Abschiebungen für andere gefordert: Jetzt sitzt Milo Yiannopoulos selbst bei ICE

Abschiebungen für andere gefordert: Jetzt sitzt Milo Yiannopoulos selbst bei ICE


Milo Yiannopoulos forderte harte Kontrollen und schnelle Abschiebungen illegaler Migranten. Nun wurde der britische Rechtsaußen-Kommentator selbst von ICE festgenommen und soll die USA verlassen.

Abschiebungen für andere gefordert: Jetzt sitzt Milo Yiannopoulos selbst bei ICE
Bildnachweis: U.S. Department of Homeland Security (bearbeitet) / Quelle

Der britische Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos ist von der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen worden. Der 41-Jährige wurde am Donnerstag am Louis Armstrong New Orleans International Airport in Louisiana in Gewahrsam genommen. Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums liegt gegen ihn eine rechtskräftige Abschiebungsanordnung vor.

Die Festnahme besitzt eine kaum zu übersehende politische Ironie. Yiannopoulos hatte selbst wiederholt eine besonders harte Linie gegen Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus gefordert. Unter anderem sprach er sich für ICE-Kontrollen in Supermärkten und die sofortige Abschiebung von Personen aus, die keinen legalen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten nachweisen könnten. Nun ist er selbst von jener Behörde festgenommen worden, deren rigoroses Vorgehen er öffentlich unterstützt hatte.

Nach Darstellung des Department of Homeland Security war Yiannopoulos im Mai 2019 legal über New York in die Vereinigten Staaten eingereist. Anschließend habe er jedoch seinen erlaubten Aufenthalt überschritten. Reuters berichtet unter Berufung auf die US-Behörden außerdem, dass Yiannopoulos nicht zu einem Termin vor dem Einwanderungsgericht erschienen sei. Ein Richter erließ daraufhin am 22. Juli eine endgültige Abschiebungsanordnung. Bis zu seiner Abschiebung soll Yiannopoulos in ICE-Gewahrsam bleiben.

Das Heimatschutzministerium formulierte die Angelegenheit wenig diplomatisch: Yiannopoulos habe zwar legal die Vereinigten Staaten betreten, dann aber entschieden, seinen Aufenthalt entgegen den Einwanderungsgesetzen zu verlängern.

Damit trifft ihn nun genau jene konsequente Anwendung des amerikanischen Einwanderungsrechts, die er für andere selbst verlangt hatte.

Yiannopoulos war zunächst vor allem durch seine Arbeit für das konservative US-Portal Breitbart News bekannt geworden. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er auch während der sogenannten Gamergate-Kontroverse ab 2014. Später bewegte er sich zunehmend im Umfeld der amerikanischen extremen Rechten und pflegte unter anderem Kontakte zu Kanye West und dem weißen Nationalisten Nick Fuentes. Reuters bezeichnet ihn als britischen Rechtsaußen-Kommentator.

Seine politische Karriere war dabei immer wieder von Provokationen und Kontroversen geprägt. Gerade in der Einwanderungspolitik gehörte er nicht zu jenen Stimmen, die einen großzügigen Umgang mit Aufenthaltsverstößen verlangten. Vielmehr plädierte er für eine konsequente Durchsetzung der amerikanischen Einwanderungsregeln.

Dass er nun selbst Gegenstand eines Abschiebungsverfahrens ist, macht den Fall politisch bemerkenswert, ändert aber nichts an der rechtlichen Kernfrage. Nach Angaben der US-Behörden geht es nicht um seine politischen Auffassungen, sondern um seinen Aufenthaltsstatus und eine bereits ergangene Abschiebungsanordnung.

Bis Freitag war nicht bekannt, ob Yiannopoulos inzwischen anwaltlich vertreten wird. Eine unmittelbare Stellungnahme von ihm lag Reuters zunächst ebenfalls nicht vor.

Der Vorgang unterscheidet sich damit auch von den zuletzt in den USA kontrovers diskutierten Fällen, in denen ausländische Studenten oder Aktivisten wegen politischer Aktivitäten ins Visier der Einwanderungsbehörden gerieten. Im Fall Yiannopoulos beruft sich die Regierung ausdrücklich auf einen gewöhnlichen Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht und eine bereits bestehende gerichtliche Abschiebungsanordnung.

Gerade deshalb ist der Fall so ungewöhnlich: Einer der lautstärksten Befürworter kompromissloser Abschiebungen muss nun erfahren, dass die von ihm geforderte Härte des Systems keine politische Ausnahme für seine eigenen Unterstützer vorsieht.

Wer eine konsequente Durchsetzung des Einwanderungsrechts fordert, kann schwer verlangen, dass sie endet, sobald sie einen selbst betrifft.




Autor: Redaktion
Samstag, 29 August 2026

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