenten. Entscheidend sei vielmehr dessen Politik. Zugleich erhob der Gesprächspartner den Vorwurf, Netanjahu strebe keine Verständigung an, sondern verschärfe die Spannungen in der Region.
Diese Anschuldigung ist die politische Bewertung einer anonymen Quelle und keine unabhängig festgestellte Tatsache. Die saudische Regierung hat sich zu den Ergebnissen der israelischen Wahl bislang nicht offiziell geäußert.
Die Botschaft aus Riad ist dennoch von erheblicher Bedeutung. Sie zeigt, dass das Königreich einen möglichen Regierungswechsel in Israel aufmerksam verfolgt und weiterhin darauf besteht, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Fortschritten in der Palästinenserfrage zu verbinden.
Eine Annäherung allein aufgrund gemeinsamer Sicherheitsinteressen gegenüber Iran oder der HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation im Jemen reicht den Saudis demnach nicht aus.
Riad hatte bereits auf die israelische Wahl gewartet
Die neue Erklärung kommt keineswegs überraschend. Bereits im Oktober 2025 hatte ein Mitglied des saudischen Königshauses gegenüber dem israelischen Sender N12 deutlich gemacht, dass unter der damaligen Regierung Netanjahu kaum mit einer diplomatischen Normalisierung zu rechnen sei.
Damals verwies der Gesprächspartner ausdrücklich auf die israelische Wahl im Oktober 2026. Sollte anschließend eine Regierung entstehen, die das Prinzip zweier Staaten akzeptiere, könne sich die Lage verändern.
Genau dieser Zeitpunkt ist nun erreicht.
Netanjahus bisheriges Regierungslager hat bei der Wahl seine parlamentarische Mehrheit verloren. Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot bemüht sich um die Bildung einer neuen Regierung, während Staatspräsident Isaac Herzog die Empfehlungen der Parteien entgegennimmt.
Die Regierungsbildung ist allerdings kompliziert. Eisenkots mögliche Partner unterscheiden sich erheblich in Fragen der Sicherheitspolitik, des Wehrdienstes und des Umgangs mit den arabischen Parteien.
Auch deshalb wäre es verfrüht, aus der saudischen Botschaft bereits eine bevorstehende Normalisierung unter einem anderen Ministerpräsidenten abzuleiten.
Das Königreich verlangt nicht lediglich einen Wechsel an der Spitze der israelischen Regierung. Es erwartet eine politische Grundlage für die Entstehung eines palästinensischen Staates.
Diese Forderung ist wesentlich schwieriger zu erfüllen als die bloße Ablösung Netanjahus.
Nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 hat sich die israelische Debatte über einen palästinensischen Staat erheblich verändert. Viele Israelis betrachten die Vorstellung einer solchen Staatsgründung inzwischen mit größerer Skepsis, weil sie eine erneute terroristische Bedrohung befürchten.
Die Sorge ist nicht auf die politische Rechte beschränkt.
Auch innerhalb der israelischen Opposition besteht keine einheitliche Haltung darüber, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Sicherheitsgarantien eine palästinensische Staatlichkeit überhaupt denkbar wäre.
Für Israel stellt sich insbesondere die Frage, wie verhindert werden könnte, dass ein weiterer Staat in unmittelbarer Nähe seiner Bevölkerungszentren von bewaffneten Terrororganisationen kontrolliert wird.
Die Erfahrungen mit dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen haben diese Debatte nachhaltig geprägt. Nach Israels Rückzug 2005 übernahm die Hamas 2007 gewaltsam die alleinige Kontrolle über das Gebiet und baute ihre militärischen Fähigkeiten aus. Am 7. Oktober 2023 verübten Hamas-Terroristen von dort aus das schwerste Massaker an Juden seit dem HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen.
Eine künftige politische Ordnung müsste deshalb nicht nur internationale Anerkennung und territoriale Fragen klären, sondern vor allem sicherstellen, dass von palästinensischem Gebiet keine erneuten terroristischen Angriffe ausgehen können.
Genau an diesem Punkt bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den saudischen Erwartungen und der israelischen Sicherheitsdebatte.
Die Abraham-Abkommen bleiben eine strategische Chance
Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien wäre einer der bedeutendsten außenpolitischen Schritte im Nahen Osten seit Jahrzehnten.
Das Königreich besitzt als wirtschaftliche und religiöse Großmacht eine besondere Stellung innerhalb der arabischen und islamischen Welt. Eine Normalisierung könnte neue Möglichkeiten für Handel, Investitionen, Verkehr und gemeinsame Sicherheitsprojekte eröffnen.
Vor allem könnte sie die regionale Zusammenarbeit gegenüber der Bedrohung durch Iran stärken.
Die Islamische Republik unterstützt seit Jahrzehnten Terrororganisationen und bewaffnete Gruppen, die nicht nur Israel bedrohen, sondern auch arabische Staaten destabilisieren. Saudi-Arabien war selbst wiederholt Ziel von Angriffen der vom Iran unterstützten Houthi-Bewegung.
Gemeinsame Sicherheitsinteressen zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Riad bestehen daher unabhängig von der palästinensischen Frage.
Bereits die 2020 unter amerikanischer Vermittlung geschlossenen Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain zeigten, dass arabische Staaten diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen können, ohne zuvor auf eine endgültige Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu warten.
Saudi-Arabien verfolgt jedoch einen anderen Ansatz.
Das saudische Außenministerium hatte bereits im Februar 2025 ausdrücklich erklärt, dass es ohne einen unabhängigen palästinensischen Staat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel geben werde. Diese Position wurde auch 2026 mehrfach bekräftigt.
Riad verlangt dabei einen Staat auf Grundlage der Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Israel betrachtet Jerusalem dagegen als seine Hauptstadt und lehnt eine politische Regelung ab, die seine Sicherheit oder den Fortbestand der Stadt als staatliches Zentrum gefährden würde.
Auch die Frage der israelischen Gemeinden in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen bleibt ein schwerwiegender Streitpunkt.
Die saudische Position ist somit keineswegs erst durch Netanjahus gegenwärtige Koalition entstanden. Sie beruht auf einer seit Jahren vertretenen diplomatischen Grundlinie.
Bemerkenswert ist vielmehr, dass Riad selbst angesichts der militärischen Auseinandersetzung mit Iran und der veränderten Sicherheitslage in der Region nicht bereit ist, seine politischen Bedingungen zugunsten einer schnellen Normalisierung aufzugeben.
Noch am 25. Oktober beteiligte sich Saudi-Arabien gemeinsam mit der Türkei, Ägypten und Pakistan an einer Erklärung, in der Israel als grundlegende Ursache regionaler Instabilität bezeichnet wurde.
Solche Positionierungen verdeutlichen, dass die Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien weiterhin von erheblichen politischen Gegensätzen geprägt sind.
Gleichzeitig bedeutet die saudische Haltung keine endgültige Absage an Frieden mit Israel. Die jetzt zitierte Quelle betonte ausdrücklich das Interesse an Verhandlungen und einer künftigen diplomatischen Verständigung.
Die entscheidende Frage ist daher, welche politischen und sicherheitspolitischen Voraussetzungen beide Seiten tatsächlich miteinander vereinbaren könnten.
Eine neue israelische Regierung könnte die Gespräche erleichtern, sofern sie eine andere Haltung zur palästinensischen Frage einnimmt. Sie könnte aber nicht einfach sämtliche Sicherheitsbedenken der israelischen Bevölkerung beiseiteschieben.
Ebenso wenig sollte eine Normalisierung unter der Voraussetzung erfolgen, dass Israel zentrale Fragen seiner eigenen Sicherheit lediglich aus diplomatischem Druck heraus beantwortet.
Die neue Botschaft aus Saudi-Arabien besitzt deshalb vor allem eine Bedeutung für die laufende Regierungsbildung.
Riad signalisiert, welche Politik es von einer künftigen israelischen Regierung erwartet. Ob sich daraus eine reale Verhandlungschance ergibt, hängt jedoch von den tatsächlichen Positionen einer neuen Koalition und den Bedingungen eines möglichen Abkommens ab.
Ein Regierungswechsel allein würde den Weg nach Riad nicht automatisch öffnen. Saudi-Arabien verlangt eine politische Perspektive für einen palästinensischen Staat. Israel muss zugleich gewährleisten können, dass eine solche Regelung nicht neue Gefahren für seine Bevölkerung schafft.
Damit bleibt der Konflikt zwischen diplomatischen Erwartungen und israelischen Sicherheitsinteressen die eigentliche Hürde für einen historischen Friedensschluss.
Autor: Redaktion
Freitag, 06 November 2026