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„Keine Touristen, sondern Täter“: Proteste in Neuseeland richten sich gezielt gegen Israelis

„Keine Touristen, sondern Täter“: Proteste in Neuseeland richten sich gezielt gegen Israelis


Bei einer Kundgebung in Auckland fordern pro palästinensische Aktivisten, Israelis nicht mehr ins Land zu lassen. Im Zentrum steht ein neuseeländisches Visaprogramm, das auch ehemaligen israelischen Soldaten offensteht. Die Vorwürfe sind schwer, die Sprache radikal, die Wirkung international.

„Keine Touristen, sondern Täter“: Proteste in Neuseeland richten sich gezielt gegen Israelis

In Auckland haben pro palästinensische Aktivisten bei einer Kundgebung offen gefordert, Israelis die Einreise nach Neuseeland zu verwehren. Unter dem Slogan „Keine Touristen Täter von Völkermord“ richtete sich der Protest nicht gegen konkrete Personen, sondern pauschal gegen Israelis, insbesondere gegen ehemalige Soldaten der israelischen Armee. Auslöser ist ein bilaterales Visaprogramm, das es bis zu 200 Israelis pro Jahr ermöglicht, zeitweise in Neuseeland zu leben und zu arbeiten.

Die Demonstration fand auf dem Te Komititanga Platz im Stadtzentrum von Auckland statt und war Teil der seit über zwei Jahren andauernden regelmäßigen Proteste gegen Israel im Land. Rednerinnen und Redner warfen Israel vor, das Visaprogramm gezielt zur internationalen Imagepflege zu nutzen. Es handle sich nicht um kulturellen Austausch, sondern um einen kalkulierten Versuch, Vorwürfe gegen Israel zu überdecken.

Eine zentrale Stimme der Kundgebung war Lee-Anne Whanau-Peters, Aktivistin der Organisation Palestine Solidarity Network Aotearoa. Sie erklärte, Israel versuche, durch die Präsenz junger Israelis im Ausland Normalität vorzutäuschen. Besonders scharf äußerte sie sich über israelische Soldaten und Reservisten, die ihrer Darstellung zufolge Teil eines Systems seien, das schwere Verbrechen begehe. Die Bezeichnung der israelischen Streitkräfte als Verteidigungsarmee lehnte sie ausdrücklich ab.

In ihren Redebeiträgen wurden Vorwürfe von Kriegsverbrechen, Apartheid und Völkermord erhoben. Die Demonstrierenden bezogen sich dabei auf laufende internationale Verfahren und auf Zahlen, die bei der Kundgebung genannt wurden, ohne dass diese unabhängig überprüft oder eingeordnet wurden. Israel wurde als international isolierter Staat dargestellt, der versuche, sich über Programme wie das Visumssystem politische Akzeptanz zu verschaffen.

Die Protestierenden richteten ihre Kritik nicht nur an Israel, sondern auch an die neuseeländische Regierung. Premierminister Christopher Luxon, Außenminister Winston Peters und weitere Regierungsmitglieder wurden beschuldigt, durch die Zulassung israelischer Staatsbürger indirekt Verantwortung zu tragen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Organisation nach eigenen Angaben Beschwerden bei internationalen Institutionen eingereicht.

Besonders auffällig ist die Pauschalität der Vorwürfe. Auf der Kundgebung wurde nicht zwischen aktiven Soldaten, Reservisten, ehemaligen Wehrpflichtigen oder Zivilisten unterschieden. In Israel ist der Militärdienst verpflichtend, was faktisch bedeutet, dass ein Großteil der israelischen Gesellschaft von den Forderungen betroffen wäre. Diese Tatsache wurde in den Redebeiträgen nicht thematisiert.

Auch der Bereich Sport wurde in die Proteste einbezogen. Redner verglichen Israel mit dem Apartheid Regime im früheren Südafrika und forderten einen kulturellen und sportlichen Ausschluss. Israelis, die in Neuseeland an sportlichen Wettbewerben teilnehmen oder in Vereinen aktiv sind, wurden ebenfalls als Teil einer angeblichen Normalisierungsstrategie bezeichnet.

Aus israelischer Sicht zeigen die Proteste eine Entwicklung, die seit dem 7. Oktober zunehmend zu beobachten ist. Kritik an israelischer Politik geht in Teilen westlicher Protestbewegungen in kollektive Zuschreibungen über. Die Grenze zwischen politischer Anklage und pauschaler Delegitimierung von Israelis verschwimmt. Begriffe wie Völkermord oder Täter werden dabei nicht juristisch präzise verwendet, sondern als politisches Kampfmittel eingesetzt.

Die neuseeländische Regierung hat sich bislang nicht zu den Forderungen geäußert, das Visaprogramm für Israelis auszusetzen. Das Programm existiert seit Jahren und gilt auch für andere Länder. Es richtet sich nicht an Militärangehörige, sondern an junge Erwachsene, die zeitlich begrenzt im Land arbeiten oder reisen wollen.

Der Protest in Auckland steht exemplarisch für eine breitere internationale Entwicklung. Israel wird nicht mehr nur für konkrete politische Entscheidungen kritisiert, sondern als Staat und Gesellschaft insgesamt infrage gestellt. Die Forderung, Menschen allein aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit auszugrenzen, markiert dabei eine neue Qualität der Auseinandersetzung.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Richard Ashurst - Protester, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124105159


Montag, 19 Januar 2026

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