Frankreich hochgestuft? Nein: Moody’s bewertet Israel trotz stärkerer Wirtschaft deutlich schlechterFrankreich hochgestuft? Nein: Moody’s bewertet Israel trotz stärkerer Wirtschaft deutlich schlechter
Frankreich kämpft mit hoher Staatsverschuldung, schwachem Wachstum und einer politischen Krise. Trotzdem bewertet Moody’s das Land vier Bonitätsstufen besser als Israel. Der Vergleich wirft Fragen zur Gewichtung wirtschaftlicher und geopolitischer Risiken auf.

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Die amerikanische Ratingagentur Moody’s hält an einer bemerkenswerten Bewertung fest: Frankreich erhält trotz wachsender Staatsschulden und erheblicher Haushaltsprobleme die Bonitätsnote Aa3. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird dagegen nur mit Baa1 bewertet, vier Stufen darunter.
Am 23. Oktober 2026 bestätigte Moody’s Frankreichs bisherige Einstufung. Der Ausblick bleibt negativ. Die Agentur warnt damit weiterhin vor einer möglichen Verschlechterung der Kreditwürdigkeit.
Die wirtschaftlichen Unterschiede sind erheblich. Nach den im Kommentar derJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Postangeführten Prognosen des Internationalen Währungsfonds soll Israels Wirtschaft 2026 um rund 4,5 Prozent wachsen. Für Frankreich werden lediglich 0,4 Prozent erwartet.
Noch deutlicher fällt der Vergleich bei der Staatsverschuldung aus: Frankreichs Schuldenstand erreicht etwa 118,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Israel liegt bei rund 68,6 Prozent.
Auch beim Haushaltsdefizit steht Frankreich unter Druck. Die französische Regierung rechnet für 2026 mit einem Fehlbetrag von rund 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Israels gemeldetes Defizit lag im September bei etwa 3,2 Prozent.
Warum also bewertet Moody’s Frankreich deutlich besser?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Einschätzung langfristiger Risiken. Israel ist weiterhin militärischen Bedrohungen ausgesetzt. Kriege, hohe Verteidigungsausgaben und mögliche neue Eskalationen können die Staatsfinanzen erheblich belasten.
Frankreich profitiert dagegen von seiner Einbindung in den Euroraum, seiner großen und breit aufgestellten Volkswirtschaft sowie etablierten staatlichen Institutionen. Diese Faktoren erhöhen nach Einschätzung von Ratingagenturen die Fähigkeit eines Staates, seine Schulden auch in schwierigen Zeiten zu bedienen.
Moody’s begründete die Bestätigung des französischen Ratings unter anderem mit der Erwartung, dass Paris seinen Haushalt mittelfristig konsolidieren kann. Ob die geplanten Einsparungen politisch durchsetzbar sind, bleibt allerdings fraglich.
Die französische Regierung muss sich mit erheblichen parlamentarischen Widerständen auseinandersetzen. Moody’s selbst sieht deshalb weiterhin Risiken und hält am negativen Ausblick fest.
Bei Israel zeigt sich eine andere Entwicklung. Moody’s hatte die Kreditwürdigkeit nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 und den folgenden Kriegen mehrfach herabgestuft. Im Januar 2026 verbesserte die Agentur den Ausblick für Israel von negativ auf stabil, beließ die Bonitätsnote aber bei Baa1.
Die Ratingagentur erkannte dabei ausdrücklich an, dass sich Israels Wirtschaft trotz der militärischen Konflikte widerstandsfähig gezeigt hatte.
Damit entsteht ein auffälliger Gegensatz: Frankreich besitzt deutlich höhere Schulden und schwächere Wachstumsaussichten, erhält aber weiterhin eine wesentlich bessere Bonitätsbewertung.
Die Zahlen allein beweisen keine fehlerhafte Bewertung. Kreditratings messen nicht nur Wirtschaftsleistung und Schuldenquote, sondern auch politische Stabilität, Finanzierungsmöglichkeiten und künftige Krisenrisiken.
Sie begründen jedoch die Frage, ob Frankreichs finanzielle Probleme und Israels wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit in der Bewertung angemessen gewichtet werden.
Denn Bonitätsnoten bleiben nicht folgenlos. Sie können die Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen beeinflussen und bestimmen mit darüber, welche Investoren Staatsanleihen erwerben dürfen.
DieJerusalem Postfordert deshalb eine nachvollziehbarere Erklärung des erheblichen Bewertungsabstands.
Dass Moody’s geopolitische Bedrohungen berücksichtigt, ist sachlich begründet. Ebenso wichtig ist jedoch, die wirtschaftliche Belastbarkeit eines Staates und die politischen Risiken anderer Länder nachvollziehbar gegeneinander abzuwägen.
Vier Bonitätsstufen Unterschied sind angesichts dieser Wirtschaftsdaten erklärungsbedürftig. Einen Beleg für eine politisch motivierte Benachteiligung Israels liefern sie allein nicht.
Autor: Bernd Geiger
Dienstag, 27 Oktober 2026