Roger Waters stellt sich hinter Teheran und diffamiert Iran-ProtesteRoger Waters stellt sich hinter Teheran und diffamiert Iran-Proteste
Der frühere Pink-Floyd-Sänger relativiert Gewalt des Regimes, spricht von „bewaffneten Schlägerbanden“ und übernimmt zentrale Narrative der iranischen Führung. Die Empörung ist entsprechend groß.
Der frühere Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters sorgt erneut für internationale Empörung. In einem Interview mit Piers Morgan äußerte sich der Musiker zu den anhaltenden Protesten im Iran - und übernahm dabei Argumentationsmuster, wie sie sonst vor allem aus Teheran selbst zu hören sind.
Waters erklärte, er sei kein Iraner und das Geschehen dort sei „nicht sein Geschäft“. Zwar unterstütze er grundsätzlich das Recht von Frauen, selbst über ihre Kleidung zu entscheiden, doch im nächsten Satz stellte er die Proteste infrage. Sicherheitskräfte im Iran seien, so Waters, von „bewaffneten Banden von Schlägern“ angegriffen worden, die mutmaßlich vom Westen gesteuert worden seien. Konkret nannte er den britischen und den amerikanischen Geheimdienst und behauptete, diese hätten „tausende Menschen getötet“.
Nähe zur Propaganda des Regimes
Die Wortwahl ist bemerkenswert. Seit Beginn der Massenproteste nach dem Tod von Mahsa Amini versucht das iranische Regime, die Demonstrationen als ausländisch gesteuerte Unruhen darzustellen. Waters’ Aussagen fügen sich nahtlos in dieses Narrativ ein und stehen im scharfen Widerspruch zu Berichten unabhängiger Menschenrechtsorganisationen, die tausende getötete Demonstranten dokumentieren.
Morgan konfrontierte Waters im Gespräch mit der Frage, ob er damit sowohl die Demonstranten als auch das Regime unterstütze. Waters bejahte dies und erklärte, er wünsche sich Regierungen, die Protest zuließen und zugleich „für das Wohl der Menschen“ handelten. Die USA nannte er im selben Atemzug als negatives Gegenbeispiel, da dort die Regierung angeblich nicht im Interesse der Bevölkerung agiere.
Kontinuität einer umstrittenen Haltung
Die Aussagen passen in ein Muster. Waters fällt seit Jahren mit scharfer Rhetorik gegen Israel auf und hat diese nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober weiter verschärft. In der Vergangenheit stellte er öffentlich infrage, ob Vergewaltigungen und der Mord an Kindern durch die Terrororganisation Hamas tatsächlich stattgefunden hätten. Auch diese Aussagen wurden international scharf verurteilt.
Dass Waters nun ausgerechnet in Bezug auf Iran Protestbewegungen delegitimiert und Gewalt des Regimes relativiert, verstärkt den Eindruck einer ideologisch gefestigten Weltsicht, in der autoritäre Systeme regelmäßig als Opfer westlicher Verschwörungen dargestellt werden.
Reaktionen und Wirkung
In sozialen Netzwerken stießen die Aussagen auf breite Ablehnung. Viele Nutzer warfen Waters vor, aus sicherer Distanz über Menschen zu urteilen, die im Iran ihr Leben riskieren. Kritisiert wird weniger, dass er sich äußert, sondern wie er es tut: pauschal, unbelegt und in einer Sprache, die Unterdrückung verharmlost.
Waters selbst zeigte bislang keine Bereitschaft zur Klarstellung oder Korrektur. Damit bleibt erneut ein bitterer Eindruck zurück: Ein weltbekannter Künstler nutzt seine Reichweite nicht, um aufzuklären oder Empathie zu zeigen, sondern um Narrative zu verbreiten, die den Opfern von Gewalt ihre Stimme nehmen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot Youtube
Sonntag, 18 Januar 2026