Demokratische Vorwahl in New York: Offene antisemitische Codes gegen proisraelischen AbgeordnetenDemokratische Vorwahl in New York: Offene antisemitische Codes gegen proisraelischen Abgeordneten
Ein linker Herausforderer attackiert einen jüdisch unterstützten Kongressabgeordneten mit Worten über „zionistische Millionäre“. Es ist kein Ausrutscher. Es ist ein politisches Signal. Und es zeigt, wie offen antisemitische Denkmuster inzwischen in demokratischen Wahlkämpfen benutzt werden.
Was in diesen Tagen im New Yorker Stadtbezirk Bronx geschieht, ist mehr als ein schmutziger Vorwahlkampf. Es ist ein Blick in eine politische Realität, die viele lange nicht sehen wollten. Wer Israel unterstützt, wer jüdische Gemeinden verteidigt oder sich offen zum Zionismus bekennt, wird zunehmend nicht mehr kritisiert, sondern markiert.
Der demokratische Kongressabgeordnete Ritchie Torres, einer der profiliertesten proisraelischen Stimmen im linken Spektrum der Vereinigten Staaten, sieht sich derzeit mit Angriffen konfrontiert, die nicht mehr politisch, sondern identitär sind. Sein Herausforderer Jose Vega spricht vom Bronx als „Gaza West“. Er behauptet, Torres sei gekauft und kontrolliert von „zionistischen Influencern und Millionären“, die im jüdisch geprägten Stadtteil Riverdale lebten.
Das sind keine zufälligen Worte. Es sind jahrzehntealte antisemitische Chiffren in neuem Gewand.
Wenn alte Muster neu verpackt werden
Wer heute „Zionist“ sagt und dabei Macht, Geld, Kontrolle und politische Steuerung meint, weiß sehr genau, was er tut. Die Begriffe sind austauschbar geworden, aber die Erzählung bleibt dieselbe. Früher hieß es „die Juden“. Heute heißt es „die Zionisten“. Die Mechanik ist identisch.
In den veröffentlichten Wahlvideos werden jüdische Symbole grafisch hervorgehoben. Kippot werden visuell markiert. Treffen mit jüdischen Gemeindevertretern werden als Beweis für Korruption dargestellt. Nicht wegen politischer Entscheidungen, sondern wegen der Nähe zu Juden.
Das ist keine Israelkritik. Das ist keine Debatte über Gaza. Das ist ethnisierte Schuldzuweisung.
Der Vorwurf richtet sich nicht gegen konkrete Abstimmungen, sondern gegen eine angebliche jüdische Machtstruktur. Genau dort beginnt Antisemitismus.
Ein gefährlicher Testlauf für die amerikanische Linke
Der Fall ist deshalb so brisant, weil er mitten im demokratischen Vorwahlkampf stattfindet. Nicht am Rand. Nicht bei radikalen Gruppen. Sondern innerhalb einer Partei, die für sich in Anspruch nimmt, Minderheiten zu schützen.
Dass solche Aussagen nicht sofort zum politischen Aus führen, sondern Teil einer ernsthaften Kampagne sind, zeigt, wie sehr sich der moralische Kompass verschoben hat.
Wer heute in progressiven Milieus Israel verteidigt, gilt schnell als verdächtig. Wer jüdische Sicherheitsinteressen ernst nimmt, wird als „Teil des Problems“ markiert. Und wer offen jüdische Gemeinden unterstützt, muss sich rechtfertigen.
Das ist eine Umkehr der Realität.
Denn Ritchie Torres ist kein reicher Lobbyist. Er stammt selbst aus schwierigen sozialen Verhältnissen im Bronx. Er ist offen homosexuell. Er gehört Minderheiten an, die sonst im linken Diskurs verteidigt werden. Doch ein Punkt genügt, um all das auszulöschen: seine Haltung zu Israel.
Wenn jüdisches Leben politisch riskant wird
Besonders beunruhigend ist die Wirkung auf die jüdische Bevölkerung vor Ort. In Riverdale leben tausende jüdische Familien. Für viele von ihnen ist Torres nicht nur ein Abgeordneter, sondern ein Sicherheitsfaktor. Einer, der nicht schweigt, wenn jüdische Einrichtungen bedroht werden. Einer, der Antisemitismus nicht relativiert.
Dass genau diese Nähe nun zum Angriffspunkt wird, sendet ein klares Signal: Jüdische Unterstützung wird politisch toxisch gemacht.
Nicht wegen konkreter Inhalte. Sondern wegen der Identität der Unterstützer.
Das ist der Moment, in dem politische Auseinandersetzung zur gesellschaftlichen Gefahr wird. Wenn jüdische Gemeinden wieder lernen müssen, dass ihre Sichtbarkeit ein Risiko ist.
Israel als Vorwand, Juden als Ziel
Natürlich geht es offiziell um Gaza. Um Krieg. Um Leid. Doch die Wortwahl verrät, dass es längst nicht mehr darum geht. Niemand spricht von saudischen Millionären. Niemand von türkischen Einflussnetzwerken. Niemand von katarischer Finanzierung.
Nur jüdische Unterstützer werden benannt, kollektiviert, dämonisiert.
Israel wird dabei zum Vorwand. Der eigentliche Konflikt richtet sich gegen jüdische Selbstbehauptung in der Diaspora. Gegen jüdische Normalität im politischen Raum.
Wer heute „Zionisten kontrollieren den Kongress“ sagt, knüpft bewusst an ein Weltbild an, das nie verschwunden war.
Eine Warnung weit über New York hinaus
Was im Bronx beginnt, endet nicht dort. Die USA erleben gerade einen kulturellen Kipppunkt. Antisemitismus tritt nicht mehr in Springerstiefeln auf, sondern in Wahlkampfspots. Nicht mehr mit Hakenkreuzen, sondern mit moralischem Vokabular.
Und genau deshalb ist er so gefährlich.
Denn er tarnt sich als Gerechtigkeit, während er ausgrenzt. Er spricht von Menschlichkeit, während er Menschen markiert. Er behauptet Solidarität, während er jüdisches Leben isoliert.
Der Wahlkampf gegen Ritchie Torres ist kein Einzelfall. Er ist ein Symptom.
Ein Symptom dafür, dass antisemitische Narrative wieder sagbar geworden sind, solange man sie nur richtig benennt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By tedeytan - https://www.flickr.com/photos/22526649@N03/53818382197/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151397015
Samstag, 31 Januar 2026