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Vance erhebt die Mossad-Verschwörung zur Wahrheit

Vance erhebt die Mossad-Verschwörung zur Wahrheit


Der US-Vizepräsident weiß, dass es keine Dokumente für eine Geheimdienstverbindung Epsteins gibt. Trotzdem beschuldigt er Israel vor einem Millionenpublikum. Das ist keine Aufklärung, sondern verantwortungslose politische Hetze.

Vance erhebt die Mossad-Verschwörung zur Wahrheit
Bildnachweis: White House Task Force to Eliminate Fraud / Quelle

JD Vance hat im Podcast von Joe Rogan nicht bloß eine unbequeme Frage gestellt. Er hat auch keine neue Spur im Fall Jeffrey Epstein offengelegt. Der amerikanische Vizepräsident erklärte eine unbewiesene Behauptung über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zur vermeintlichen Tatsache, obwohl er nach eigener Aussage weiß, dass seine Regierung dafür keine Dokumente besitzt.

Das ist nicht mutig, nicht schonungslos und nicht aufklärerisch. Es ist verantwortungslos.

Rogan sagte im Gespräch, die meisten Menschen hielten Epstein für einen Mitarbeiter des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. Vance widersprach nicht. Stattdessen antwortete er: „Ja, Mossad oder CIA oder irgendein anderer tiefer Staat, ob in Amerika, Israel oder einem anderen Land.“ Anschließend behauptete er, Epstein habe „eindeutig“ Verbindungen zu den höchsten Ebenen amerikanischer und israelischer Geheimdienste gehabt. Zudem brachte er Epstein mit angeblich linksliberalen Kräften eines „israelischen tiefen Staates“ in Verbindung.

Für diese Behauptungen legte Vance keinen einzigen überprüfbaren Beweis vor. Kein Aktenstück, kein geheimdienstlicher Auftrag, keine Zeugenaussage eines beteiligten Mitarbeiters und keine nachvollziehbare Geldspur belegen, dass Epstein für den Mossad tätig war oder Teil einer israelischen Geheimdienstoperation gewesen ist.

Vance kennt diese Beweislücke. Im selben Gespräch berichtete er, ausdrücklich nach Dokumenten gefragt zu haben, die Epstein direkt mit amerikanischen oder ausländischen Nachrichtendiensten verbinden. Die Antwort sei Nein gewesen.

Damit wird die Angelegenheit eindeutig: Der Vizepräsident besitzt nach seiner eigenen Darstellung keinen dokumentarischen Beweis, spricht aber trotzdem von „klaren“ Verbindungen zu höchsten israelischen Geheimdienstkreisen. Er ersetzt Tatsachen durch seine persönliche Überzeugung und nutzt die Autorität seines Amtes, um dieser Überzeugung den Anschein geheimen Regierungswissens zu verleihen.

Das ist ein schwerer politischer Missbrauch.

Wenn fehlende Beweise die Verschwörung beweisen sollen

Vance versucht, den Widerspruch mit einer Behauptung zu schließen, die grundsätzlich nicht überprüft werden kann. Sollten entsprechende Unterlagen jemals existiert haben, seien sie wahrscheinlich schon nach Epsteins erstem Strafverfahren 2007 oder 2008 vernichtet worden.

Genau so funktionieren Verschwörungstheorien. Gibt es Beweise, gilt die Erzählung als bestätigt. Gibt es keine Beweise, soll dies angeblich zeigen, wie mächtig die Verschwörer seien und wie gründlich sie ihre Spuren beseitigt hätten. Eine Widerlegung wird dadurch unmöglich.

Ein Vizepräsident der Vereinigten Staaten darf sich nicht hinter einer solchen Logik verstecken. Seine Aufgabe besteht nicht darin, die wildesten Vermutungen aus sozialen Netzwerken mit Regierungsvollmacht auszustatten. Wer Zugang zu den Erkenntnissen amerikanischer Nachrichtendienste besitzt, muss belastbare Informationen vorlegen oder deutlich erklären, dass eine Behauptung unbewiesen ist.

Vance tat das Gegenteil. Er räumte die Beweislücke ein und erklärte die Vermutung trotzdem zur Gewissheit.

Auch der Begriff „israelischer tiefer Staat“ ist kein harmloser Ausdruck. Vance bezeichnet damit keine konkrete Behörde, keine verantwortliche Person und keine nachweisbare Struktur. Er beschwört stattdessen eine unsichtbare, mächtige und demokratisch nicht kontrollierte Kraft. Gerade weil der Begriff so unbestimmt bleibt, lässt er sich beliebig mit Verdächtigungen füllen.

Diese sprachliche Unschärfe ermöglicht es, aus einzelnen Namen und persönlichen Kontakten ein umfassendes Feindbild zu bauen. Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak wird so vom fragwürdigen Bekannten Epsteins zum vermeintlichen Bindeglied einer geheimen staatlichen Operation. Aus einer belegten Beziehung entsteht durch bloße Andeutung eine israelische Staatsaffäre.

Das ist sachlich nicht haltbar.

Ehud Baraks Kontakte zu Epstein sind umfangreich dokumentiert und müssen kritisch aufgearbeitet werden. Barak traf Epstein über Jahre hinweg, besuchte dessen Anwesen und flog in dessen Privatmaschine. Besonders schwer wiegt, dass die Beziehung auch nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 fortbestand. Barak erklärte inzwischen, den Kontakt zu bedauern. Seine damalige Entscheidung bleibt politisch und moralisch erklärungsbedürftig.

Doch Barak ist nicht der Mossad. Seine Nähe zu Epstein beweist weder eine geheimdienstliche Tätigkeit Epsteins noch eine von Israel organisierte Erpressungsoperation. Auch Baraks frühere Stellung als Ministerpräsident und Verteidigungsminister schließt diese Beweislücke nicht.

Epstein unterhielt Kontakte zu zahlreichen einflussreichen Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Zu seinem Umfeld gehörten Demokraten, Republikaner, Unternehmer, Wissenschaftler, Banker, Mitglieder europäischer Königshäuser und Personen mit Verbindungen zu amerikanischen Behörden. Aus keiner dieser Bekanntschaften folgt automatisch, dass Epstein für den jeweiligen Staat oder dessen Nachrichtendienst arbeitete.

Bei amerikanischen Kontakten erkennt Vance diese Unterscheidung selbst an. Er sagte, Epstein habe republikanische und demokratische Freunde gehabt. Bei Israel genügt ihm dagegen die Verbindung zu einzelnen Politikern, um von den „höchsten Ebenen“ israelischer Nachrichtendienste zu sprechen.

Diese unterschiedlichen Maßstäbe sind nicht hinnehmbar.

Der Vizepräsident legitimiert ein antisemitisches Feindbild

Die Behauptung, Epstein sei Teil einer israelischen Geheimdienstoperation gewesen, wird seit Jahren von Rechtsextremen, Islamisten und radikalen Israelgegnern verbreitet. Seine jüdische Herkunft wird dabei mit seinen Verbrechen, seinen Kontakten zu Israel und der Vorstellung einer verborgenen weltweiten Macht verbunden.

Nicht jede Untersuchung möglicher Nachrichtendienstkontakte ist antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Auch Israel und frühere israelische Politiker stehen nicht über kritischen Fragen. Die Grenze wird jedoch dort überschritten, wo aus jüdischer Herkunft, persönlichen Bekanntschaften und unbewiesenen Vermutungen eine allmächtige israelische Erpressungsoperation konstruiert wird.

Dahinter steht ein sehr altes antisemitisches Muster: Juden oder Israel sollen angeblich im Hintergrund Regierungen, Medien, Finanzwelt und politische Entscheidungen kontrollieren. Epstein bietet dieser Erzählung einen scheinbar modernen Anstrich. Der Kern bleibt derselbe.

Vance hätte wissen müssen, welches Material er hier aufgreift. Als erfahrener Politiker und amtierender Vizepräsident kann er sich nicht damit herausreden, lediglich laut gedacht zu haben. Seine Aussagen werden weltweit verbreitet, von Verschwörungsideologen als Bestätigung zitiert und als angebliches Eingeständnis der amerikanischen Regierung dargestellt.

Er hat diese Wirkung nicht verhindert. Durch das Wort „eindeutig“ hat er sie verstärkt.

Der frühere israelische Ministerpräsident Naftali Bennett wies die Behauptung, Epstein habe für Israel oder den Mossad gearbeitet, bereits 2025 entschieden zurück. Bennett erklärte, der Mossad habe als Regierungschef direkt an ihn berichtet. Er könne daher mit vollständiger Gewissheit sagen, dass Epstein weder für Israel noch für den israelischen Auslandsgeheimdienst tätig gewesen sei. Auch der frühere Mossad-Direktor Yossi Cohen bestritt eine solche Verbindung.

Diese Zurückweisungen beenden eine berechtigte Prüfung nicht automatisch. Sie zeigen jedoch, wie unhaltbar Vances Darstellung einer angeblich „klaren“ Verbindung ist. Auf der einen Seite stehen die Dementis früherer höchster israelischer Amtsträger und Millionen veröffentlichter Aktenseiten ohne Beweis einer Mossad-Tätigkeit. Auf der anderen Seite steht Vances Vermutung, mögliche Beweise seien wahrscheinlich vernichtet worden.

Das reicht nicht für eine Anschuldigung gegen einen verbündeten Staat. Es reicht erst recht nicht für die behauptete Gewissheit eines amerikanischen Vizepräsidenten.

Eigene Regierung versagt, Israel wird beschuldigt

Besonders durchsichtig wird Vances Verhalten durch seine Aussagen über den Umgang der Trump-Regierung mit den Epstein-Akten. Er räumte ein, die Kommunikation „absolut vermasselt“ zu haben. Die damalige Justizministerin Pam Bondi hatte Erwartungen an eine angebliche Kundenliste geweckt und konservativen Meinungsmachern Aktenordner übergeben, die überwiegend bereits bekannte Informationen enthielten.

Das Misstrauen entstand also nicht in Israel. Es entstand durch Widersprüche, Übertreibungen und Versäumnisse amerikanischer Behörden und Regierungsvertreter.

Im Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium mehr als drei Millionen weitere Seiten, über 2.000 Videos und 180.000 Bilder. Zusammen mit früheren Veröffentlichungen erreichte das Material einen Umfang von annähernd 3,5 Millionen Seiten. Die Unterlagen enthalten zahlreiche verstörende Einzelheiten über Epsteins Netzwerk. Einen öffentlich bestätigten Beweis für eine Tätigkeit im Auftrag des Mossad enthalten sie nicht.

Vance müsste sich deshalb mit dem Versagen amerikanischer Strafverfolger, den Fehlern seiner eigenen Regierung und dem Schutz einflussreicher Personen in den Vereinigten Staaten befassen. Stattdessen lenkt er den Verdacht auf einen angeblichen israelischen „tiefen Staat“.

Das ist politisch bequem. Die eigenen Behörden hätten demnach zwar Fehler gemacht, doch die eigentliche Wahrheit liege möglicherweise bei einem ausländischen Geheimdienst und sei längst vernichtet worden. Eine solche Erzählung erspart Vance die Pflicht, konkrete Verantwortliche im eigenen Land zu benennen.

Aufklärung verlangt das Gegenteil. Sie verlangt Dokumente, überprüfbare Aussagen, nachvollziehbare Abläufe und eine klare Trennung zwischen persönlichen Kontakten, moralischem Versagen und strafrechtlicher Beteiligung. Sie verlangt außerdem, die Opfer Epsteins nicht als Material für politische Inszenierungen zu missbrauchen.

JD Vance hat diese Grenze überschritten. Er hat eine unbelegte Anschuldigung gegen Israel verbreitet, obwohl er die fehlende Beweislage kannte. Er hat den Begriff des „tiefen Staates“ benutzt, um eine nicht näher bezeichnete israelische Machtstruktur zu beschwören. Und er hat einer Verschwörungserzählung, die längst antisemitisch ausgeschlachtet wird, die Autorität des amerikanischen Vizepräsidenten verliehen.

Das verdient keine vorsichtige Kritik. Es muss klar verurteilt werden.

Ein Mann in Vances Amt darf Israel nicht aufgrund von Gerüchten zum heimlichen Täter erklären. Wenn er Beweise besitzt, muss er sie vorlegen. Wenn er keine besitzt, muss er seine Vermutung ehrlich als unbewiesen kennzeichnen. Alles andere ist keine Wahrheitssuche, sondern politische Rufschädigung mit vorhersehbaren Folgen für Israel und jüdische Menschen weltweit.




Autor: Redaktion
Montag, 20 Juli 2026

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