Hakenkreuze auf der Hoffnungsmauer: Synagoge in Pasadena erneut geschändetHakenkreuze auf der Hoffnungsmauer: Synagoge in Pasadena erneut geschändet
Nach einem verheerenden Feuer und einem ersten antisemitischen Angriff schuf die jüdische Gemeinde ein Wandbild der Hoffnung. Nun wurde es mit Hakenkreuzen und der Botschaft „Zionismus ist nicht willkommen“ beschmiert.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Unbekannte haben ein Wandbild am Pasadena Jewish Temple and Center in Kalifornien mit mehreren Hakenkreuzen und israelfeindlichen Parolen beschmiert. Die Tat wurde am Freitagmorgen, dem 24. Juli 2026, entdeckt. Das Los Angeles County Sheriff’s Department ermittelt wegen eines möglichen Hassverbrechens und sucht nach dem Täter oder den Tätern.
Unter den aufgesprühten Botschaften befand sich nach Angaben lokaler Medien der Satz „Zionism is not welcome“, zu Deutsch: „ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen ist nicht willkommen“. Die Parole stand nicht auf einem Regierungsgebäude, einem Parteibüro oder vor einem israelischen Konsulat. Sie wurde gemeinsam mit Hakenkreuzen auf das Gelände einer jüdischen Gemeinde gesprüht.
Damit ist der Zusammenhang eindeutig. Wer eine Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert und Juden dort erklärt, der Zionismus sei nicht willkommen, führt keine sachliche Debatte über die israelische Regierung. Er richtet sich gegen jüdisches Leben, jüdische Selbstbestimmung und die Verbindung vieler Juden zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.
Besonders niederträchtig ist der Ort, den die Täter auswählten.
Das Wandbild war nach dem verheerenden Eaton-Feuer entstanden, das den historischen Gebäudekomplex der Gemeinde im Januar 2025 weitgehend zerstört hatte. Nachdem anschließend eine der wenigen verbliebenen Mauern bereits Anfang 2026 mit antisemitischen und israelfeindlichen Parolen beschmiert worden war, ließ die Gemeinde dort ein gemeinschaftliches Wandbild schaffen. Es sollte Hoffnung, Zusammenhalt und den Willen zum Wiederaufbau ausdrücken.
Nun wurde genau dieses Zeichen der Erneuerung erneut zum Ziel.
Erst das Feuer, dann der Hass
Das Pasadena Jewish Temple and Center blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Die Gemeinde wurde 1921 gegründet und entwickelte sich zu einem religiösen und gesellschaftlichen Mittelpunkt des jüdischen Lebens im San Gabriel Valley.
Das Eaton-Feuer vernichtete im Januar 2025 die Gebäude des Gemeindezentrums. Die Torarollen konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, doch Synagoge, Gemeinderäume und große Teile des historischen Campus gingen verloren. Seitdem hält die Gemeinde ihre Gottesdienste und Veranstaltungen an ausgeliehenen Orten ab und arbeitet an einem Wiederaufbau.
Ein Jahr nach dem Brand wurde eine noch erhaltene Außenwand mit den Worten „Fuck Zionism“ beschmiert. Eine weitere Aufschrift lautete „RIP Renee“ und bezog sich offenbar auf einen damals aktuellen politischen Streitfall. Die Polizei leitete bereits diesen Vorfall als möglichen Hassakt an ihre zuständigen Ermittler weiter.
Die Gemeinde antwortete nicht mit Rückzug. Sie ließ die beschädigte Wand in ein gemeinsames Kunstwerk verwandeln, das den Bewohnern von Pasadena und Altadena nach dem Feuer Mut machen sollte.
Melissa Levy, die Geschäftsführerin des Gemeindezentrums, erklärte nach der erneuten Schändung, es sei besonders grausam, ausgerechnet eine Wand auszuwählen, die Menschen nach einer verheerenden Katastrophe zusammenbringen sollte. Die Gemeinde habe bereits beim ersten Mal auf Hass mit Hoffnung reagiert und werde dies erneut tun.
Rabbiner Josh Ratner bezeichnete die Tat als verachtenswert und beschämend. Die Gemeinde werde weder diese Schändung noch den vorherigen Angriff über ihre Zukunft bestimmen lassen. Sie werde weiter aufbauen und ihre jüdischen Werte offen und ohne Angst leben.
Die Worte zeigen Stärke. Sie dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, was jüdischen Gemeinden inzwischen zugemutet wird.
Eine Synagoge verliert ihre Gebäude durch eine Naturkatastrophe. Die wenigen verbliebenen Mauern werden antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen beschmiert. Die Gemeinde beseitigt den Hass und schafft an derselben Stelle ein Bild der Hoffnung. Wenige Monate später kommen Unbekannte zurück und sprühen Hakenkreuze darüber.
Das ist keine zufällige Sachbeschädigung. Es ist der Versuch, einer ohnehin schwer getroffenen jüdischen Gemeinschaft zu zeigen, dass selbst ihre Trauer, ihr Wiederaufbau und ihre Hoffnung nicht unbehelligt bleiben sollen.
Hakenkreuz und „Antizionismus“ gehören hier zusammen
Nach antisemitischen Vorfällen beginnt regelmäßig eine vorhersehbare Debatte: Antizionismus sei nicht automatisch Antisemitismus, Kritik an Israel müsse erlaubt bleiben und politische Parolen dürften nicht mit Judenhass gleichgesetzt werden.
Als allgemeiner Grundsatz ist es richtig, zwischen Kritik an einer Regierung und Feindschaft gegen Juden zu unterscheiden. Doch dieser Fall lässt keinen Raum für solche Ausflüchte.
Die Täter wählten eine Synagoge. Sie sprühten Hakenkreuze. Daneben erklärten sie, Zionismus sei nicht willkommen.
Das Hakenkreuz ist das Zeichen eines Regimes, das sechs Millionen Juden ermordete. Der Zionismus ist die Bewegung für das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner historischen Heimat. Werden beide Begriffe auf einer Synagogenmauer miteinander verbunden, richtet sich die Botschaft nicht nur gegen eine einzelne israelische Regierung.
Sie lautet: Jüdische Selbstbestimmung ist unerwünscht, und Juden sollen sich auch in ihrem eigenen Gotteshaus nicht sicher fühlen.
Gerade die Wahl einer amerikanischen Synagoge entlarvt das häufig verwendete Argument, der Hass richte sich ausschließlich gegen Israel. Die Gemeinde in Pasadena ist keine israelische Behörde. Ihre Mitglieder sind amerikanische Juden, Familien, Kinder, Senioren und Überlebende einer Naturkatastrophe.
Wer sie wegen des Zionismus angreift, macht Juden außerhalb Israels für die bloße Existenz des jüdischen Staates verantwortlich. Genau darin liegt ein klassisches Merkmal des modernen Antisemitismus.
Das Los Angeles County Sheriff’s Department erklärte, antisemitische Taten und Hassverbrechen hätten in Pasadena und Altadena keinen Platz. Die Tat werde als mögliches Hassverbrechen untersucht. Zeugen wurden gebeten, sich bei der Polizeistation in Altadena zu melden.
Solche Verurteilungen sind notwendig. Entscheidend ist jedoch, ob die Täter gefunden und strafrechtlich verfolgt werden. Jüdische Gemeinden dürfen nicht gezwungen werden, nach jedem Angriff ihre Sicherheitsanlagen weiter auszubauen, während die Täter unerkannt bleiben.
Die Gemeinde von Pasadena hat bereits bewiesen, dass sie sich nicht vertreiben lässt. Sie rettete ihre Torarollen aus den Flammen, führte ihr Gemeindeleben an anderen Orten fort und verwandelte eine beschmierte Ruine in ein Zeichen der Hoffnung.
Die erneute Schändung zeigt jedoch auch, wie weit der Hass inzwischen reicht.
Nicht einmal eine Synagoge, die noch immer aus der Asche eines Feuers aufersteht, wird verschont.
Autor: Redaktion
Sonntag, 26 Juli 2026