„Unerwünschter Gast“: 9/11-Familien wollen Mamdani von Ground Zero fernhalten„Unerwünschter Gast“: 9/11-Familien wollen Mamdani von Ground Zero fernhalten
Mehr als 5.000 Menschen unterstützen inzwischen die Petition gegen eine Teilnahme des New Yorker Bürgermeisters am 25. Jahrestag. Angehörige verweisen auf seine Aussagen und politischen Verbindungen. Mamdani will trotzdem kommen.

Bildnachweis: Library of Congress, Prints & Photographs Division, LC-DIG-ppmsca-02137 /
QuelleFür die Angehörigen ist Ground Zero kein Ort für politische Selbstdarstellung. Es ist der Platz, an dem ihre Ehepartner, Kinder, Geschwister und Eltern am 11. September 2001 ermordet wurden. Genau deshalb verlangen zahlreiche Familien, dass New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani der zentralen Gedenkzeremonie zum 25. Jahrestag der islamistischen Terroranschläge fernbleibt.
Die von Opferangehörigen initiierte Petition hatte zunächst rund 1.100 Unterstützer, darunter nach Angaben der Organisatoren mindestens 300 Angehörige der Getöteten. Inzwischen ist die Unterstützung nach einem Bericht der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post auf mehr als 5.000 Unterschriften gestiegen. Die Initiatoren wollen damit das 9/11 Memorial & Museum sowie New Yorker Politiker dazu bewegen, Mamdani nicht in den offiziellen Bereich der Zeremonie einzuladen.
Giovanni Galante, dessen 29 Jahre alte Ehefrau Grace Catherine Galante im World Trade Center ermordet wurde, gehört zu den Organisatoren. Für ihn und andere Hinterbliebene ist der Jahrestag kein gewöhnlicher Termin im Kalender eines Bürgermeisters. Mamdanis Anwesenheit wäre aus ihrer Sicht nicht versöhnlich, sondern verletzend. Galante verglich sie mit einem unerwünschten Gast bei einer zutiefst persönlichen Zeremonie.
Die Forderung richtet sich nicht gegen Mamdani, weil er Muslim ist. Eine solche Begründung wäre diskriminierend und mit dem Charakter der Gedenkfeier unvereinbar. Die Angehörigen verweisen vielmehr auf konkrete politische Entscheidungen, öffentliche Aussagen und Verbindungen, die sie für unvereinbar mit einem eindeutigen Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors halten.
Ground Zero ist kein gewöhnlicher Amtstermin
Am 11. September 2001 ermordeten 19 Terroristen des al-Qaida-Netzwerkes 2.977 Menschen. Zwei entführte Passagierflugzeuge wurden in die Türme des World Trade Centers gesteuert, ein weiteres in das Pentagon. Das vierte Flugzeug stürzte nach dem Widerstand der Passagiere in Pennsylvania ab.
Zum 25. Jahrestag sollen am früheren Standort der Zwillingstürme erneut die Namen der Opfer von ihren Angehörigen verlesen werden. Das 9/11 Memorial beschreibt den Ort ausdrücklich als Stätte der Erinnerung, der stillen Besinnung und des Respekts vor den Getöteten.
Die Familien argumentieren deshalb, dass nicht jeder gewählte Amtsträger allein aufgrund seiner Funktion einen moralischen Anspruch auf Teilnahme besitzt. Der Bürgermeister repräsentiert zwar die Stadt. Doch die Zeremonie gehört zuerst den Familien, Überlebenden und Ersthelfern.
Monica Iken-Murphy, deren Ehemann Michael Iken bei den Anschlägen starb, betont, es gehe nicht um Parteipolitik. Politiker, die über Jahre am Prozess der Aufarbeitung und Heilung beteiligt gewesen seien, könnten teilnehmen. Andere sollten den Familien an diesem Tag den Raum lassen und das Mahnmal zu einem anderen Zeitpunkt besuchen.
Mamdani sieht das anders. Sein Sprecher Jeremy Edwards erklärte, der Bürgermeister werde die Familien, Überlebenden und Ersthelfer ehren und gemeinsam mit ihnen daran erinnern, dass New York die Anschläge niemals vergessen werde. Das 9/11 Memorial & Museum verweist darauf, dass Präsidenten, Gouverneure und Bürgermeister unterschiedlicher Parteien regelmäßig an der Zeremonie teilgenommen hätten. Sie hielten dort jedoch keine politischen Reden und würden in einem gesonderten Bereich platziert.
Formal spricht viel dafür, dass der amtierende Bürgermeister an der wichtigsten Gedenkfeier seiner Stadt teilnimmt. Moralisch ist die Frage komplizierter: Was geschieht, wenn ein Teil der Opferfamilien seine Anwesenheit selbst als Belastung empfindet?
Der Streit um „Globalize the Intifada“
Ein zentraler Vorwurf betrifft Mamdanis früheren Umgang mit dem Slogan „Globalize the IntifadaGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen“. Während des Bürgermeisterwahlkampfs wurde er mehrfach aufgefordert, die Parole eindeutig zu verurteilen. Mamdani erklärte, er selbst benutze sie nicht, vermied zunächst jedoch eine klare Zurückweisung. Erst später kündigte er an, andere von der Verwendung des Ausdrucks abbringen zu wollen.
Für viele jüdische New Yorker ist „IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“ nicht die neutrale Bezeichnung eines politischen Kampfes. Sie verbinden das Wort mit einer Welle palästinensischer Terroranschläge, bei denen Busse, Restaurants, Diskotheken und andere zivile Orte zu Tatorten wurden. „Globalize the Intifada“ wird deshalb als Drohung verstanden, diese Gewalt weltweit zu tragen.
Mamdani und seine Unterstützer argumentierten, der Begriff könne auch allgemein Widerstand oder politischen Protest bezeichnen. Die Frage lautet jedoch nicht nur, was ein Politiker selbst unter einem Wort versteht. Ein Bürgermeister muss auch berücksichtigen, welche historische Erfahrung und welche reale Gewalt seine Bürger mit diesem Begriff verbinden.
Wer die Parole nicht verwendet, aber lange zögert, sie zu verurteilen, hinterlässt Zweifel. Diese Zweifel wiegen in New York besonders schwer. Die Stadt war nicht nur Ziel der Anschläge vom 11. September. Sie beherbergt zugleich eine der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels.
Umstrittene politische Verbindungen
Die Petition verweist außerdem auf Mamdanis öffentliches Treffen mit Imam Siraj Wahhaj. Mamdani bezeichnete Wahhaj 2025 als einen der wichtigsten muslimischen Führer des Landes und als tragende Persönlichkeit seiner Gemeinde in Brooklyn. Das Treffen löste scharfe Kritik aus, weil Wahhajs Name seit Jahren im Zusammenhang mit kontroversen islamistischen Netzwerken und der Debatte um den Anschlag auf das World Trade Center von 1993 genannt wird.
Ein Foto oder ein politisches Treffen beweist keine Zustimmung zu sämtlichen früheren Aussagen oder Kontakten eines Gesprächspartners. Bürgermeister müssen mit sehr unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Gruppen sprechen. Dennoch dürfen die Opferfamilien fragen, warum Mamdani einen derart umstrittenen Prediger öffentlich und ohne erkennbare Distanzierung würdigte.
Kritisiert wird auch Mamdanis Verbindung zum linken Internetmoderator Hasan Piker. Piker hatte Jahre zuvor erklärt, Amerika habe die Anschläge vom 11. September „verdient“. Mamdani trat später bei ihm auf und verweigerte während des Wahlkampfs zunächst eine klare Verurteilung dieser Aussage. Für Hinterbliebene und Ersthelfer war dies kein gewöhnlicher Streit um einen provokanten Influencer, sondern eine Frage des elementaren Respekts vor den Toten.
Piker hat seine damalige Formulierung später als schlecht gewählt dargestellt. Trotzdem bleibt die Frage, weshalb ein Bewerber um das Bürgermeisteramt einer Stadt, deren Geschichte durch 9/11 geprägt wurde, nicht sofort und ohne Ausflüchte erklären konnte, dass Amerika diesen Massenmord nicht verdient hatte.
Ein Anwalt ist nicht sein Mandant
Die Petition greift zudem Mamdanis Ernennung von Ramzi Kassem zum obersten Rechtsberater des Bürgermeisters auf. Kassem ist Professor an der juristischen Fakultät der City University of New York, Gründer einer auf Sicherheits- und Bürgerrechtsfälle spezialisierten Rechtsklinik und war bereits als Berater im Weißen Haus tätig. Er vertrat unter anderem Ahmed al-Darbi, ein al-Qaida-Mitglied, das wegen seiner Beteiligung an einem Terroranschlag auf einen französischen Öltanker verurteilt wurde.
Hier ist eine klare Grenze notwendig. Die juristische Vertretung eines Terrorverdächtigen oder verurteilten Terroristen macht einen Anwalt nicht zum Unterstützer seines Mandanten. Gerade der Rechtsstaat beweist seine Stärke dadurch, dass selbst schwerste Beschuldigte eine Verteidigung erhalten. Kassems anwaltliche Tätigkeit allein belegt keine Nähe zum Terrorismus.
Politisch dürfen Bürger dennoch prüfen, welche Haltung ein hoher Regierungsberater öffentlich vertritt und ob seine Ernennung Vertrauen schafft. Der Vorwurf muss sich dann aber auf konkrete Aussagen und Handlungen stützen, nicht lediglich auf die Identität früherer Mandanten.
Eine seriöse Kritik an Mamdani wird stärker, nicht schwächer, wenn sie diese rechtsstaatliche Unterscheidung wahrt.
Streit um Anwar al-Awlaki
Auch ältere Äußerungen Mamdanis zum späteren al-Qaida-Ideologen Anwar al-Awlaki werden gegen ihn verwendet. Mamdani teilte 2015 eine ausführliche Reportage über al-Awlakis Entwicklung und die Rolle amerikanischer Sicherheitsbehörden. Kritiker warfen ihm später vor, damit die Verantwortung für al-Awlakis Radikalisierung auf den amerikanischen Staat zu verschieben.
Al-Awlaki war ein amerikanisch-jemenitischer Prediger, der zu einem der wichtigsten englischsprachigen Propagandisten al-Qaidas wurde. Er stand mit mehreren späteren Terroristen in Kontakt und wurde 2011 bei einem amerikanischen Drohnenangriff im Jemen getötet.
Auch hier muss zwischen Analyse und Rechtfertigung unterschieden werden. Zu untersuchen, wie ein Mensch zum Terroristen wird, bedeutet nicht automatisch, seine Verbrechen zu entschuldigen. Problematisch wird es dort, wo die persönliche Verantwortung des Täters hinter einer Erzählung über staatliche Fehler verschwindet.
Die Angehörigen verlangen von Mamdani deshalb keine komplizierte historische Abhandlung. Sie erwarten eine unmissverständliche moralische Aussage: Al-Qaida plante und verübte den Massenmord. Die Verantwortung liegt bei den Terroristen und ihren Unterstützern.
Die Familien dürfen die Grenzen des Gedenkens bestimmen
Gegner der Petition werden einwenden, Mamdani sei demokratisch gewählt und repräsentiere alle New Yorker. Ein Ausschluss könnte den 25. Jahrestag selbst politisieren und den Eindruck erwecken, ein muslimischer Bürgermeister werde wegen seiner Religion vom Gedenken ferngehalten.
Diese Gefahr ist real. Islamfeindliche Angriffe gegen Mamdani gab es bereits während seines Aufstiegs zum Bürgermeisteramt. Pauschale Verdächtigungen gegen Muslime sind falsch und gefährlich. Sie dürfen nicht mit berechtigter Kritik an politischen Aussagen vermischt werden.
Doch auch der umgekehrte Fehler wäre falsch: Jede Kritik an einem muslimischen Politiker als Islamfeindlichkeit abzutun. Die Opferfamilien haben konkrete Gründe genannt. Man kann ihre Schlussfolgerung ablehnen, ohne ihnen das Recht abzusprechen, diese Fragen zu stellen.
Der 11. September war kein abstraktes Unglück und keine Naturkatastrophe. Es war ein sorgfältig geplanter islamistischer Terroranschlag. Ein glaubwürdiger Teilnehmer der Gedenkfeier muss diesen Charakter ohne Relativierung anerkennen.
Mamdani könnte den Konflikt entschärfen. Er könnte die Parole „Globalize the Intifada“ endgültig und eindeutig verurteilen. Er könnte erklären, dass niemand die Anschläge vom 11. September verdient habe. Er könnte sich von jeder Verharmlosung al-Qaidas distanzieren und den Familien ein Gespräch ohne Kameras und politische Inszenierung anbieten.
Er könnte sie außerdem fragen, ob seine Teilnahme ihnen Trost bringt oder zusätzlichen Schmerz verursacht.
Was er nicht tun sollte, ist seine Anwesenheit allein mit dem Amt zu begründen. Ein Bürgermeister besitzt politische Autorität. Die moralische Autorität dieses Tages liegt bei den Angehörigen.
Am 11. September werden Politiker wieder in einem abgegrenzten Bereich stehen. Sie werden zuhören, während die Namen der Ermordeten verlesen werden. Keiner von ihnen sollte vergessen, dass er dort nur Gast ist.
Die Familien haben den höchsten Preis bezahlt. Ihr Wunsch verdient mehr Gewicht als das Bedürfnis eines Politikers, auf einem historischen Foto zu erscheinen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 29 Juli 2026