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US-Geheimdienste im Machtkampf: Iran profitiert von Trumps riskanter Personalpolitik

US-Geheimdienste im Machtkampf: Iran profitiert von Trumps riskanter Personalpolitik


CIA und ODNI streiten über Iran-Analysen, während Trump einen sicherheitspolitisch unerfahrenen Loyalisten befördert. Für Israel und den Golf ist das mehr als ein Washingtoner Machtspiel.

US-Geheimdienste im Machtkampf: Iran profitiert von Trumps riskanter Personalpolitik
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Mitten in einer der gefährlichsten Phasen der amerikanischen Iran-Politik gerät der Geheimdienstapparat der Vereinigten Staaten in schwere Turbulenzen. Nach Berichten amerikanischer Medien hat die CIA Teile ihrer Zusammenarbeit mit dem Büro der nationalen Geheimdienstdirektion, dem ODNI, eingeschränkt. Besonders brisant: Betroffen sein sollen auch Einschätzungen zur Lage im Iran. Ausgerechnet in einem Moment, in dem Washington militärisch, diplomatisch und strategisch unter höchstem Druck steht, arbeiten zentrale Teile des amerikanischen Nachrichtendienstsystems offenbar nicht mehr wie eine geschlossene Struktur.

Das ist mehr als ein bürokratischer Machtkampf. Wenn CIA und ODNI Informationen nicht sauber teilen, wenn Zuständigkeiten umstritten sind und wenn politische Loyalität plötzlich wichtiger wirkt als nachrichtendienstliche Erfahrung, kann das Folgen für Entscheidungen haben, die Krieg und Frieden berühren. Gerade bei Iran ist jeder Fehler gefährlich. Das Regime in Teheran verhandelt, droht, verzögert und lässt seine Stellvertreter weiter Druck auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, die GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und amerikanische Interessen ausüben. In einer solchen Lage braucht Washington präzise Lagebilder, keine zersplitterten Apparate.

Streit um Informationen, Zuständigkeiten und Macht

Im Zentrum des Konflikts steht ein Streit zwischen der CIA und dem Büro der nationalen Geheimdienstdirektion. Nach dem Bericht hat die CIA aufgehört, an bestimmten Lageeinschätzungen mitzuwirken, die vom ODNI erstellt werden. Dazu sollen auch Bewertungen zum Krieg und zur Konfrontation mit Iran gehören. Hintergrund sind offenbar Auseinandersetzungen über die Weitergabe von Informationen, über Freigaben für geheime Inhalte und über die Frage, wer im amerikanischen Geheimdienstsystem welche Rolle spielt.

Der Streit reicht zurück in die Amtszeit von Tulsi Gabbard als Direktorin der nationalen Geheimdienste. Sie hatte vor rund einem Jahr eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet. Innerhalb der CIA soll es den Vorwurf gegeben haben, diese Gruppe habe auf unverantwortliche Weise etablierte Verfahren zur Weitergabe und Veröffentlichung geheimer Informationen umgangen. Zugleich versuchte Gabbard, mehr Kontrolle über das tägliche Geheimdienstbriefing des Präsidenten zu gewinnen. Damit drängte sie die CIA aus einer Rolle zurück, die diese traditionell besonders stark geprägt hatte.

Auf der Gegenseite werfen Vertreter des ODNI der CIA vor, den Zugang zu Informationen blockiert zu haben. Das Ergebnis ist ein gefährlicher Zustand: Zwei Einrichtungen, die eigentlich gemeinsam arbeiten müssten, verhalten sich nach dem Bericht zunehmend wie getrennte Nachrichtensysteme. Für eine Regierung, die gleichzeitig mit Iran verhandelt, amerikanische Streitkräfte schützt und ihre Verbündeten im Nahen Osten abstimmen muss, ist das ein ernstes Problem.

Gerade Israel wird diese Entwicklung genau beobachten. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen ist auf amerikanische Geheimdienstlagebilder angewiesen, aber es weiß auch aus eigener Erfahrung, wie gefährlich politische Fehleinschätzungen gegenüber Iran sein können. Wenn Washington intern uneinig ist, wenn Informationen gefiltert, verzögert oder aus Machtkämpfen heraus zurückgehalten werden, kann Teheran genau davon profitieren. Iran lebt in Verhandlungen davon, Zeit zu gewinnen, Rollen zu verwischen und die Gegenseite mit widersprüchlichen Signalen zu beschäftigen.

Ein loyaler Quereinsteiger für einen Schlüsselposten

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch Trumps neue Personalentscheidung. Der Präsident hat Bill Pulte als künftigen Direktor der nationalen Geheimdienste vorgesehen. Pulte leitet bislang eine Bundesbehörde, die den Hypotheken- und Wohnungsfinanzierungsmarkt beaufsichtigt. Erfahrung in Sicherheitsfragen oder im Nachrichtendienstbereich bringt er nach den vorliegenden Angaben nicht mit. Genau das löste selbst in Teilen des republikanischen Umfelds Kritik aus.

Nach Berichten soll Pulte Trump selbst gebeten haben, Gabbard ersetzen zu dürfen. Wenige Tage später habe Trump zugestimmt. Entscheidend war offenbar nicht nachrichtendienstliche Erfahrung, sondern politische Verlässlichkeit. Pulte gilt als treuer Unterstützer des Präsidenten, als aggressiver Verteidiger von Trumps Kurs und als jemand, der dessen Außenpolitik mit Nachdruck unterstützen will. Er soll sich ausdrücklich hinter den Kriegskurs gegen Iran gestellt haben.

Das wirft eine heikle Frage auf: Soll der Chef der nationalen Nachrichtendienste vor allem loyal sein oder vor allem fachlich unabhängig? Natürlich braucht jeder Präsident Vertrauen in seine engsten Sicherheitsberater. Aber Nachrichtendienste verlieren ihren Wert, wenn ihre Analysen zu stark nach politischer Erwartung klingen. Gerade bei Iran wäre das fatal. Teheran ist ein Gegner, der Schwächen erkennt, Spaltungen nutzt und westliche Ungeduld systematisch ausbeutet.

Dass sogar der republikanische Senator John Cornyn Zweifel an Pultes Eignung äußerte, zeigt, dass die Kritik nicht nur von politischen Gegnern kommt. Wer einen der sensibelsten Posten im amerikanischen Sicherheitsapparat übernimmt, muss mehr bieten als Loyalität. Er muss verstehen, wie geheime Informationen geprüft, gewichtet, zusammengeführt und dem Präsidenten vorgelegt werden. Er muss widersprechen können, wenn die Lage es verlangt. Und er muss verhindern, dass Geheimdienstinformationen zu politischem Material werden.

Iran profitiert von amerikanischer Unordnung

Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Iran steht unter Druck, aber das Regime ist nicht besiegt. Es verhandelt, ohne seine Grundlinie erkennbar aufzugeben. Es sendet Gesprächsbereitschaft, während Raketen, Drohnen, Milizen und Drohungen weiter Teil seiner Machtpolitik bleiben. Genau diese Doppelstrategie stellt westliche Regierungen seit Jahren vor Probleme. Teheran hält die Gegenseite hin, fordert Entlastung, verschiebt Entscheidungen und nutzt jede Unklarheit im gegnerischen Lager.

Wenn nun auch noch der amerikanische Geheimdienstapparat intern blockiert ist, wird die Lage gefährlicher. Eine Regierung kann nur dann klug handeln, wenn sie ein klares Bild der Wirklichkeit hat. Bei Iran geht es um Atomfragen, Raketenprogramme, Drohnen, Milizen im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen, um die Straße von Hormus und um direkte Bedrohungen gegen Israel und amerikanische Kräfte. Diese Themen lassen sich nicht sauber trennen. Wer sie analysiert, braucht ein gemeinsames Lagebild.

Für Israel ist das besonders wichtig. Jerusalem kann sich nicht darauf verlassen, dass Teheran durch Verhandlungen plötzlich seine Strategie ändert. Die Erfahrung zeigt eher das Gegenteil: Iran nutzt Verhandlungen oft als Zeitgewinn. Wenn Washington in dieser Phase intern mit sich selbst beschäftigt ist, während Teheran weiter seine Spielräume sucht, wächst das Risiko für alle Partner der USA in der Region.

Die Turbulenzen im amerikanischen Geheimdienstsystem sind deshalb keine Randnotiz aus Washington. Sie berühren die Sicherheit IsraelsStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen, die Stabilität am Golf und die Frage, ob die USA Iran mit Klarheit begegnen oder sich in internen Machtkämpfen verlieren. Trump mag Loyalität hoch bewerten. Doch im Umgang mit Teheran reicht Loyalität nicht. Dort zählen Erfahrung, Nüchternheit, präzise Informationen und die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Wenn CIA und ODNI nicht mehr geschlossen arbeiten, wenn Iran-Dossiers zum Teil aus dem Informationsfluss geraten und wenn ein sicherheitspolitisch unerfahrener Loyalist an die Spitze rückt, entsteht ein gefährliches Signal. Teheran wird es lesen. Israel auch.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 03 Juni 2026

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