Projekt-Unterstützung
20 Unterstützer für den Sommerbetrieb gesucht
haOlam.de wird privat getragen. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten auch in den Sommermonaten verlässlich weitergehen können, bitten wir Leserinnen und Leser jetzt um konkrete Hilfe.
Jeder Beitrag hilft, die nächsten Wochen abzusichern. Auch größere Beiträge sind willkommen.
Trump sagt Iran Angriffe ab und hält Nahost erneut im Wartesaal seiner Kehrtwenden

Trump sagt Iran Angriffe ab und hält Nahost erneut im Wartesaal seiner Kehrtwenden


Washington droht, verhandelt, bombardiert und stoppt dann wieder. Für Israel und die Golfstaaten bleibt die entscheidende Frage, ob Teheran wirklich nachgibt oder nur erneut Zeit gewinnt.

Trump sagt Iran Angriffe ab und hält Nahost erneut im Wartesaal seiner Kehrtwenden
Bildnachweis: The White House / Quelle

Am Freitagmorgen bleibt im Iran Krieg 2026 vor allem ein Eindruck: Die amerikanische Linie schwankt zwischen maximaler Drohung und plötzlicher Verhandlungsgeste. US-Präsident Donald Trump kündigte erst neue schwere Angriffe auf Iran an, sprach sogar von einer möglichen Kontrolle über die iranische Ölinsel Kharg und weitere Energieinfrastruktur, sagte die geplanten Schläge dann aber wieder ab. Als Grund nannte er eine Einigung, die nach seinen Angaben von allen beteiligten Parteien gebilligt worden sei, darunter die Vereinigten Staaten, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und weitere Staaten der Region. Israel selbst hatte eine solche Einigung zunächst nicht offiziell bestätigt.

Damit steht die Region erneut zwischen Krieg und Deal, zwischen Drohkulisse und diplomatischer Hoffnung. Trump erklärte auf Truth Social, die geplanten Angriffe und Bombardierungen gegen Iran seien abgesagt worden, nachdem ein Abkommen mit Teheran vereinbart worden sei. Der Deal sei sowohl grundsätzlich als auch im Detail gebilligt worden. Zugleich machte er klar, dass die Blockade gegen Iran bis zur endgültigen Unterzeichnung bestehen bleiben solle. Das ist typisch für diese Phase des Krieges: Trump erklärt den Durchbruch, hält aber den Druck aufrecht. Teheran spricht von roter Linie und Vergeltung. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen wartet auf belastbare Fakten.

Nach Berichten von Axios waren die indirekten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran am späten Mittwochabend vorangekommen. Eine zentrale Rolle sollen der katarische Vermittler Ali Al-Thawadi und Irans Außenminister Abbas Araghchi gespielt haben. Drei Punkte standen demnach im Mittelpunkt: der Mechanismus zur Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte, die Wiederöffnung der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen während einer 60-tägigen Feuerpause und die Frage, wie in dieser Zeit über Irans Atomprogramm verhandelt werden soll. Gerade die eingefrorenen Gelder sollen für Teheran der wichtigste Streitpunkt gewesen sein.

Dass Iran vor allem auf Geld und Zeit drängt, ist keine Überraschung. Das Regime steht nach offenen amerikanischen und israelischen Schlägen, dem Druck auf seine Stellvertreter und den wirtschaftlichen Folgen der Blockade unter erheblichem Druck. Doch genau darin liegt die Gefahr für Israel. Wenn ein Abkommen nur die Straße von Hormus beruhigt, iranisches Öl wieder erleichtert fließen lässt und eingefrorene Gelder freigibt, ohne das Atomprogramm, die Raketen, die Drohnen und die Stellvertreterfronten tatsächlich zu brechen, dann wäre es kein Frieden. Es wäre eine Atempause für Teheran.

Besonders bezeichnend ist, dass nach Axios Angaben iranische Vertreter mehreren Ländern mitgeteilt haben sollen, eine Einigung sei grundsätzlich gebilligt, die endgültige Zustimmung des Obersten Führers Mojtaba Khamenei stehe aber noch aus. Diese Formel ist aus früheren Iran Verhandlungen bekannt: Man signalisiert Bewegung, ohne sich endgültig zu binden. Man verschiebt Verantwortung nach oben. Man lässt Vermittler hoffen. Und man gewinnt Zeit, während der Druck auf Israel, die USA und die Golfstaaten wächst, den diplomatischen Weg nicht zu gefährden.

Trump hatte noch am Donnerstag mit massiver Gewalt gedroht. In einem Truth Social Beitrag kündigte er an, die USA würden in nicht allzu ferner Zukunft Kharg Island und andere zentrale Punkte der iranischen Öl und Gasinfrastruktur übernehmen und damit die Kontrolle über Irans Energieexporte ausüben. In einem Gespräch mit Fox sagte er zudem, die Einnahme von Kharg sei immer seine bevorzugte Option gewesen, er sei sich aber nicht sicher, ob Amerika dafür den politischen Atem habe. Kharg ist für Iran von enormer Bedeutung, weil dort ein großer Teil der Ölausfuhren des Landes abgewickelt wird. Eine amerikanische Kontrolle oder Zerstörung dieser Infrastruktur wäre kein begrenzter Schlag, sondern ein Einschnitt in die wirtschaftliche Lebensader des Regimes. Reuters berichtete über Trumps Äußerungen zu Kharg und ordnete die Insel als zentralen iranischen Ölumschlagplatz ein.

Gerade deshalb wirkt die neue Kehrtwende so schwer einzuordnen. Erst droht Washington mit einem Angriff auf Irans Energieherz, dann wird von einem umfassend abgestimmten Deal gesprochen. Für die Märkte, die Golfstaaten, Israel und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist dieses Hin und Her mehr als ein Stilproblem. Es schafft Unsicherheit. Gegner testen die Grenzen. Verbündete fragen sich, wie fest amerikanische Zusagen sind. Und Iran kann versuchen, Drohungen und Verhandlungen gegeneinander auszuspielen.

Auch Teheran blieb bei seiner eigenen Drohlogik. Der Sprecher des iranischen Verteidigungsministeriums, Reza Taleinik, erklärte, Irans Streitkräfte seien in höchster Bereitschaft. Jede Überschreitung roter Linien werde eine harte und bedauerliche Antwort auslösen. Das iranische Khatam al-Anbiya Zentralhauptquartier drohte zudem, bei Angriffen auf Irans Ölinfrastruktur werde Öl und Gas entweder allen zur Verfügung stehen oder niemandem. Das ist die altbekannte Erpressungsformel des Regimes: Wenn Iran unter Druck steht, sollen die Region und die Weltwirtschaft mitzahlen.

Für Israel ist die Lage daher heikel. Jerusalem kann kein Abkommen ablehnen, das Irans Atomprogramm tatsächlich einschränkt, die Straße von Hormus öffnet und die regionale Kriegsgefahr senkt. Aber Israel kann sich auch nicht mit einem Papier zufriedengeben, das Teheran Geld, Öl und Zeit verschafft, während HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen, irakische Milizen und iranische Drohnenprogramme weiterbestehen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre ist eindeutig: Iran nutzt jede Entspannung, um seine Strukturen neu zu ordnen, Verluste auszugleichen und die nächste Runde vorzubereiten.

Hinzu kommt Trumps innenpolitischer und persönlicher Stil. Der Präsident liebt maximale Ankündigungen, dramatische Drohungen und plötzliche Deals. In der Iran Frage kann diese Methode kurzfristig Druck erzeugen. Sie kann aber auch Vertrauen kosten, wenn auf jede harte Ankündigung eine neue Verhandlungsgeste folgt und auf jede Verhandlungsgeste wieder eine militärische Drohung. Der Iran Krieg 2026 verlangt jedoch mehr als Taktik. Er verlangt eine Linie, die Teheran versteht und Verbündete verlässlich einplanen können.

Das gilt besonders für die Straße von Hormus. Eine 60-tägige Feuerpause mit Wiederöffnung der Meerenge kann sinnvoll sein, wenn sie Teil einer überprüfbaren Entwaffnungs und Kontrollstrategie ist. Sie wird gefährlich, wenn sie nur die Märkte beruhigt und dem Iran erlaubt, eingefrorene Gelder zu erhalten, Öl wieder auszuführen und Atomgespräche endlos zu strecken. Genau das war in der Vergangenheit immer wieder das Muster: Teheran verhandelt, droht, verschiebt, kassiert und setzt im Hintergrund seine Arbeit fort.

Auch die Rolle Katars ist nicht nebensächlich. Doha vermittelt, verfügt über Kanäle nach Teheran und hat Einfluss in unterschiedlichen Konfliktarenen. Doch Vermittlung ist kein Ersatz für Durchsetzung. Wenn Iran am Ende nur eine Feuerpause erhält, ohne echte Begrenzung seiner militärischen Programme und seiner Stellvertreter, dann haben die Vermittler zwar einen diplomatischen Erfolg vorzuweisen, aber Israel und die Region zahlen später den Preis.

Am Freitagmorgen ist deshalb Vorsicht geboten. Trump sagt, es gebe eine Einigung. Iran signalisiert Zustimmung im Grundsatz, aber offenbar noch keine endgültige Freigabe durch Mojtaba Khamenei. Israel hat nach den vorliegenden Berichten zunächst keine eigene Bestätigung veröffentlicht. Die Blockade bleibt. Die Drohungen bleiben. Die Straße von Hormus bleibt ein Druckmittel. Und das iranische Atomprogramm bleibt der Kern des Konflikts.

Der Iran Krieg 2026 hat mehrfach gezeigt, wie gefährlich Wunschdenken ist. Ein Deal ist nur dann ein Fortschritt, wenn er Teherans Fähigkeit zur nuklearen Erpressung, zur regionalen Destabilisierung und zur Finanzierung seiner Stellvertreter tatsächlich einschränkt. Ein Deal, der nur Trumps nächste Kehrtwende erklärt, wäre dagegen zu wenig. Für Israel zählt nicht, ob Washington eine dramatische Nacht weniger bombardiert. Für Israel zählt, ob Iran morgen weniger gefährlich ist als gestern.

Thematische Einordnung



Autor: Redaktion
Freitag, 12 Juni 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage