Amerikas gefährliche Gleichgültigkeit: Wie Trumps Deal mit den Houthis Israel im Stich lässtAmerikas gefährliche Gleichgültigkeit: Wie Trumps Deal mit den Houthis Israel im Stich lässt
Ein Waffenstillstand mit Antisemiten – solange kein Amerikaner blutet, ist für die USA alles in Ordnung. Für Israel aber geht es ums Überleben.

Von David Ball - Eigenes Werk, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2924235
Die Rakete landete nur wenige hundert Meter neben dem Tower des Ben-Gurion-Flughafens. Es hätte ein Massaker werden können. Es war ein gezielter Angriff der jemenitischen HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen auf Israels zivilen Luftverkehr – und es war nicht der erste. Dass Präsident Donald Trump nur zwei Tage später einen „Waffenstillstand“ mit genau diesen HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen verkündete, ohne IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen auch nur zu informieren, gleicht einem diplomatischen Schlag ins Gesicht. Und es ist mehr als das: Es ist ein beunruhigendes Signal an den jüdischen Staat, dass seine Sicherheit aus Sicht Washingtons verhandelbar geworden ist.
Noch beunruhigender aber sind die Worte, mit denen US-Botschafter Mike Huckabee die neue Linie verteidigte. In einem Interview mit dem israelischen Fernsehen machte er deutlich, dass die USA nur dann militärisch auf Houthi-Angriffe reagieren würden, wenn amerikanische Staatsbürger direkt verletzt würden. Anders gesagt: Israel kann weiter beschossen, bedroht, gedemütigt werden – solange kein Amerikaner blutet, bleibt Washington passiv.
Es ist ein eiskalter Pragmatismus, der den moralischen Kompass verloren hat. Denn bei den Houthis handelt es sich nicht um eine „regional agierende Miliz“, sondern um eine vom Iran finanzierte Terrororganisation mit einem klaren Ziel: die Vernichtung Israels. Ihre Parolen – „Tod für Israel, Tod für Amerika, ein Fluch über die Juden“ – sind nicht nur Worte, sie sind programmatisch. Wer mit solchen Gruppen verhandelt, sie mit diplomatischer Anerkennung adelt, statt sie zu isolieren, sendet ein fatales Signal.
Dass Trump diesen Deal auch noch öffentlichkeitswirksam inszenierte, ohne Israel einzubeziehen, ist ein strategischer Affront. Noch vor einem Jahr galt die Bedrohung durch die Houthis als rote Linie – ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt im Roten Meer hatten zu massiven US-Luftschlägen geführt. Über 1.000 Ziele wurden seit März zerstört, Hunderte Kämpfer getötet. Doch nun, da der Fokus sich verschiebt und die Angriffe sich gegen Israel richten, gilt plötzlich ein anderes Maß? Es scheint, als hätte sich die amerikanische Definition von Terror geändert – abhängig vom Opfer.
Dass Botschafter Huckabee auf die 700.000 US-Bürger in Israel verweist, ist mehr als nur taktisches Kalkül. Es offenbart eine grausame Logik: Der Angriff auf Ben Gurion, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden, ist für Washington erst dann relevant, wenn unter den Opfern ein Amerikaner ist. So spricht kein Bündnispartner, so spricht kein Freund. So spricht ein Staat, der seine Interessen über alles stellt – auch über Menschenleben.
Israel reagierte umgehend: gezielte Luftschläge auf die Hafenstadt Hodeida, auf Abschussrampen und Infrastruktur der Houthis. Die Botschaft war klar: Wer uns angreift, zahlt den Preis. Dass die internationale Gemeinschaft dazu schweigt, dass die USA ausgerechnet jetzt einen „Waffenstillstand“ mit der Angreiferseite verkünden, lässt Israel einmal mehr allein. Es ist ein gefährlicher Präzedenzfall: Ein Terrorregime wird mit einer Vereinbarung belohnt, während sein erklärtes Ziel – die Auslöschung Israels – weiterhin offen ausgesprochen wird.
Der Nahe Osten ist kein Ort für moralische Ambivalenz. Hier bedeutet Schweigen Zustimmung. Wer den Houthis ein Zugeständnis macht, stärkt auch den Iran, stärkt HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, stärkt HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Und er schwächt die einzige Demokratie der Region. Dass ausgerechnet die USA, die sich selbst als Verteidiger der freien Welt verstehen, in dieser Stunde der Bewährungsprobe zögern, ist eine historische Enttäuschung.
Israel wird überleben. Nicht wegen, sondern trotz der Untätigkeit seiner Verbündeten. Doch wer jetzt meint, Kompromisse mit AntisemitenAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen seien Teil einer klugen Geopolitik, wird den Preis früher oder später zahlen – nicht nur in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, sondern vielleicht auch in New York oder San Francisco. Denn die Raketen, die heute auf israelische Flughäfen zielen, testen nicht nur das israelische Abwehrsystem. Sie testen auch den Westen. Und der besteht diesen Test gerade nicht.
Autor: Redaktion
Freitag, 09 Mai 2025