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New York: Demonstranten rufen „Juden essen Kinder“ bei Al-Quds-Kundgebung

New York: Demonstranten rufen „Juden essen Kinder“ bei Al-Quds-Kundgebung


Auf offener Straße werden uralte antisemitische Hetzparolen wiederholt. Was als politische Kritik beginnt, kippt sichtbar in offene Judenfeindschaft und bleibt weitgehend unbeachtet.

New York: Demonstranten rufen „Juden essen Kinder“ bei Al-Quds-Kundgebung

Was sich in New York am Rande des Al-Quds-Tages abgespielt hat, ist keine Randnotiz, sondern ein Alarmsignal. Mitten im Zentrum einer westlichen Metropole rufen Demonstranten Parolen, die direkt aus den dunkelsten Kapiteln der Geschichte stammen. „Hört auf, Babys zu essen“, schreit ein Redner, und die Menge antwortet geschlossen. Ohne Zögern. Ohne Widerspruch.

Diese Szene steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und nun offen sichtbar wird. Antizionistische Rhetorik dient zunehmend als Träger für klassische antisemitische Narrative. Was früher als absurde Verschwörung galt, wird heute wieder laut ausgesprochen und von Hunderten skandiert.

Der Vorwurf, Juden würden Kinder töten und ihr Blut verwenden, ist kein neues Motiv. Er gehört zu den ältesten antisemitischen Lügen der europäischen Geschichte. Bereits im Mittelalter führte diese Erzählung zu Pogromen, Vertreibungen und Morden. Dass genau dieses Narrativ heute wieder auf den Straßen von New York auftaucht, zeigt, wie weit die Grenze bereits verschoben ist.

Dabei fällt auf, wie selbstverständlich diese Inhalte aufgenommen werden. Es gibt keine Irritation, keine Distanz. Die Parolen werden nicht als extrem wahrgenommen, sondern als Teil eines politischen Protests. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Wenn alte Hetze in neue Sprache gekleidet wird

Auf der Kundgebung werden nicht nur historische Vorwürfe wiederholt, sondern mit modernen politischen Begriffen verbunden. Israel wird als kolonialer Staat bezeichnet, als Apartheid-System, als angeblicher Täter eines Völkermordes. Diese Begriffe stammen aus akademischen und politischen Debatten, doch sie werden hier zu Schlagwörtern, die jede Differenzierung verdrängen.

Gleichzeitig erscheinen Bilder und Vergleiche, die direkt an antisemitische Propaganda des 20. Jahrhunderts erinnern. Juden oder „Zionisten“ werden als Parasiten beschrieben, als Krankheit, als fremder Körper, der Gesellschaften unterwandert. Diese Sprache ist nicht neu. Sie wurde bereits von den Nationalsozialisten genutzt, um Hass zu legitimieren.

Auch visuelle Darstellungen greifen bekannte Muster auf. Symbole, die Israel mit dem Nationalsozialismus gleichsetzen, oder Darstellungen, die an Verschwörungsmythen erinnern, tauchen erneut auf. Das alles geschieht nicht am Rand, sondern sichtbar und öffentlich.

Hinzu kommt die offene Unterstützung von Organisationen wie der Hamas oder der Hisbollah. Parolen, die Gewalt gegen Israel fordern, werden ebenso gerufen wie Drohungen, die sich direkt gegen Juden richten. Historische Bezüge wie „Khaybar“ werden skandiert, ein Verweis auf ein Ereignis, das in diesem Kontext als Drohung verstanden wird.

Die Verschiebung der Wahrnehmung

Besonders auffällig ist die Reaktion oder vielmehr das Ausbleiben einer Reaktion. Während vergleichbare Aussagen aus anderen politischen Lagern sofort breite Empörung auslösen würden, bleibt diese Form von Hetze weitgehend unbeachtet oder wird verharmlost.

Teile der Berichterstattung sprechen von „pro-palästinensischen Argumenten“, obwohl offen antisemitische Inhalte geäußert werden. Diese sprachliche Verschiebung ist entscheidend. Sie verschleiert, was tatsächlich gesagt wird, und macht es gesellschaftlich akzeptabler.

Damit entsteht ein Raum, in dem antisemitische Inhalte nicht mehr klar benannt werden. Sie erscheinen als Teil politischer Debatten, obwohl sie in Wirklichkeit auf jahrhundertealten Feindbildern beruhen.

Antizionismus als neue Form alter Feindbilder

Die Entwicklung folgt einem klaren Muster. Während Antijudaismus religiös begründet war und Antisemitismus später rassisch argumentierte, richtet sich der heutige Hass häufig gegen den jüdischen Staat und das jüdische Selbstverständnis als Volk.

Doch die Inhalte bleiben dieselben. Die Vorwürfe, die Sprache und die Bilder unterscheiden sich kaum von früher. Sie werden lediglich in einen neuen politischen Kontext eingebettet.

Die Folge ist eine Vermischung, die es ermöglicht, alte Hetze unter neuem Namen zu verbreiten. Wer Israel angreift, nutzt Begriffe, die scheinbar politisch sind, transportiert aber oft Inhalte, die weit darüber hinausgehen.

Die Ereignisse in New York zeigen, dass diese Entwicklung längst nicht mehr abstrakt ist. Sie ist sichtbar, hörbar und wird von einer wachsenden Zahl von Menschen mitgetragen.

Und genau das macht sie so gefährlich. Denn was einmal als Tabu galt, wird Schritt für Schritt normalisiert.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=186112319
Freitag, 20 März 2026

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