80 Jahre danach: Israel gedenkt der Schoah – und der Preis des Vergessens

80 Jahre danach: Israel gedenkt der Schoah – und der Preis des Vergessens


Israel gedenkt der Schoah – und fragt sich, ob das „Nie wieder“ noch gilt

80 Jahre danach: Israel gedenkt der Schoah – und der Preis des Vergessens
Von David Shankbone - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3271889

Acht Jahrzehnte nach dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte bleibt IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen nicht nur ein Ort des Erinnerns – sondern ein Ort des Mahnens. In der Nacht zu Donnerstag begann im Gedenkzentrum Yad VashemShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen die zentrale Zeremonie zum 80. Jahrestag des HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen. Sirenen heulen, das Leben steht still – für eine Minute scheint der Schmerz der Geschichte alles zu durchdringen. Doch in diesem Jahr ist etwas anders: Der Schmerz ist nicht nur vergangen, er ist gegenwärtig.

Während Präsident Isaac Herzog und Premierminister Benjamin Netanjahu auf der Bühne sprechen, während Psalmen rezitiert und Namen verlesen werden, denkt ein ganzes Land auch an andere Namen: Omri. Almog. Yossi. Menschen, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen aus ihren Häusern gezerrt und nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt wurden. Viele von ihnen leben noch – in Käfigen, Tunneln, Kellern. Und ihre Familien durchleben einen Albtraum, der im Schatten des Gedenkens kaum zu ertragen ist.

„Mein Mann ist seit eineinhalb Jahren in Geiselhaft“, sagte Lishay Miran-Lavi, Ehefrau des entführten Omri Miran, am Mittwoch in der Knesset. „Unsere Kinder zünden eine Kerze für einen Vater an, der noch lebt – aber niemand holt ihn.“ Am Vorabend des Holocaust-Gedenktages sprach sie vom neuen Holocaust. Von einem, der sich mitten im jüdischen Staat abspielte – während die Welt zusah.

 

Die zentrale Zeremonie in Yad Vashem stand unter dem Motto „Aus der Tiefe – die Qual der Befreiung“. Die tiefere Ironie dieses Mottos entging keinem: Denn die Befreiung, die einst das Ende von Auschwitz markierte, bleibt heute für 59 israelische Geiseln ein ferner Traum. „Nie wieder“? Es klang in dieser Nacht wie eine bittere Erinnerung daran, dass Worte nicht schützen.

Der Holocaust-Gedenktag ist für Israel heilig. Doch in diesem Jahr wirkt er wie ein Weckruf. Nicht nur zum Gedenken an die sechs Millionen Ermordeten – sondern zum Erwachen angesichts der Gleichgültigkeit gegenüber den heutigen jüdischen Opfern. Wenn jüdische Kinder heute in Videos den US-Präsidenten um Hilfe bitten, ihren Vater aus der Geiselhaft zu befreien – dann ist das nicht Vergangenheit. Dann ist das Gegenwart.

Die Welt schaut heute auf Yad Vashem. Auf die gelben Sterne, die Namen auf den Steinen, die alten Männer mit den tätowierten Nummern auf dem Arm. Aber der Blick darf nicht dort enden. Wer der Geschichte wirklich gedenken will, muss den Blick auch auf die Tunnel unter Gaza richten. Auf die Familien, die nicht schlafen können. Auf die Kinder, die keine Geburtstage feiern wollen, weil ihr Vater nicht da ist.

Die Shoah hat uns gelehrt, dass Schweigen tötet. Auch 80 Jahre später gilt das noch immer.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 23 April 2025

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