Israel verliert einen seiner verlässlichsten Freunde in WashingtonIsrael verliert einen seiner verlässlichsten Freunde in Washington
Lindsey Graham ist im Alter von 71 Jahren überraschend gestorben. Der republikanische Senator machte Israels Sicherheit zu einer amerikanischen Sache und drängte früh auf Härte gegen das Regime in Teheran.

Bildnachweis: usembassykyiv /
QuelleDer republikanische US Senator Lindsey Graham ist am Samstagabend im Alter von 71 Jahren gestorben. Sein Büro teilte mit, Graham sei nach einer kurzen und plötzlich aufgetretenen Erkrankung verstorben. Die Familie bat in ihrer Trauer um Gebete und um Schutz ihrer Privatsphäre. Eine amtlich bestätigte genaue Todesursache wurde zunächst nicht genannt.
Amerikanische Medien berichteten, Rettungskräfte seien am Samstagabend zu Grahams Wohnhaus auf dem Capitol Hill in Washington gerufen worden. Nach Medienangaben ging es zunächst um Schmerzen in der Brust, später um einen Herzstillstand. Sanitäter sollen Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet und Graham in ein Krankenhaus gebracht haben. Diese Einzelheiten stammen aus Berichten über Funksprüche und den Rettungseinsatz. Sein Büro selbst sprach weiterhin lediglich von einer kurzen und plötzlichen Erkrankung.
Der Tod kam vollkommen unerwartet. Graham war erst am 9. Juli 71 Jahre alt geworden und hatte wenige Tage zuvor noch die Ukraine besucht. Am Freitag traf er in Kiew Präsident Wolodymyr Selenskyj. In Washington wurde er am Sonntag zu einer Fernsehsendung erwartet. Nichts deutete öffentlich darauf hin, dass einer der bekanntesten außenpolitischen Stimmen des amerikanischen Senats nur wenige Stunden später sterben würde.
US Präsident Donald Trump würdigte Graham als einen der bedeutendsten Menschen und Senatoren, die er je gekannt habe. Er sei ein wahrer amerikanischer Patriot gewesen und werde sehr fehlen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen habe einen seiner größten Freunde, Amerika einen großen Patrioten und er selbst einen geliebten Freund verloren. Graham habe verstanden, dass die Sicherheit IsraelsStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen und der Vereinigten Staaten nicht voneinander zu trennen sei.
Diese Worte sind keine übliche diplomatische Höflichkeit. Graham gehörte über Jahre zu den Politikern in Washington, die Israels Sicherheit nicht als lästige Verpflichtung oder als Verhandlungsmasse betrachteten. Für ihn war Israel ein strategischer Partner, dessen militärische Stärke auch den Interessen der Vereinigten Staaten diente. Dabei blieb seine Unterstützung nicht auf freundliche Reden während Besuchen in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen beschränkt.
Er stand zu Israel, als der Druck wuchs
Als die Regierung von Präsident Joe Biden im Mai 2024 die Lieferung bestimmter Waffen und Munition an Israel zurückhielt, führte Graham den Widerstand im Senat an. Gemeinsam mit zahlreichen republikanischen Kollegen brachte er eine Resolution ein, die jeden Versuch verurteilte, Israel inmitten des Krieges gegen die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen militärische Unterstützung zu verweigern. Die Vereinigten Staaten dürften einem Verbündeten im Kampf gegen Hamas, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Iran nicht den Rücken kehren, erklärte er damals.
Graham sah die Bedrohung Israels nie als eine Reihe voneinander unabhängiger Konflikte. Hamas in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Hisbollah im Libanon und weitere bewaffnete Gruppen waren für ihn Teile einer iranisch finanzierten und gelenkten Strategie. Deshalb forderte er, das Regime in Teheran für Angriffe seiner Stellvertreter direkt verantwortlich zu machen. In einem seiner Vorschläge sollte jeder Angriff der Hisbollah auf Israel politisch als iranischer Angriff behandelt werden. Daneben warb er für scharfe wirtschaftliche Maßnahmen gegen Staaten, die weiterhin iranisches Öl und Gas kaufen.
Diese Haltung machte Graham zu einem der entschiedensten Gegner jeder Vereinbarung, die dem iranischen Regime Zeit, Geld und militärischen Spielraum ließ. Noch wenige Wochen vor seinem Tod warnte er davor, ein Abkommen zu akzeptieren, das die Machtverhältnisse zugunsten Teherans verschieben könnte. Ein Iran, der die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen bedrohen, die arabischen GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen einschüchtern und zugleich seine militärischen Fähigkeiten erhalten könne, werde langfristig zu einem Albtraum für Israel, schrieb er im Mai.
Auch nach der Unterzeichnung des amerikanisch iranischen Memorandums im Juni blieb Graham skeptisch. Zwar begrüßte er zunächst die Aussicht auf eine Öffnung der Straße von Hormus und eine Unterbrechung der Kämpfe. Zugleich warnte er jedoch, Teheran scheine die Vereinbarung anders auszulegen als Washington. Die folgenden iranischen Angriffe auf Handelsschiffe und die erneute Sperrung der Meerenge bestätigten, wie berechtigt diese Sorge war.
Graham sprach häufig härter als viele andere amerikanische Politiker. Seine Aussagen waren nicht immer abgewogen, manchmal bewusst zugespitzt. Doch er unterschied klar zwischen einem demokratischen Verbündeten, der seine Bürger gegen Terror verteidigt, und einem Regime, das Terrororganisationen bewaffnet, Israel mit Vernichtung bedroht und seine eigenen Bürger gewaltsam unterdrückt. In einer Zeit, in der diese Unterscheidung selbst in Teilen der westlichen Politik verschwimmt, war diese Klarheit für Israel von erheblicher Bedeutung.
Nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen besuchte Graham Israel wiederholt. Er traf Angehörige von Geiseln, sprach mit politischen und militärischen Verantwortlichen und stellte sich gegen Bestrebungen, den internationalen Druck einseitig auf Jerusalem zu richten. Als der Internationale Strafgerichtshof gegen israelische Regierungsmitglieder vorging, verlangte er politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Sein Argument war einfach: Wer demokratische Staaten, die sich gegen Terror verteidigen, mit ihren Angreifern gleichsetzt, gefährdet nicht nur Israel, sondern auch amerikanische Soldaten und Politiker.
Ein Politiker voller Widersprüche, aber ohne Zweifel an Israel
Lindsey Graham war kein geradliniger Politiker. Während des republikanischen Vorwahlkampfes 2016 griff er Donald Trump noch scharf an. Später wurde er zu einem seiner engsten Verbündeten im Kongress und zu einem regelmäßigen außenpolitischen Gesprächspartner. Seine Gegner warfen ihm Anpassung und Opportunismus vor. Selbst politische Freunde konnten nicht immer vorhersagen, welche Position er in innenpolitischen Fragen als Nächstes einnehmen würde.
In der Außenpolitik blieb sein Grundgedanke jedoch bemerkenswert beständig. Die Vereinigten Staaten sollten ihre Verbündeten nicht alleinlassen, militärische Schwäche nicht als Friedenspolitik verkaufen und Diktaturen nicht durch Nachgiebigkeit belohnen. Diese Überzeugung verband ihn über Jahre mit dem inzwischen verstorbenen Senator John McCain und dem früheren demokratischen Senator Joe Lieberman. Die drei wurden wegen ihrer gemeinsamen Reisen und ihrer entschiedenen außenpolitischen Linie als die drei Freunde bekannt. Mit Grahams Tod lebt keiner von ihnen mehr.
Graham wurde 1955 in Central im Bundesstaat South Carolina geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, diente als Jurist in der US Luftwaffe und erreichte später den Rang eines Obersts der Reserve. 1995 zog er in das Repräsentantenhaus ein, seit Januar 2003 vertrat er South Carolina im Senat. Dort leitete er zeitweise den Justizausschuss und zuletzt den Haushaltsausschuss.
Er gehörte zugleich zu jenen republikanischen Politikern, die gelegentlich mit Demokraten zusammenarbeiteten. Bei der Einwanderungspolitik, in Fragen der nationalen Sicherheit und bei der Unterstützung der Ukraine suchte er wiederholt überparteiliche Bündnisse. Noch kurz vor seinem Tod war er international unterwegs, um für weiteren Druck auf Russland und für die Unterstützung der Ukraine zu werben. Seine Außenpolitik folgte nicht dem Gedanken, Amerika müsse sich aus der Welt zurückziehen. Er glaubte, dass Rückzug gefährliche Regime stärke und die Vereinigten Staaten später einen höheren Preis zahlen müssten.
Israels Präsident Jitzchak Herzog bezeichnete Graham als ein Vorbild moralischer Klarheit und als einen wahren Führer der amerikanisch israelischen Partnerschaft. Verteidigungsminister Israel Katz erinnerte an einen Politiker, der Israel auch in seinen schwersten Stunden verteidigte. Außenminister Gideon Sa'ar würdigte einen Mann mit großem Herzen, persönlichem Charme und einem klaren Blick auf die Wirklichkeit.
Für Israel wiegt sein Tod gerade jetzt besonders schwer. Das Land befindet sich in einem Krieg mit dem iranischen Regime und erlebt zugleich wachsenden politischen Druck in den Vereinigten Staaten. Teile der Demokratischen Partei haben sich weit von Israel entfernt, doch auch innerhalb der Republikaner wird darüber gestritten, welche Verantwortung Amerika gegenüber seinen Verbündeten übernehmen soll. Graham war in dieser Debatte eine verlässliche Stimme gegen den Rückzug und gegen die Vorstellung, Israel könne bei existenziellen Bedrohungen sich selbst überlassen werden.
Er war kein stiller Unterstützer. Er war unbequem, laut, manchmal übermäßig scharf und stets bereit, sich öffentlich festzulegen. Genau das machte ihn für Israel wertvoll. Viele Politiker versichern ihre Freundschaft, solange sie nichts kostet. Graham bewies sie auch dann, wenn Waffenlieferungen umstritten waren, wenn die iranische Gefahr kleingeredet wurde und wenn Israel international zunehmend alleinstand.
Mit Lindsey Graham verliert Israel nicht nur einen Unterstützer im amerikanischen Senat. Es verliert einen Politiker, der verstanden hatte, dass die Feinde Israels nicht an den Grenzen des jüdischen Staates haltmachen. Sein Satz, er werde bis zu seinem Tod an Israels Seite stehen, war keine leere Geste. Er hat ihn erfüllt.
Autor: Redaktion
Sonntag, 12 Juli 2026