Streit um Aeroflot: Russland verweigert El Al neue FlugrouteStreit um Aeroflot: Russland verweigert El Al neue Flugroute
El Al suchte einen Weg zurück nach Russland, ohne die unsichere Verbindung nach Moskau wieder aufnehmen zu müssen. Doch ausgerechnet Sankt Petersburg wurde zum politischen Streitfall – und hinter der russischen Ablehnung steht offenbar weit mehr als nur die Sicherheit des Luftraums.
Die israelische Fluggesellschaft El Al wollte ihre Verbindung nach Russland auf einem neuen Weg wieder aufnehmen. Statt erneut Moskau anzufliegen, sollte Sankt Petersburg zum Ziel direkter Flüge aus IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen werden. Der Gedanke dahinter war nachvollziehbar: Die Sicherheitslage im russischen Luftraum hatte El Al bereits im Juni dazu veranlasst, die Flüge zwischen Tel Aviv und Moskau auszusetzen. Doch aus dem geplanten Ersatz wurde vorerst nichts. Nach einem Bericht des israelischen Senders N12 verweigerte die russische Seite die erforderliche Zustimmung für die Verbindung nach Sankt Petersburg. Damit ist aus einer zunächst technisch wirkenden Entscheidung über eine Flugstrecke ein Vorgang geworden, in dem Sicherheit, Wirtschaft und die angespannten Beziehungen zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Moskau unmittelbar zusammentreffen.
El Al hatte den Verkehr nach Moskau Ende Juni zunächst wegen der Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie wegen der zunehmenden Risiken für den zivilen Luftverkehr unterbrochen. Die ursprüngliche Pause wurde anschließend verlängert. Eine Mitteilung an Reisebüros vom 18. August nennt die Flüge LY611, LY612, LY613 und LY614 und bestätigt deren Streichung bis einschließlich 22. Oktober 2026. Es handelt sich damit nicht um eine kurzfristige Reaktion auf einen einzelnen Zwischenfall, sondern um eine seit Monaten andauernde Vorsichtsmaßnahme der israelischen Fluggesellschaft.
Die Gründe dafür sind nicht theoretischer Natur. Ukrainische Drohnenangriffe tief im russischen Staatsgebiet haben wiederholt Auswirkungen auf den Luftverkehr gehabt. Noch Anfang September kam es an Moskauer Flughäfen zu Flugausfällen und Verspätungen. Die russische Führung widerspricht Warnungen vor einem grundsätzlich unsicheren Luftraum und versichert, die zivile Luftfahrt könne weiterhin sicher abgewickelt werden. Das russische Verkehrsministerium erklärte am 3. September, ausländische Fluggesellschaften seien über die geltenden Sicherheitsmaßnahmen informiert. Gleichzeitig zeigen die tatsächlichen Störungen, weshalb eine israelische Fluggesellschaft bei der Bewertung des Risikos nicht einfach politischen Versicherungen vertrauen kann. Für El Al ist die Sicherheit von Passagieren und Besatzungen keine diplomatische Gefälligkeit, sondern eine Verantwortung, die im Zweifel schwerer wiegt als wirtschaftliche Interessen.
Hinter der Ablehnung steht der Streit um Aeroflot
Nach den von N12 veröffentlichten Informationen geht es jedoch nicht allein um die Lage über Russland. Moskau soll seine Haltung gegenüber dem geplanten El-Al-Verkehr nach Sankt Petersburg auch mit einem ganz anderen Konflikt verbinden: Der russische Staatskonzern Aeroflot verfügt derzeit nicht über die israelische Zustimmung zur Wiederaufnahme regulärer Flüge nach Israel. Die russische Seite soll deshalb wenig Bereitschaft gezeigt haben, El Al eine neue Verbindung nach Sankt Petersburg zu ermöglichen.
Damit würde Russland zwei Fragen miteinander verknüpfen, die Israel aus guten Gründen getrennt betrachten kann. Dass private russische Fluggesellschaften weiterhin Verbindungen nach Israel betreiben können, zeigt bereits, dass Jerusalem den russischen Luftverkehr nicht grundsätzlich ausschließt. Der Streit betrifft vielmehr die Bedingungen, unter denen gerade Aeroflot zurückkehren könnte. N12 zufolge liegt eine endgültige Entscheidung darüber auch beim israelischen Außenministerium. Eine offizielle russische Erklärung, wonach die verweigerte Genehmigung für Sankt Petersburg ausdrücklich als Vergeltung für die israelische Haltung gegenüber Aeroflot gedacht sei, liegt bislang allerdings nicht vor. Diese politische Verbindung wird in der israelischen Berichterstattung hergestellt und sollte deshalb auch als solche gekennzeichnet werden.
Gerade diese Einschränkung ist wichtig, denn am 3. September erschienen aus Russland zunächst Meldungen, die einen völlig anderen Eindruck vermittelten. Die Petersburger Zeitung „Fontanka“ berichtete unter Berufung auf die Leiterin der Vertretung des israelischen Tourismusministeriums in Moskau, Ksenia Vorontsova, El Al werde eine direkte Verbindung zwischen Tel Aviv und Sankt Petersburg eröffnen. Dabei wurden bereits eine vorgesehene Flugzeit von rund fünf Stunden und 15 Minuten sowie der Einsatz einer Boeing 737-900 genannt. Andere russische Berichte formulierten vorsichtiger: El Al sei für zwei wöchentliche Flüge vorbereitet, warte jedoch noch auf die erforderlichen Genehmigungen. Der spätere N12-Bericht zeichnet nun das entscheidende andere Bild: Diese Zustimmung wurde von russischer Seite nicht erteilt. Solange keine gegenteilige behördliche Bestätigung vorliegt, kann deshalb von einer tatsächlich gesicherten neuen Verbindung keine Rede sein.
Für Israel ist diese Verbindung keineswegs nebensächlich. Zwischen Israel und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion bestehen enge familiäre, gesellschaftliche und wirtschaftliche Beziehungen. Zahlreiche israelische Familien haben Angehörige in Russland, und Sankt Petersburg besitzt zudem eine bedeutende jüdische Gemeinschaft sowie israelische konsularische Strukturen. Eine direkte Flugverbindung ist deshalb weit mehr als ein touristisches Angebot. Für viele Menschen entscheidet sie darüber, ob Familienkontakte mit vertretbarem Aufwand aufrechterhalten werden können.
Gerade deshalb sollte Jerusalem nicht akzeptieren, dass eine Frage der israelischen Flugsicherheit zu einem politischen Tauschgeschäft wird. Wenn El Al nach eigener Bewertung Moskau derzeit nicht zuverlässig anfliegen kann und Sankt Petersburg als Alternative betrachtet, muss Israel diese Entscheidung an den Risiken für seine Passagiere und Besatzungen ausrichten können. Umgekehrt steht es Russland selbstverständlich frei, ausländischen Gesellschaften Verkehrsrechte nur im Rahmen seiner Vorschriften und bilateralen Vereinbarungen einzuräumen. Problematisch würde der Vorgang jedoch dort, wo solche Genehmigungen tatsächlich davon abhängig gemacht würden, ob Israel im Gegenzug einem russischen Staatsunternehmen Zugang gewährt.
Der Fall zeigt damit in ungewöhnlicher Deutlichkeit, wie weit der russische Krieg gegen die Ukraine längst in Bereiche hineinreicht, die auf den ersten Blick wenig mit dem Schlachtfeld zu tun haben. Drohnenangriffe, zeitweise Einschränkungen an Flughäfen, Sicherheitsbewertungen internationaler Fluggesellschaften und politische Spannungen greifen ineinander. Moskau versichert, sein Luftraum sei sicher. El Al trägt jedoch die Verantwortung für die Menschen in seinen Flugzeugen und muss seine Entscheidungen nach einer eigenen Risikobewertung treffen.
Für die betroffenen Reisenden bleibt die Lage vorerst ernüchternd. Die Rückkehr El Als nach Moskau ist weiterhin nicht gesichert, und der Versuch, Sankt Petersburg als Alternative aufzubauen, ist nach den aktuellen israelischen Informationen an der russischen Zustimmung gescheitert. Gerade weil am selben Tag bereits Meldungen über einen angeblich bevorstehenden Start der Strecke kursierten, ist Zurückhaltung geboten. Erst eine erteilte Genehmigung, ein veröffentlichter verbindlicher Flugplan und tatsächlich buchbare Flüge würden aus dem Petersburg-Plan eine neue Verbindung machen.
Bis dahin bleibt eine einfache Erkenntnis: Israel darf bei der Sicherheit seiner Bürger keine Abkürzungen nehmen. Eine Flugroute ist kein diplomatisches Geschenk und die Sicherheit eines israelischen Flugzeugs keine Verhandlungsmasse.
Autor: Redaktion
Freitag, 04 September 2026