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UNO vor dem finanziellen Zusammenbruch: wie jahrelange Fehlentscheidungen jetzt ihren Preis fordern

UNO vor dem finanziellen Zusammenbruch: wie jahrelange Fehlentscheidungen jetzt ihren Preis fordern


Der Weltorganisation geht das Geld aus. Nicht in ferner Zukunft, sondern in wenigen Monaten. Was sich derzeit in New York abzeichnet, ist mehr als ein Haushaltsproblem. Es ist ein Offenbarungseid eines Systems, das sich selbst überlebt hat.

UNO vor dem finanziellen Zusammenbruch: wie jahrelange Fehlentscheidungen jetzt ihren Preis fordern

Die Vereinten Nationen stehen vor einer Krise, wie es sie seit ihrer Gründung 1945 nicht gegeben hat. Innerhalb weniger Monate könnte dem größten multilateralen Bündnis der Welt schlicht das Geld ausgehen. Nicht für Projekte, nicht für neue Programme, sondern für den laufenden Betrieb selbst. In New York spricht man inzwischen offen von einem Szenario, das noch vor kurzem undenkbar schien: die zeitweise Schließung des UN-Hauptquartiers.

Die Warnung kommt nicht von Kritikern, sondern aus der eigenen Führungsetage. Generalsekretär António Guterres hat sich in einem ungewöhnlich scharfen Schreiben an alle 196 Mitgliedstaaten gewandt. Der Ton ist alarmierend. Es gehe nicht um Einsparungen oder Reformen, sondern um eine akute finanzielle Notlage. Bereits im Sommer könnten die Rücklagen aufgebraucht sein. Im August, so die internen Berechnungen, wäre der Betrieb kaum noch aufrechtzuerhalten.

Sollte es so weit kommen, hätte das unmittelbare Folgen. Sitzungen des Sicherheitsrats könnten nicht mehr stattfinden. Die Generalversammlung, das zentrale politische Forum der Weltgemeinschaft, stünde vor der Absage. Koordinationsstellen für humanitäre Hilfe müssten schließen oder drastisch reduziert werden. Ein institutionelles Herzstück der internationalen Ordnung würde stillstehen.

Der Kern des Problems ist so banal wie brisant. Die Mitgliedstaaten zahlen ihre Pflichtbeiträge nicht. Allen voran die Vereinigten Staaten. Nach internen Angaben entfallen rund 95 Prozent der aktuellen Schulden auf Washington. Etwa 2,2 Milliarden Dollar an ausstehenden Beiträgen für die Jahre 2025 und 2026 wurden bislang nicht überwiesen.

Dabei handelt es sich nicht um freiwillige Zuwendungen, sondern um verbindliche Mitgliedsbeiträge, deren Höhe sich nach der Wirtschaftskraft eines Landes richtet. Wer nicht zahlt, verliert theoretisch sein Stimmrecht. In der Praxis jedoch trifft diese Regel vor allem kleinere Staaten. Venezuela etwa verlor seine Stimme bereits. Bei Großmächten hingegen bleibt der politische Wille zur Durchsetzung begrenzt.

Unter Präsident Donald Trump verfolgt die US-Regierung seit Beginn der Amtszeit einen klaren Kurs. Internationale Organisationen werden kritisch geprüft, Zahlungen zurückgehalten, Mitgliedschaften beendet. Die Vereinigten Staaten sind aus mehreren UN-nahen Einrichtungen ausgetreten, darunter auch aus der Weltgesundheitsorganisation. Friedensmissionen sollen gekürzt, internationale Gerichte nicht mehr finanziert werden.

Aus amerikanischer Sicht ist das ein Akt der Haushaltsdisziplin und nationalen Souveränität. Aus Sicht der Vereinten Nationen ist es existenzbedrohend. Denn das gesamte Finanzmodell der Organisation basiert auf der Annahme, dass große Zahler ihre Verpflichtungen erfüllen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das Guterres selbst offen anspricht. Das Finanzsystem der UNO zwingt die Organisation dazu, nicht genutzte Haushaltsmittel an Mitgliedstaaten zurückzuzahlen selbst dann, wenn diese Mittel nie tatsächlich eingegangen sind. Ein bürokratischer Mechanismus, der in stabilen Zeiten tragbar war, sich nun aber als fatal erweist.

Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation. Die UNO darf Geld ausgeben, das sie nicht besitzt, muss aber gleichzeitig Rückzahlungen leisten, obwohl sie auf zugesagte Beiträge wartet. Dieses System treibt die Organisation mit mathematischer Konsequenz in die Zahlungsunfähigkeit.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Innerhalb der Organisation herrscht große Verunsicherung. Stellen wurden gestrichen, Verträge nicht verlängert, Programme eingefroren. Die Moral unter den Mitarbeitenden ist niedrig. Intern wird sogar darüber diskutiert, ob Angestellte im Notfall vorübergehend ohne Gehalt weiterarbeiten müssten, um zentrale Aufgaben aufrechtzuerhalten.

Besonders kritisch ist die Lage für die internationale Krisenkoordination. Zwar verfügen Organisationen wie UNICEF, das Flüchtlingshilfswerk oder das Welternährungsprogramm über eigene Budgets. Doch die übergeordnete Koordination zwischen ihnen droht wegzufallen. Genau jene Struktur, die bei Kriegen, Naturkatastrophen und humanitären Notlagen schnelle Abstimmung ermöglichen soll.

Ein Zusammenbruch dieser Koordinierung würde nicht nur symbolisch wirken. Er hätte reale Folgen für Millionen Menschen in Konfliktgebieten, für Flüchtlinge, für medizinische Notversorgung und für diplomatische Vermittlungsbemühungen.

Der aktuelle Zustand wirft eine grundsätzliche Frage auf. Was ist die UNO heute eigentlich noch? Ein unverzichtbares Instrument globaler Ordnung oder ein überdehnter Apparat, der von politischen Realitäten überholt wurde?

Seit Jahren steht die Organisation in der Kritik. Politische Blockaden im Sicherheitsrat, ein aufgeblähter Verwaltungsapparat, moralische Doppelstandards und ineffektive Resolutionen haben das Vertrauen vieler Staaten ausgehöhlt. Der jetzige finanzielle Kollaps wirkt deshalb nicht wie ein Unfall, sondern wie das Ergebnis einer langen Entwicklung.

Und doch wäre ein Scheitern der UNO kein Triumph. Es wäre ein gefährliches Vakuum. Denn trotz aller Defizite existiert kein alternatives Forum, das vergleichbare globale Koordination leisten könnte. Kein anderer Ort, an dem Staaten regelmäßig miteinander sprechen müssen selbst dann, wenn sie sich feindlich gegenüberstehen.

Guterres spricht deshalb von einer klaren Entscheidung, vor der die Mitgliedstaaten nun stehen. Entweder sie zahlen, was sie zugesagt haben, oder sie stimmen tiefgreifenden Reformen zu. Alles andere führe unweigerlich zur Handlungsunfähigkeit.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Weltgemeinschaft noch bereit ist, ihre eigene Ordnung zu finanzieren. Oder ob sie zulässt, dass eines ihrer zentralen Institutionen an Zahlungsfristen und politischer Gleichgültigkeit zerbricht.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By U.S. Department of the Interior - https://www.flickr.com/photos/42687493@N06/53658511964/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147691436
Montag, 02 Februar 2026

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