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Trump redet Israel klein und überschätzt ausgerechnet Syrien

Trump redet Israel klein und überschätzt ausgerechnet Syrien


Trump behauptet, ohne die USA gebe es Israel nicht. Jetzt will er Syrien gegen die Hisbollah ins Spiel bringen. Für Jerusalem ist das keine Strategie, sondern ein Risiko.

Trump redet Israel klein und überschätzt ausgerechnet Syrien
Bildnachweis: Symbolbild

Donald Trump hat wieder einen Satz gesagt, der erst wie eine seiner üblichen Übertreibungen klingt und dann, nach ein paar Sekunden, deutlich gefährlicher wird. Wenn IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen im Libanon die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen nicht bekämpfen könne, ohne zu viele andere Menschen zu töten, solle Syrien die Aufgabe übernehmen. So ungefähr stellte der amerikanische Präsident seine neue Idee dar. Daneben lobte er Ahmed al-Sharaa, den neuen Mann in Damaskus, als fähig und nützlich. Israel solle sich im Libanon verantwortlicher verhalten. Und dann kam noch die alte Trump-Formel obendrauf: Ohne die Vereinigten Staaten gebe es kein Israel. Ohne ihn erst recht nicht.

Das ist nicht nur grob. Es ist historisch falsch. Israel wurde nicht im Weißen Haus geboren und nicht von amerikanischen Präsidenten am Leben gehalten, bis Trump erschien. Als der jüdische Staat 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, erkannte Washington ihn zwar schnell an. Gleichzeitig galt aber ein amerikanisches Waffenembargo für die Region. Israel kämpfte seinen ersten Existenzkrieg nicht als amerikanisches Schutzgebiet, sondern mit improvisierter Bewaffnung, Waffen aus anderen Quellen, enormem Risiko und einer Gesellschaft, die wusste, was eine Niederlage bedeuten würde. Auch 1967 war Israel kein amerikanischer Satellit. Die heutige strategische Nähe zu Washington entstand vor allem später, besonders nach dem Jom Kippur Krieg 1973. Sie ist wichtig, sehr wichtig sogar. Aber wichtig ist nicht dasselbe wie ursächlich.

Trump redet über Israel, als sei der jüdische Staat ein amerikanisches Hilfsprojekt mit eigener Flagge. Damit löscht er die Geschichte israelischer Soldaten, ReservistenReservisten: Israels Bürger in UniformReservisten sind frühere Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst weiter für Einsätze, Übungen oder Kriegsfälle bereitstehen. In Israel heißen sie im Alltag oft Miluim und sind für die Verteidigungsfähigkeit des Landes besonders wichtig.Mehr lesen, Familien, Diplomaten, Ingenieure und Geheimdienste aus. Er tut so, als hänge Israels Existenz an seiner persönlichen Großzügigkeit. Genau das ist die Unverschämtheit dieses Satzes. Ein Verbündeter darf Kritik üben. Ein amerikanischer Präsident darf auch Druck machen. Aber wer Israel öffentlich wie einen undankbaren Bittsteller behandelt, spielt mit einer Erzählung, die in Teheran, Beirut und Damaskus sehr aufmerksam gehört wird.

Noch absurder wird es bei Syrien. Ausgerechnet Ahmed al-Sharaa soll nach Trumps Vorstellung die Hisbollah eindämmen. Das ist jener Mann, dessen politischer Weg nicht in einem Ministerium begann, sondern im militanten Islamismus. Er bewegte sich im Al-Qaida-Umfeld, führte später die Al-Nusra-Front und trägt heute Anzug statt Kampfmontur. Vielleicht ist seine Mäßigung echt. Vielleicht teilweise. Vielleicht ist sie auch nur die neue Sprache eines Machtpolitikers, der internationale Anerkennung braucht. Niemand kann das heute sicher wissen. Genau deshalb kann Israel seine Nordgrenze nicht auf diese Hoffnung stützen.

Die Hisbollah ist kein lokales Ärgernis, das man an den nächsten Nachbarn weiterreicht. Sie ist Irans stärkster bewaffneter Arm an Israels Nordgrenze. Sie verfügt über Raketen, Drohnen, Kommandostrukturen, Lager, Tunnel, politische Deckung und eine lange Geschichte des Terrors. Israel kämpft dort nicht, weil JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen eine weitere Front gesucht hätte. Es geht um Gemeinden im Norden, um Familien, die seit Monaten nicht normal leben können, um Häuser, Schulen und Straßen in Reichweite einer Miliz, die sich dem iranischen Machtapparat verpflichtet fühlt.

Natürlich muss Israel zivile Opfer vermeiden. Das ist keine Nebensache. Aber Trump spricht, als stünde die Hisbollah offen auf einem Feld und Israel müsse nur etwas vorsichtiger zielen. So funktioniert dieser Krieg nicht. Die Hisbollah nutzt zivile Räume, weil sie weiß, wie westliche Empörung funktioniert. Sie baut ihre militärische Infrastruktur dort auf, wo jeder israelische Gegenschlag sofort Bilder erzeugt, die gegen Israel verwendet werden können. Wer das ausblendet, beschreibt nicht den Libanon. Er beschreibt eine Wunschwelt.

Das Problem ist nicht Trumps Alter. Das Problem ist, dass seine Nahostpolitik im Moment wirkt wie eine Abfolge von Tageslaunen. Gestern war Iran die große Bedrohung. Heute soll Syrien unter al-Sharaa gegen die Hisbollah helfen. Morgen wird Israel gerügt, weil es seine Nordgrenze selbst schützt. Das ist keine Linie, an der sich Verbündete orientieren können. Es produziert Unsicherheit.

Für Iran ist das nützlich. Teheran sieht einen amerikanischen Präsidenten, der Israel öffentlich zurechtweist, Syrien aufwertet und die Libanonfront offenbar aus einem größeren Iran-Abkommen heraus beruhigen will. Für die Hisbollah ist es ebenfalls hilfreich, wenn nicht mehr ihre Bewaffnung, ihre Angriffe und ihre Rolle als iranische Vorhut im Mittelpunkt stehen, sondern Israels Reaktion. Und für al-Sharaa ist es ein diplomatisches Geschenk, wenn Washington ihn schon jetzt als möglichen Ordnungsmann behandelt.

Jerusalem muss deshalb kühl bleiben. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber Israel existiert nicht durch Trump, nicht durch einen amerikanischen Gnadenakt und nicht durch eine Laune aus dem Weißen Haus. Wenn die Hisbollah weiter droht, muss Israel handeln können. Wenn Iran seine Stellvertreter schont, muss Israel es benennen. Und wenn Trump glaubt, Syrien könne jetzt die bessere Antwort auf die Hisbollah sein, dann sollte Jerusalem höflich zuhören und sich auf die eigene Geschichte verlassen: Israel überlebt nicht, weil andere es versprechen. Israel überlebt, weil es sich im Ernstfall selbst verteidigt.




Autor: Redaktion
Dienstag, 16 Juni 2026

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