Holocaust-Witze und „Zionisten“-Beschimpfungen – dramatischer Anstieg des Antisemitismus an Schulen und Universitäten

Holocaust-Witze und „Zionisten“-Beschimpfungen – dramatischer Anstieg des Antisemitismus an Schulen und Universitäten


Eine staatliche Untersuchung deckt ein massives Ausmaß antisemitischer Vorfälle im Bildungssystem auf – von Hakenkreuzen über Hetze gegen jüdische Schüler bis hin zu offener Feindseligkeit gegenüber Israel.

Holocaust-Witze und „Zionisten“-Beschimpfungen – dramatischer Anstieg des Antisemitismus an Schulen und Universitäten
By Kevin Payravi - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=148922229

In den Schulen des US-Bundesstaates Massachusetts hat der AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen drastisch zugenommen. Das geht aus dem Abschlussbericht der „Massachusetts Special Commission on Combating Antisemitism“ hervor, die über ein Jahr lang Anhörungen, Befragungen und Auswertungen durchgeführt hat. Der Bericht zeichnet ein alarmierendes Bild: Jüdische Kinder und Jugendliche werden an Schulen verspottet, bedroht und mit offener Feindseligkeit konfrontiert – häufig unter dem Deckmantel politischer oder „anti-zionistischer“ Aussagen.

Holocaust-Witze, Hakenkreuze und „Zionist“ als Schimpfwort

An Schulen von der Vorschule bis zur 12. Klasse wurden wiederholt antisemitische Schmierereien mit Hakenkreuzen dokumentiert. Lehrkräfte berichteten von Schülern, die den HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen leugneten oder darüber Witze machten. Andere Kinder wurden als „Zionisten“ beschimpft – ein Begriff, der zunehmend als Schimpfwort gebraucht wird. In mehreren Fällen kam es zu offener Diskriminierung und Einschüchterung, weil Schüler als jüdisch erkannt oder mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen in Verbindung gebracht wurden.

Die Kommission stellte fest, dass viele dieser Vorfälle gar nicht gemeldet werden. Jüdische Schüler hätten, so der Bericht, „große Angst vor Vergeltung oder Gleichgültigkeit der Behörden“. Auch Lehrer und Schulleitungen wüssten oft nicht, wie antisemitische Handlungen korrekt zu erkennen oder zu melden seien.

Mangelnde Kontrolle und gefährliche Bildungslücken

Ein zentrales Problem liegt laut dem Bericht im Unterricht selbst. Mehrere Zeugen warnten, dass Lehrmaterialien über das Judentum, die Geschichte Israels oder den NahostkonfliktPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen oft fehlerhaft oder verzerrt seien. Das Bildungsministerium des Bundesstaates (DESE) verfüge nur über begrenzte Aufsichtsmöglichkeiten über die Lehrpläne. Zwar existieren seit 2018 Standards zur Vermittlung des Themas Nahost, doch deren Anwendung bleibt freiwillig – und oft ungenutzt.

Die Kommission fordert deshalb verbindliche Lehrinhalte zur Aufklärung über Antisemitismus, jüdische Geschichte und den Holocaust. Zudem sollen Lehrkräfte verpflichtend Fortbildungen zu Vorurteilsbekämpfung absolvieren, in denen das Thema Antisemitismus ausdrücklich enthalten ist – etwas, das bisher in vielen Anti-Bias-Schulungen fehlt.

Antisemitismus auch an Hochschulen weit verbreitet

Die Untersuchung deckt nicht nur Missstände an Schulen auf, sondern auch an Universitäten. Auf dem Campus sei ein „Klima der Angst“ entstanden, heißt es. Jüdische Studierende und Dozenten berichteten von Anfeindungen, Boykotten und Drohungen. Manche wurden aufgefordert, öffentlich ihre Haltung zum Nahostkonflikt offenzulegen oder Israel zu verurteilen, um nicht ausgegrenzt zu werden.

Mehrere Universitäten meldeten Fälle von antisemitischen Graffiti, zerstörten Mesusot und körperlichen Angriffen. Holocaust-Leugnungen seien keine Randerscheinung mehr: Ein Student wurde mit den Worten konfrontiert, er solle „in die Gaskammer gehen“.

Zudem häufen sich akademische Boykotte gegen Personen oder Institutionen mit israelischem Bezug. An der Universität von Massachusetts-Amherst wurde ein solcher Versuch zwar gestoppt, doch der Bericht warnt: „Boykotte aufgrund nationaler oder religiöser Zugehörigkeit verstoßen gegen Antidiskriminierungsgesetze und die Grundprinzipien freier Wissenschaft.“

Forderung nach landesweiten Reformen

Die Kommission schlägt eine Reihe konkreter Maßnahmen vor:

  • Einrichtung eines staatlichen Meldesystems für Hassverbrechen und Diskriminierung.

  • Klare Richtlinien für Schulen und Universitäten zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen.

  • Einführung verbindlicher Lehrmodule zu jüdischer Geschichte und Identität.

  • Koordination zwischen Hochschulen und Sicherheitsbehörden, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen.

  • Einführung eines landesweiten „Jewish American Heritage Month“ im Schulkalender.

Ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung

Die Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit: 84 Prozent aller religiös motivierten Hassverbrechen in Massachusetts richteten sich 2024 gegen Juden – ein Anstieg um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass Antisemitismus längst keine Randerscheinung mehr ist, sondern ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das Bildungseinrichtungen in den Kern trifft.

„Unsere Kinder lernen wieder, Juden zu hassen – manchmal aus Unwissenheit, manchmal aus Ideologie“, heißt es im Bericht. „Wenn Schulen nicht handeln, wird aus Stille Zustimmung.“




Autor: Redaktion
Mittwoch, 12 November 2025

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