Mark Ruffalo zieht Gaza in Hollywood-Milliardendeal, Paramount spricht von antisemitischen StereotypenMark Ruffalo zieht Gaza in Hollywood-Milliardendeal, Paramount spricht von antisemitischen Stereotypen
Mark Ruffalo greift David und Larry Ellison wegen der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery frontal an. Er verbindet den milliardenschweren Konzernumbau mit „Genozid“, „Apartheid“ und Oracles Unterstützung für Israel. Paramount weist die Vorwürfe scharf zurück und sieht eine Grenze überschritten.

Bildnachweis: Mark Ruffalo, 2014, Bildausschnitt bearbeitet | Originalfoto: Cpl. Michael C. Guinto / U.S. Marine Corps /
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Aus dem Streit um einen der größten Deals in der Geschichte Hollywoods ist längst mehr geworden als eine Auseinandersetzung über Marktanteile, Arbeitsplätze und Medienmacht. Schauspieler Mark Ruffalo hat den geplanten Zusammenschluss von Paramount und Warner Bros. Discovery mit dem Krieg in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verknüpft und dabei schwere Vorwürfe gegen Paramount-Chef David Ellison und dessen Vater Larry Ellison erhoben.
Paramount reagiert nun ungewöhnlich scharf.
Auslöser ist eine Reihe von Beiträgen, die Ruffalo auf Instagram veröffentlichte. Darin griff er einen älteren Auftritt von Safra Catz auf. Die frühere Oracle-Chefin und heutige Paramount-Verwaltungsrätin hatte über technologische Unterstützung gesprochen, die Oracle IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 zur Verfügung stellte.
Catz sprach dabei von „wirklich äußerst beängstigenden Technologien“, die Oracle für die israelischen Bemühungen verfügbar gemacht habe. Welche konkreten Systeme sie meinte, führte sie in dem Ausschnitt nicht aus.
Ruffalo machte daraus eine direkte Verbindung zum Krieg in Gaza und schließlich zum Warner-Deal.
Er behauptete, Catz erfreue sich an dem, „was wir heute als Genozid verstehen“, und bezeichnete Israel als ein auf „Apartheid“ gegründetes System der Unterdrückung, das von Oracle unterstützt werde. Larry Ellison nannte er einen „klassischen Oligarchen“. Zugleich warf er den Ellisons vor, enorme wirtschaftliche und mediale Macht zu konzentrieren und damit einige der „zerstörerischsten und unmenschlichsten Kräfte der Welt“ zu stärken.
Damit war für Paramount eine Grenze erreicht.
Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, man sei besorgt, wenn in einem wirtschaftlichen Konflikt antisemitische Stereotype bemüht würden. Begriffe wie „Genozid“ und „Apartheid“ auf eine Unternehmenstransaktion zu übertragen, sei nicht nur falsch, sondern gehe weit über eine legitime Auseinandersetzung hinaus.
Paramount betonte zugleich, Vorurteile gegen niemanden zu tolerieren.
Das Unternehmen wirft Ruffalo damit nicht einfach vor, Israel kritisiert zu haben. Der Konflikt liegt tiefer. Ruffalo verbindet seine Ablehnung eines Medienkonzerns mit einer Erzählung über die Macht der Ellison-Familie, deren wirtschaftlichen Einfluss, ein großes Technologieunternehmen, einen riesigen Medienkonzern und Israel. Gleichzeitig versieht er dieses Geflecht mit Begriffen wie „Genozid“, „Apartheid“, „Oligarch“ und „unmenschliche Kräfte“.
Gerade diese Kombination lässt bei Paramount die Alarmglocken schrillen.
Aus Kritik am Konzern wird eine Erzählung über Israel
Gegen die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount gibt es zahlreiche Einwände, die mit Israel überhaupt nichts zu tun haben.
Kritiker warnen vor einer weiteren Konzentration des amerikanischen Film- und Fernsehmarktes, möglichen Arbeitsplatzverlusten und wachsender Macht eines einzelnen Medienkonzerns. Zwölf US-Bundesstaaten haben gegen die 110 Milliarden Dollar schwere Transaktion geklagt und wollen sie aus kartellrechtlichen Gründen verhindern. Die Auseinandersetzung läuft vor Gericht.
Ruffalo hätte sich also auf einen bereits vorhandenen und ausgesprochen harten Streit über Wettbewerb und Medienmacht stützen können.
Stattdessen rückt er Israel ins Zentrum seiner Argumentation.
Aus der Frage, ob Paramount Warner Bros. übernehmen darf, wird bei ihm eine Geschichte über Oracle, die israelische Armee, Gaza und Larry Ellisons politische und wirtschaftliche Macht.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil der von Ruffalo verbreitete Catz-Ausschnitt aus einem völlig anderen Zusammenhang stammt. Catz sprach über Oracles Unterstützung für Israel nach dem 7. Oktober, als das Land gerade den schwersten Terrorangriff seiner Geschichte erlebt hatte. Oracle hatte sich damals öffentlich an die Seite Israels gestellt, Mitarbeiter unterstützt und unter anderem für den israelischen Rettungsdienst Magen David Adom gespendet. Das Unternehmen hat seine Solidarität mit Israel nie verborgen.
Aus dieser Unterstützung leitet Ruffalo nun eine Mitverantwortung für das ab, was er als „Genozid“ und „Apartheid“ bezeichnet.
Paramount weist genau diese Verbindung zurück.
Der Vorwurf des Antisemitismus ist ernst, aber er muss präzise bleiben
Auch Paramounts Reaktion verdient eine genaue Betrachtung.
Nicht jede Kritik an Larry Ellison, David Ellison, Oracle oder Israel ist antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Ein Milliardär darf als mächtig kritisiert werden. Ein Medienkonzern darf wegen Marktkonzentration angegriffen werden. Und Unterstützung für Israel kann selbstverständlich politisch hinterfragt werden.
Der Antisemitismusvorwurf darf deshalb nicht daraus entstehen, dass Ruffalo zwei jüdische Unternehmer kritisiert.
Problematisch wird die Sache dort, wo eine bekannte Struktur entsteht: jüdische Milliardäre, enorme Finanzmacht, Kontrolle über Technologie und Medien, politische Einflussnahme und die Unterstützung angeblich unmenschlicher Kräfte werden zu einer großen gemeinsamen Erzählung verbunden.
Ob Ruffalo selbst antisemitische Absichten verfolgt, lässt sich daraus nicht feststellen. Paramount behauptet in seiner Stellungnahme auch nicht, in Ruffalos Kopf sehen zu können. Das Unternehmen spricht von antisemitischen Stereotypen, die in die Auseinandersetzung eingeführt würden.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn bei Antisemitismus geht es nicht ausschließlich darum, ob jemand ausdrücklich erklärt, Juden zu hassen. Alte Bilder von jüdischer Finanzmacht, Medienkontrolle und verborgenem politischen Einfluss können auch dann reproduziert werden, wenn derjenige, der sie benutzt, seine Argumentation selbst für rein politisch hält.
Gerade deshalb wäre bei einer solchen Auseinandersetzung sprachliche Präzision notwendig.
Ruffalo wählt das Gegenteil.
Er nimmt einen umstrittenen Hollywood-Deal, verbindet ihn mit einem israelischen Krieg, mit einem amerikanischen Technologieunternehmen, mit einem Vater und seinem Sohn und schließlich mit einer globalen Erzählung über Macht, Unterdrückung und „unmenschliche Kräfte“.
Paramount hält dagegen, dass Begriffe wie „Genozid“ und „Apartheid“ dadurch nicht nur politisch instrumentalisiert, sondern ihres eigentlichen Gewichts beraubt würden.
Paramount schlägt ungewöhnlich deutlich zurück
Bemerkenswert ist auch der Ton der Antwort.
Große Studios versuchen Kontroversen mit prominenten Schauspielern normalerweise möglichst schnell wieder einzufangen. Paramount tut das diesmal nicht. Das Unternehmen widerspricht Ruffalo öffentlich und erklärt, seine Beiträge legten die tatsächlichen Motive zumindest eines Teils der Gegner der Übernahme offen.
Gleichzeitig versucht Paramount, den Vorwurf einer möglichen schwarzen Liste vorwegzunehmen.
Das Unternehmen versichert, seine Verpflichtung gegenüber guten Inhalten gehe mit der Verpflichtung einher, jedem Geschichtenerzähler Raum zu geben. Es werde keine schwarzen Listen geben und keine Ausnahmen.
Das ist offensichtlich nicht zufällig formuliert. In Hollywood besitzt der Begriff „Blacklist“ eine historische Schwere, und Ruffalo ist ein international bekannter Schauspieler. Paramount macht deshalb deutlich: Der Konzern will seine Aussagen zurückweisen, ohne daraus einen Berufsboykott zu machen.
Der Konflikt dürfte damit allerdings kaum beendet sein.
Ruffalo gehört seit Langem zu den lautesten Israel-Kritikern Hollywoods. Nun hat er diese politische Haltung unmittelbar mit einem der größten Konzernkämpfe der amerikanischen Unterhaltungsindustrie verbunden.
Damit hat er zugleich die Frage aufgeworfen, wo politische Kritik endet und wo alte Bilder über jüdische Macht beginnen.
Paramount hat darauf eine ungewöhnlich klare Antwort gegeben.
Kritik am Warner-Deal sei legitim.
Die Verbindung aus „Genozid“, „Apartheid“, jüdischen Milliardären, Technologie, Medienmacht und angeblich „unmenschlichen Kräften“ hält das Unternehmen dagegen nicht mehr für einen gewöhnlichen Streit über Hollywood.
Und genau deshalb fällt die Reaktion diesmal so scharf aus.
Autor: Redaktion
Samstag, 22 August 2026