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Acht Aktivisten in Michigan angeklagt: Aus Israelboykott soll Einschüchterung gegen Juden geworden sein

Acht Aktivisten in Michigan angeklagt: Aus Israelboykott soll Einschüchterung gegen Juden geworden sein


US-Ermittler werfen acht Beschuldigten eine Kampagne gegen Uni-Funktionäre, Unternehmen und die Jewish Federation in Detroit vor. Der Fall zeigt, wie schnell aus Boykottparolen gezielte Bedrohung werden kann.

Acht Aktivisten in Michigan angeklagt: Aus Israelboykott soll Einschüchterung gegen Juden geworden sein
Bildnachweis: Symbolbild

Die US-Justiz hat acht pro-palästinensische Aktivisten angeklagt, denen eine koordinierte Kampagne aus Drohungen, Einschüchterung und Sachbeschädigung im Umfeld der University of Michigan vorgeworfen wird. Nach Angaben des Justizministeriums richteten sich die mutmaßlichen Aktionen gegen Universitätsverantwortliche, Unternehmen, Strafverfolgungsbehörden und die Jewish Federation of Metropolitan Detroit. Ziel soll gewesen sein, die Universität zu zwingen, sich von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und mit Israel verbundenen Unternehmen zu trennen. Die Beschuldigten gelten bis zu einer Verurteilung als unschuldig. Doch die in der Anklage beschriebenen Vorwürfe sind schwerwiegend.

Angeklagt wurden Zainab Aliasgar Hakim, Amatullah Aliasgar Hakim, Paige Elizabeth Feyock, Ahmet Kerem Korkaya, Jonathan Hongru Zou, Alexander Matthew Sepulveda, Mariam Muhammed Odeh und Colin Hunter Weger. Sie sind zwischen 21 und 28 Jahre alt und stammen aus Michigan, Illinois und Wisconsin. Die Anklage umfasst unter anderem Verschwörung zur Übermittlung von Drohungen über den zwischenstaatlichen Kommunikationsverkehr. Einzelne Beschuldigte müssen sich zudem weiteren Vorwürfen stellen, darunter Zeugenbeeinflussung und die Zerstörung von Eigentum, um eine Beschlagnahme zu verhindern. Bei einer Verurteilung drohen je nach Tatvorwurf mehrjährige Haftstrafen und hohe Geldbußen.

Nach Darstellung der Ermittler begann die Kampagne kurz nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023. Am 20. Oktober sollen die Beschuldigten Forderungen veröffentlicht haben, wonach die University of Michigan vollständig aus Israel und mit Israel verbundenen Unternehmen aussteigen sollte. Als diese Forderungen nicht erfüllt wurden, seien sogenannte „autonome Aktionen“ geplant und umgesetzt worden. Dazu sollen nächtliche Angriffe auf Privathäuser, Unternehmen und universitäre Einrichtungen gehört haben. Laut Anklage wurden Türen blockiert, Eingänge mit Fahrradschlössern versperrt, Fenster eingeschlagen, Wände besprüht und Glasbehälter mit Buttersäure und Farbstoff in Häuser geworfen.

Besonders verstörend sind die in der Anklage zitierten mutmaßlichen Nachrichten. Ahmet Korkaya, damals Medizinstudent, soll darüber geschrieben haben, eine Universitätsfunktionärin langsam zu vergiften, falls er ihr Arzt werde. Ein anderer Beschuldigter soll vorgeschlagen haben, in ein Haus einzudringen und es niederzubrennen. Die Ermittler sprechen zudem von Botschaften wie „You can’t hide“ und „We’ll be back stronger“, die zusammen mit Bildern der Sachbeschädigungen online verbreitet worden sein sollen. Das ist nicht mehr politischer Protest. Wenn sich diese Vorwürfe bestätigen, geht es um gezielte Einschüchterung.

Auch die Symbolik ist entscheidend. Nach Angaben des Justizministeriums wurden umgedrehte rote Dreiecke und rote Handabdrücke verwendet. Die roten Dreiecke nutzt die Hamas in Propagandavideos zur Markierung von Zielen. Rote Handabdrücke werden mit dem Lynchmord von Ramallah im Jahr 2000 in Verbindung gebracht, bei dem zwei israelische ReservistenReservisten: Israels Bürger in UniformReservisten sind frühere Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst weiter für Einsätze, Übungen oder Kriegsfälle bereitstehen. In Israel heißen sie im Alltag oft Miluim und sind für die Verteidigungsfähigkeit des Landes besonders wichtig.Mehr lesen ermordet wurden. Dazu kamen Parolen wie „IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“ und „Divest now“. Wer solche Zeichen an Häusern, Büros oder jüdischen Einrichtungen hinterlässt, sendet eine Botschaft der Bedrohung.

Die Anklage nennt auch die Jewish Federation of Metropolitan Detroit. Am 7. Oktober 2024, dem ersten Jahrestag des Hamas-Massakers, soll das Gebäude der Organisation Ziel von Vandalismus geworden sein. Genau dieser Zeitpunkt ist kein nebensächliches Detail. Wer am Jahrestag eines Massakers jüdische Einrichtungen angreift oder markiert, kann sich kaum glaubwürdig auf normale politische Kritik zurückziehen. Hier wird jüdisches Gemeindeleben selbst zum Ziel.

Der zuständige US-Staatsanwalt Jerome F. Gorgon erklärte, in Amerika herrsche das Recht, nicht die Angst. Die mutmaßlichen Drohungen und Versuche, Regierungsvertreter, Unternehmen und die Jewish Federation zu terrorisieren, seien „anti-amerikanisch“. FBI-Special-Agent Jennifer Runyan sprach von nächtlichen Aktionen maskierter und vermummter Beschuldigter, die schädliche Chemikalien durch Fenster von Familienhäusern geworfen und Drohbriefe an Haustüren befestigt haben sollen.

Natürlich muss streng zwischen Protest und Straftat unterschieden werden. Kritik an Israel, Forderungen nach einem Boykott oder Demonstrationen auf dem Campus sind in den Vereinigten Staaten grundsätzlich durch die Meinungsfreiheit geschützt. Auch harte politische Positionen dürfen nicht kriminalisiert werden. Aber Drohungen, Sachbeschädigung, Einschüchterung von Familien, Angriffe auf jüdische Organisationen und Gewaltfantasien gegen konkrete Personen sind keine politische Debatte. Wer diese Grenze verwischt, macht aus Aktivismus eine Drohkulisse.

Der Fall Michigan ist deshalb wichtig, weil er ein Muster sichtbar macht, das seit dem 7. Oktober an westlichen Universitäten immer wieder zu beobachten ist: Aus antiisraelischen Parolen wird schnell ein Druck gegen Juden, Israelunterstützer und Institutionen, die sich nicht unterwerfen. Die Forderung nach „Divestment“ wird dabei nicht mehr nur politisch vorgetragen, sondern mit Angst, Markierung und öffentlicher Bloßstellung verbunden. Genau hier endet legitimer Protest.

Die University of Michigan hatte nach AP-Angaben erklärt, sie halte keine direkten Investitionen in Israel und weniger als 15 Millionen Dollar in Fonds, die möglicherweise israelbezogene Unternehmen enthalten könnten. Das entspreche weniger als 0,1 Prozent des gesamten Stiftungsvermögens. Diese Zahl macht die Verhältnismäßigkeit der mutmaßlichen Kampagne noch fragwürdiger. Wenn ein minimaler indirekter Finanzbezug genügt, um Privathäuser, Büros und jüdische Einrichtungen ins Visier zu nehmen, geht es nicht mehr um konkrete Finanzpolitik. Dann geht es um Einschüchterung im Namen einer Ideologie.

Die Gerichte müssen nun prüfen, was den acht Beschuldigten tatsächlich nachgewiesen werden kann. Aber eines ist bereits klar: Universitäten, jüdische Gemeinden und Behörden dürfen Drohungen nicht als Begleitgeräusch politischer Leidenschaft abtun. Der Rechtsstaat muss Protest schützen. Er muss aber auch jene schützen, die durch politisch aufgeladene Einschüchterung zum Schweigen gebracht werden sollen.

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Autor: Redaktion
Samstag, 13 Juni 2026

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