So sieht die neue Realität für Juden in den USA ausSo sieht die neue Realität für Juden in den USA aus
Nach zwei schweren Anschlägen sagt die jüdische Gemeinde Großveranstaltungen ab – aus Angst. Die Warnung des FBI ist deutlich. In Texas fällt ein Pro-Israel-Kongress aus – wegen Drohungen von Hamas-Unterstützern.

Symbolbild
Die Vereinigten Staaten galten lange als sicherer Hafen für Jüdinnen und Juden aus aller Welt. Eine stabile Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit der Religion – all das versprach Schutz. Doch im Jahr 2025 scheint dieser Schutz zu bröckeln. In Dallas, Texas, wurde ein für Anfang Juni geplantes Pro-IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen-Treffen mit über tausend Teilnehmern abgesagt – aus Angst vor einem Anschlag. Nicht irgendeinem. Sondern einem, der offen angekündigt wurde. Von Unterstützern einer Terrororganisation. In den USA. Und das ist nur ein Beispiel.
Auch der israelisch-amerikanische Gemeinde-Verband IAC hat sich entschieden, vorerst sämtliche Outdoor-Veranstaltungen abzusagen – zu groß ist die Unsicherheit, zu real die Bedrohung. Dass jüdisches Leben in Europa unter Druck steht, ist seit Jahren bekannt. Doch dass nun selbst in den USA jüdische Familien Angst haben, ihre Kinder zur Schule zu schicken, ist ein Alarmsignal von besonderer Wucht.
Die Entscheidung zur Absage fiel nach zwei Terroranschlägen in weniger als vier Wochen. In einem Fall schleuderte ein 45-jähriger Ägypter zwei Molotowcocktails auf eine jüdisch-israelische Kundgebung. Zwölf Menschen wurden verletzt. Im anderen Fall erschoss ein Mann mit lateinamerikanischen Wurzeln zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft, nachdem sie eine Gedenkveranstaltung im jüdischen Museum in Washington verlassen hatten. Er rief dabei: „Free PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“.
Das FBI spricht offen von einem „erhöhten Risiko“ für jüdische und israelische Einrichtungen – und tut das nicht leichtfertig. Der nationale Sicherheitsapparat ist in höchster Alarmbereitschaft. Auch das Department of Homeland Security hat seine Einschätzung der Bedrohungslage aktualisiert. Was nach formellen Behördensätzen klingt, bedeutet im Alltag für jüdische Familien, dass sie sich fragen müssen: Ist der Besuch der Synagoge sicher? Darf mein Sohn die Kippa noch tragen? Wie erkenne ich potenzielle Täter?
Die Angst kriecht in den Alltag.
„Es hat sich wirklich etwas verändert“, sagt Adam Saar, jüdischer Student aus Cleveland. „Die Gespräche in der Community drehen sich nur noch um unsere Sicherheit. Alle sind angespannt. Es fühlt sich an wie ein Damoklesschwert.“ Und tatsächlich, was wie eine rhetorische Übertreibung wirkt, ist bittere Realität: In der jüdischen Community der USA herrscht Alarmstimmung. Die Gesellschaft, einst so offen, zeigt Brüche – befeuert von sozialen Medien, DesinformationDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Hasspropaganda und einer immer radikaleren linken Szene, die nicht davor zurückschreckt, Gewalt zu verharmlosen oder sogar zu rechtfertigen.
Besonders bedrohlich: Die Feindbilder haben sich verschoben. War AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen früher vor allem mit rechtsradikalen Gruppen verbunden, erleben wir heute eine neue Allianz aus islamistischen Gruppen, pro-palästinensischen Aktivisten und Teilen der akademischen Linken. Begriffe wie „IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“, „From the River to the SeaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“ oder „Widerstand gegen den ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen“ sind keine Parolen mehr, sie werden zur realen Gefahr. Nicht für ein Land im Nahen Osten. Sondern für eine Gemeinde in New Jersey, in Kalifornien oder in Texas.
Das Schweigen außerhalb der jüdischen Community macht es noch schlimmer.
Denn diese Entwicklung geschieht nicht im luftleeren Raum. Viele, die sich sonst lautstark für Minderheiten einsetzen, schweigen oder relativieren, wenn es um Antisemitismus geht – besonders wenn er von Menschen mit Migrationshintergrund oder im Namen der palästinensischen Sache kommt. Die Absage der „Israel Summit“-Konferenz in Dallas erfolgte nach wiederholten Drohungen – sowohl direkt als auch über soziale Netzwerke. Die Veranstalter, darunter auch HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Überlebende und ehemalige amerikanische Regierungsmitglieder, entschieden sich schweren Herzens, das Risiko nicht einzugehen.
David Friedman, der ehemalige US-Botschafter in Israel, sprach Klartext: „Dies ist Amerika im Jahr 2025. Mein Auftritt musste abgesagt werden – wegen Bedrohungen durch gewaltbereite Dschihadisten.“ Diese Worte sind nicht übertrieben. Sie sind Ausdruck einer Realität, die längst da ist. Wer sie leugnet, verkennt die Gefahr.
Die jüdische Gemeinde steht heute an einem Punkt, an dem sie sich in vielen Teilen des Landes nicht mehr sicher fühlt.
Und diese Unsicherheit ist kein subjektives Empfinden, sondern das Ergebnis konkreter Vorfälle, gezielter Gewalt und einer rasant steigenden Zahl antisemitischer Übergriffe. Die Täter fühlen sich offenbar legitimiert – durch ein Klima, das Antisemitismus bagatellisiert, das Israel dämonisiert und jüdische Stimmen zum Schweigen bringen will.
Nach dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen wurde viel über Solidarität gesprochen. Doch jetzt, fast zwei Jahre später, zeigt sich, wie tief diese Solidarität wirklich reicht. Die Wahrheit ist: Viele jüdische Amerikaner fühlen sich alleingelassen. Während die Bedrohung wächst, bleibt die breite gesellschaftliche Reaktion oft aus. Es braucht nicht nur schärfere Sicherheitsmaßnahmen, sondern auch eine moralische Rückendeckung. Und zwar nicht nur von Politikern, sondern von der ganzen Gesellschaft.
Autor: Redaktion
Montag, 09 Juni 2025