haOlam.de kostet jeden Monat Geld
Technik, Betrieb und redaktionelle Arbeit verursachen laufende Kosten. Allen, die uns bereits regelmäßig helfen, danken wir herzlich. Damit haOlam.de weiterlaufen kann, brauchen wir auch jetzt Ihre Hilfe. Wenn es Ihnen möglich ist: Jeder Betrag hilft, auch 10 Euro.
Jüdische Aktivistin an US-Universität angegriffen und mit dem Tod bedroht

Jüdische Aktivistin an US-Universität angegriffen und mit dem Tod bedroht


Eine Diskussion über den Iran endet an der Universität Michigan mit Gewalt. Die Angreiferin stößt Liz Benichou zu Boden und droht anschließend, sie hätte sie töten sollen. Ein Polizist greift ein.

Jüdische Aktivistin an US-Universität angegriffen und mit dem Tod bedroht
Bildnachweis: AndrewHorne / Quelle / CC BY 3.0

An der University of Michigan in Ann Arbor ist eine jüdische Aktivistin während einer politischen Auseinandersetzung angegriffen und anschließend mit dem Tod bedroht worden. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, dem 1. November 2026, bei einer Veranstaltung konservativer Aktivisten auf dem Universitätsgelände. Aufnahmen der Auseinandersetzung zeigen, wie eine Studentin die politische Kommentatorin Liz Benichou zu Boden stößt, anschließend erneut auf sie losgehen will und erst durch das Eingreifen eines Polizisten gestoppt wird.

Besonders erschreckend ist, was die Angreiferin nach ihrer Festnahme sagte. Während sie von der Polizei abgeführt wurde, rief sie Benichou zu, sie hätte sie töten sollen, als sie die Gelegenheit dazu gehabt habe. Die Drohung ist auf Video dokumentiert und wurde von mehreren amerikanischen Medien veröffentlicht.

Benichou ist eine jüdische Aktivistin, die sich öffentlich mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen identifiziert und die politische Bewegung von US-Präsident Donald Trump unterstützt. Sie war im Rahmen einer Veranstaltung der konservativen Jugendorganisation Liberty Under Fire USA auf dem Campus unterwegs. Die Organisation wollte mit Studenten über politische und gesellschaftliche Fragen diskutieren.

Nach Berichten des amerikanischen Nachrichtenportals Mediaite begann die Auseinandersetzung an einem Informationsstand, an dem unter anderem die Vereinbarkeit des Islam mit westlichen Werten zur Diskussion gestellt wurde. Die spätere Angreiferin bezeichnete die dort präsentierten Aussagen als muslimfeindlich und verlangte von den Teilnehmern Auskunft darüber, ob die Veranstaltung genehmigt sei.

Die Diskussion wurde zunehmend aggressiv. Als Benichou hinzukam, entwickelte sich ein Wortwechsel über die Situation von Frauen im Iran. Die Aktivistin fragte sinngemäß, was einer Frau passieren würde, wenn sie sich in der Islamischen Republik genauso kleidete wie die Studentin.

Diese Frage war der unmittelbare Auslöser des körperlichen Angriffs. Die Studentin ließ ihr Mobiltelefon fallen, stürmte auf Benichou zu und stieß sie mit beiden Händen zu Boden. Anschließend versuchte sie nach den Videoaufnahmen, auf die am Boden liegende Frau einzutreten. Ein weiterer Anwesender griff ein und hielt die Angreiferin zunächst zurück.

Doch damit war die Auseinandersetzung nicht beendet. Die Studentin versuchte erneut, sich Benichou zu nähern. Schließlich griff ein Polizist der Universität ein, brachte sie unter Kontrolle und nahm sie fest. Auch während der Festnahme wehrte sich die Frau und setzte ihre Beschimpfungen fort.

Todesdrohung nach der Festnahme

Die University of Michigan Police Department bestätigte gegenüber amerikanischen und britischen Medien, dass Beamte am Sonntag kurz vor 17 Uhr zu einer nicht genehmigten Veranstaltung gerufen worden seien. Als die Teilnehmer ihre Sachen zusammenpackten, hätten Polizisten beobachtet, wie eine Studentin eine Frau angriff, die nicht der Universität angehört.

Die Tat wurde somit nicht allein von den beteiligten Aktivisten geschildert. Ein Polizeibeamter war nach Angaben seiner Dienststelle unmittelbarer Zeuge des körperlichen Angriffs.

Die Studentin wurde vorläufig festgenommen, polizeilich erfasst und anschließend wieder entlassen. Ob ein Haftbefehl beantragt oder eine formelle Anklage erhoben wird, war am Montag zunächst offen.

Die Polizei erklärte außerdem, ihr seien keine Verletzungen gemeldet worden. Dem widerspricht die Darstellung aus dem Umfeld der Angegriffenen. Taylor Sharp, Geschäftsführer von Liberty Under Fire USA und Manager von Benichou, teilte Mediaite mit, die Aktivistin habe bei dem Sturz eine Verletzung im unteren Rückenbereich erlitten.

Benichou erklärte nach dem Angriff, sie befinde sich an einem sicheren Ort und werde medizinisch versorgt. Sie dankte den Polizisten für ihr Eingreifen und kündigte an, sich durch Gewalt nicht einschüchtern zu lassen.

Ihre Organisation teilte mit, rechtliche Schritte gegen die Angreiferin anzustreben.

Die politischen Hintergründe der Studentin sind bislang nicht abschließend geklärt. Konservative Aktivisten behaupten, sie unterstütze den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed. Eine unabhängige Bestätigung dieser Behauptung liegt jedoch nicht vor. Ebenso wenig gibt es Belege für eine Verbindung der Angreiferin zu dessen Wahlkampagne.

Auch das genaue Tatmotiv bedarf weiterer Untersuchung. Dass Benichou jüdisch ist und sich öffentlich zu Israel bekennt, steht fest. Die Videoaufnahmen zeigen allerdings, dass der unmittelbare Streit um Aussagen zum Islam und zur Stellung von Frauen im Iran geführt wurde. Ob die jüdische Identität Benichous ein Motiv für die Gewalt war, ist bislang nicht nachgewiesen.

Unabhängig davon steht der dokumentierte Vorgang für sich: Eine politische Meinungsverschiedenheit endete in einem körperlichen Angriff und einer ausdrücklichen Todesdrohung.

An der Universität Michigan wächst der Druck auf jüdische Stimmen

Der Angriff ereignete sich an einer Hochschule, die bereits mehrfach durch Auseinandersetzungen über Israel und antisemitische Vorfälle in die Schlagzeilen geraten ist.

Seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 haben sich die Spannungen an zahlreichen amerikanischen Universitäten erheblich verschärft. Jüdische Studenten berichten von Einschüchterungen, Bedrohungen und Angriffen. Politische Konflikte über Israel werden dabei zunehmend auch auf dem Campus ausgetragen.

Bereits im September 2024 verurteilte die Sicherheitsabteilung der University of Michigan einen Angriff auf ein jüdisches Mitglied der Universitätsgemeinschaft ausdrücklich als antisemitische Einschüchterung. Die Hochschule erklärte damals, sie werde mit den zuständigen Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch die amerikanische Bundesjustiz beschäftigt sich weiterhin mit schweren Vorwürfen gegen Personen aus dem Umfeld antiisraelischer Aktionen in Michigan.

Erst am 30. Oktober 2026 gab das US-Justizministerium bekannt, dass vier weitere Personen wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einer koordinierten Einschüchterungskampagne angeklagt wurden. Insgesamt umfasst das Verfahren inzwischen zwölf Beschuldigte.

Nach Darstellung der Bundesstaatsanwaltschaft sollen Mitglieder der mutmaßlichen Gruppe unter anderem die Jewish Federation of Detroit, Verantwortliche der University of Michigan, Polizeibeamte und Einrichtungen mit tatsächlichen oder angenommenen Verbindungen zu Israel bedroht haben.

Die Ermittler beschreiben Sachbeschädigungen, Drohungen und Angriffe auf private Wohnhäuser. Dabei seien auch Symbole verwendet worden, die mit der Terrororganisation Hamas in Verbindung stehen.

Die Beschuldigten gelten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Ein Zusammenhang dieses Verfahrens mit dem Angriff auf Liz Benichou ist nicht bekannt.

Dennoch verdeutlichen die getrennten Vorgänge, unter welchen Spannungen die Auseinandersetzung um Israel an der Universität Michigan und in ihrem Umfeld stattfindet.

Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um unterschiedliche Positionen zur Politik der israelischen Regierung. Gegenstand der Ermittlungen sind auch gezielte Einschüchterungen und Gewalttaten.

Für die Meinungsfreiheit an amerikanischen Hochschulen ist das eine ernste Entwicklung. Universitäten sollen Orte sein, an denen kontroverse Ansichten geäußert und auch scharf kritisiert werden dürfen. Dazu gehören Diskussionen über den Islam, die Politik des iranischen Regimes, Israel und die amerikanische Innenpolitik.

Niemand muss die Ansichten von Liz Benichou teilen. Ihre Unterstützung für Donald Trump darf ebenso kritisiert werden wie die provokanten Fragen, die bei der Veranstaltung gestellt wurden.

Doch politische Ablehnung rechtfertigt keine körperliche Gewalt. Erst recht rechtfertigt sie keine Todesdrohung.

Gerade Hochschulen, die sich auf Toleranz, Vielfalt und freie Debatten berufen, müssen diesen Grundsatz unabhängig von der politischen Ausrichtung der Beteiligten durchsetzen.

Für jüdische Studenten und Aktivisten bekommt der Vorfall zusätzliche Bedeutung, weil viele von ihnen bereits seit Jahren über ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit berichten. Eine Untersuchung der Anti-Defamation League, von Hillel International und College Pulse hatte für den Zeitraum nach dem 7. Oktober 2023 erhebliche antisemitische Anfeindungen an amerikanischen Hochschulen dokumentiert.

Die Frage, ob der aktuelle Angriff strafrechtlich auch als antisemitisches Hassverbrechen einzuordnen ist, müssen die zuständigen Ermittlungsbehörden anhand der tatsächlichen Beweise beantworten.

Dass eine jüdische Aktivistin auf einem amerikanischen Universitätsgelände nach einer politischen Diskussion zu Boden gestoßen und anschließend mit dem Tod bedroht wird, ist jedoch bereits ohne diese zusätzliche Einordnung ein schwerwiegender Vorfall.

Besonders bezeichnend ist der Anlass der Eskalation. Benichou stellte eine Frage über den Umgang des iranischen Regimes mit Frauen und deren persönlichen Freiheiten. Statt die Frage argumentativ zurückzuweisen, griff die Studentin zu Gewalt.

Der Angriff zeigt damit, wie weit eine politische Auseinandersetzung entgleisen kann, wenn die Bereitschaft verloren geht, gegensätzliche Meinungen auszuhalten.

Die Polizei hat unmittelbar eingegriffen. Nun liegt es an den zuständigen Behörden, die strafrechtliche Verantwortung zu klären.

Für eine Universität sollte darüber hinaus selbstverständlich sein, dass niemand wegen seiner politischen Ansichten eingeschüchtert, angegriffen oder bedroht werden darf. Das gilt unabhängig davon, ob jemand konservativ, liberal, jüdisch, muslimisch, israelfreundlich oder israelkritisch ist.

Eine Hochschule, an der Meinungsverschiedenheiten mit Schlägen und Todesdrohungen beantwortet werden, muss sich fragen, wie sie die Freiheit der Debatte wirksam schützen kann.




Autor: Redaktion
Dienstag, 03 November 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage