Antizionisten im Oval Office: Trump sucht Unterstützung bei Satmar

Antizionisten im Oval Office: Trump sucht Unterstützung bei Satmar


Unter den Gästen waren die beiden rivalisierenden Satmar Rebbes, deren Bewegung den Staat Israel aus religiösen Gründen ablehnt. Im Weißen Haus ging es um politische Unterstützung, soziale Forderungen und Begnadigungen.

Antizionisten im Oval Office: Trump sucht Unterstützung bei Satmar
Bildnachweis: NASA Kennedy Space Center / NASA/John Kraus / Quelle

Es ist ein Bild mit erheblicher Symbolkraft: Donald Trump sitzt wenige Wochen vor den amerikanischen Zwischenwahlen im Oval Office mit führenden Vertretern großer chassidischer Gemeinschaften. Unter seinen Gästen befinden sich auch Rabbi Aharon Teitelbaum und Rabbi Zalman Leib Teitelbaum, die Oberhäupter der beiden rivalisierenden Satmar Strömungen. Satmar gehört zu den größten chassidischen Bewegungen der USA und lehnt den ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen sowie jüdische Staatlichkeit vor dem Kommen des Messias aus religiösen Gründen ab.

Das Treffen am Donnerstag war nach Angaben des Weißen Hauses die erste Zusammenkunft dieser Art seit 1979. Neben den Satmar Rebbes nahmen Vertreter von Bobov, Vizhnitz, Skver sowie Rabbi Malkiel Kotler von der Beth Medrash Govoha in Lakewood teil. Auch Vizepräsident JD Vance, Jared Kushner und der republikanische Kongressabgeordnete Mike Lawler waren zeitweise dabei.

Offiziell stand das Treffen im Zeichen des bevorstehenden jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana. Doch hinter der freundlichen Kulisse spielte auch Politik eine Rolle. N12 berichtet, Trump habe die Unterstützung der einflussreichen ultraorthodoxen Gemeinschaften gesucht. Bereits vor dem Treffen hatten Quellen aus dem Weißen Haus und dem Umfeld der Delegation gegenüber dem amerikanischen jüdischen Nachrichtenportal Belaaz erklärt, der Termin solle auch die Unterstützung dieser Gemeinden vor den Zwischenwahlen unterstreichen.

Das ist keineswegs bedeutungslos. Chassidische Gemeinschaften in New York und New Jersey können in einzelnen Wahlkreisen Tausende Stimmen geschlossen mobilisieren. Besonders für Politiker wie Mike Lawler, dessen Wahlkreis große orthodoxe Gemeinden umfasst, können solche Wahlempfehlungen entscheidend werden.

Ausgerechnet Satmar erhält direkten Zugang zu Trump

Politisch brisant ist vor allem die Zusammensetzung der Delegation. Die beiden Satmar Rebbes führen eine Bewegung, deren religiöse Lehre den politischen Zionismus ausdrücklich ablehnt. Ihre Haltung unterscheidet sich damit fundamental von der überwiegend proisraelischen Position großer Teile des orthodoxen Judentums in den Vereinigten Staaten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Satmar mit jeder radikalen jüdischen Gruppierung gleichgesetzt werden kann, die gemeinsam mit Israelfeinden demonstriert. Die Bewegung besitzt eine eigene religiöse Begründung für ihre Ablehnung des Zionismus und ist zugleich eine große, fest etablierte Gemeinschaft mit Zehntausenden Mitgliedern. Gerade deshalb ist ihr politisches Gewicht erheblich größer als das kleiner antizionistischer Randgruppen.

Schon vor dem Treffen hatte die Einladung heftige Diskussionen ausgelöst. Besonders sensibel war die Frage, ob die israelische WehrpflichtWehrpflicht in Israel: Dienst, Reserve und Streit um GleichheitDie Wehrpflicht in Israel verpflichtet viele jüdische, drusische und tscherkessische Bürger zum Militärdienst. Männer dienen regulär länger als Frauen, danach folgt meist Reservedienst. Besonders umstritten ist die Einberufung ultraorthodoxer Männer.Mehr lesen für ultraorthodoxe Männer zur Sprache kommen würde. Rabbi Aharon Teitelbaum hatte zuvor erklärt, er wolle den amerikanischen Präsidenten auf die Lage ultraorthodoxer Jeschiwa Studenten in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ansprechen und um Unterstützung gegen deren Einberufung bitten.

Das wäre ein bemerkenswerter Vorgang gewesen. Ein religiöser Führer aus den Vereinigten Staaten hätte damit versucht, den amerikanischen Präsidenten in eine innenpolitische und sicherheitspolitische Auseinandersetzung Israels hineinzuziehen.

Genau dazu scheint es offiziell jedoch nicht gekommen zu sein. Belaaz berichtete bereits vor dem Treffen unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus und in der jüdischen Gemeinschaft, die Delegation sei ausdrücklich gebeten worden, die Festnahmen und den Streit um die israelische Wehrpflicht nicht zum Thema des Gesprächs zu machen. Auch in den detaillierteren Berichten nach dem Treffen findet sich bislang keine belastbare Bestätigung, dass Trump tatsächlich aufgefordert wurde, Israel in dieser Frage unter Druck zu setzen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Die vorher angekündigte Absicht eines Satmar Führers ist nicht dasselbe wie ein tatsächlich vorgetragener Wunsch im Oval Office.

Begnadigungen statt israelischer Wehrpflicht

Nach dem Treffen wurde deutlich, welche Themen tatsächlich eine größere Rolle gespielt haben sollen. Jewish Insider berichtet unter Berufung auf Teilnehmer und mit dem Gespräch vertraute Quellen über Wohnungsfragen, Gefängnisreformen und steuerliche Erleichterungen für kinderreiche Familien.

Auch die Situation jüdischer Gefangener kam zur Sprache. Trump selbst sprach nach Angaben eines Teilnehmers über Begnadigungen für jüdische Häftlinge und erwähnte dabei Sholom Rubashkin. Der frühere Manager eines koscheren Fleischverarbeitungsunternehmens war wegen Finanzdelikten zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Trump hatte seine Strafe bereits 2017 umgewandelt.

N12 berichtet ebenfalls, Vertreter der Delegation hätten Trump um Hilfe bei der Freilassung beziehungsweise Begnadigung jüdischer Gefangener gebeten. Bereits vor dem Treffen hatten Rabbiner, die jüdische Häftlinge in amerikanischen Bundesgefängnissen betreuen, Satmar Vertreter aufgefordert, deren Anliegen im Weißen Haus vorzubringen.

Der Besuch zeigt damit auch, wie politisch organisiert Teile der amerikanischen chassidischen Gemeinschaft inzwischen auftreten. Es geht um Schulen, Familienförderung, Wohnraum, Strafrecht und den direkten Zugang zu einem Präsidenten, der über Begnadigungen entscheiden kann.

Trump wiederum hat gute Gründe, diese Gemeinden zu umwerben. In einigen chassidischen Hochburgen erzielte er bei Präsidentschaftswahlen außergewöhnlich hohe Ergebnisse. Daraus lässt sich allerdings keine dauerhafte Bindung an die Republikanische Partei ableiten. Die politischen Führungen dieser Gemeinschaften unterstützen bei lokalen und regionalen Wahlen durchaus auch Demokraten, wenn sie sich davon Vorteile für ihre Gemeinden versprechen.

Gerade Satmar handelt politisch ausgesprochen pragmatisch. Das macht die Gemeinschaft für Politiker interessant, aber auch schwer berechenbar.

Für Israel bleibt dennoch ein irritierendes Bild. Während die amerikanische Regierung unter Trump in zahlreichen zentralen Fragen eng an der Seite des jüdischen Staates steht, erhalten zugleich religiöse Führer unmittelbaren Zugang zum Präsidenten, die den Zionismus grundsätzlich ablehnen. Das ist in einer Demokratie selbstverständlich legitim. Es ist aber ebenso legitim zu fragen, welches Signal entsteht, wenn solche Stimmen im Oval Office als besonders einflussreiche Vertreter des amerikanischen Judentums erscheinen.

Denn sie repräsentieren nicht das amerikanische Judentum insgesamt. Sie vertreten große und schnell wachsende ultraorthodoxe Gemeinschaften mit beträchtlichem politischem Gewicht, aber zugleich eine sehr spezielle religiöse und politische Position.

Das Weiße Haus scheint diese Unterscheidung weniger nach Ideologie als nach Einfluss vorzunehmen. Ein Regierungsvertreter erklärte gegenüber Jewish Insider, die chassidischen Führer hätten Trump für seinen Kampf gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, für Religionsfreiheit und für seine Unterstützung religiöser Schulen gedankt. Für die Regierung zählt offenbar vor allem, dass diese Gemeinden organisiert sind, wachsen und Wahlen beeinflussen können.

Genau darin liegt die eigentliche politische Geschichte dieses ungewöhnlichen Treffens. Trump empfing die Satmar Führer nicht, weil ihre antizionistische Haltung plötzlich amerikanische Regierungspolitik geworden wäre. Seine Regierung ignorierte vielmehr die ideologische Distanz zu Israel und behandelte sie als das, was sie in der amerikanischen Innenpolitik ebenfalls sind: Führer großer Gemeinschaften, die Stimmen mobilisieren können.

Dass die israelische Wehrpflicht nach bisherigem Kenntnisstand nicht zum offiziellen Druckmittel gegen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen wurde, ist dabei entscheidend. Hätte Trump sich von antizionistischen Religionsführern in die israelische Wehrpflichtdebatte hineinziehen lassen, wäre aus einem ungewöhnlichen Termin ein ernstes Problem im Verhältnis zu Israel geworden.

Dafür gibt es bislang keinen Beleg.




Autor: Redaktion
Freitag, 04 September 2026

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