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Irans Drohnenstrategie: Die schleichende Bedrohung aus dem Himmel

Irans Drohnenstrategie: Die schleichende Bedrohung aus dem Himmel


Ein einzelner Drohnenangriff auf einen amerikanischen Flugzeugträger mag harmlos erscheinen. Doch Experten warnen: Teheran testet gezielt Grenzen aus und bereitet sich auf ein Szenario vor, in dem ganze Schwärme billiger, tödlicher Fluggeräte die Verteidigungssysteme des Westens überfordern könnten.

Irans Drohnenstrategie: Die schleichende Bedrohung aus dem Himmel

Der jüngste Vorfall im Arabischen Meer wirkte auf den ersten Blick unspektakulär. Ein iranisches unbemanntes Fluggerät vom Typ Shahed-139 näherte sich der amerikanischen USS Abraham Lincoln, einem der modernsten Flugzeugträger der Welt. Ein US-Kampfjet vom Typ F-35 fing die Drohne ab und zerstörte sie. Kein Schaden, keine Verletzten, kein großes Drama.

Doch hinter diesem scheinbar kleinen Zwischenfall verbirgt sich nach Einschätzung von Sicherheitsexperten eine viel größere Botschaft.

Behnam Ben Taleblu, führender Iran-Experte der Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies in Washington, sieht in dem Angriff einen gezielten Testlauf. Teheran, so Taleblu, wolle damit deutlich machen, dass im Falle eines neuen Konflikts mit den Vereinigten Staaten oder Israel nicht nur ein einzelner Kriegsschauplatz betroffen wäre. „Iran versucht zu beweisen, dass ein künftiger Krieg ein regionaler Krieg wäre“, erklärt er.

Der Vorfall ereignete sich in einer Region, die seit Jahren als empfindlichster Nerv der Weltwirtschaft gilt: im Persischen Golf und nahe der Straße von Hormus. Hier verlaufen die wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Bereits während der ersten Amtszeit von Donald Trump setzte Iran auf gezielte Provokationen in diesem Gebiet: Tanker wurden attackiert, Schiffe beschossen, Minen gelegt.

Seit den Ereignissen des 7. Oktober 2023 lag dieser Raum vergleichsweise ruhig da. Die maritime Bedrohung verlagerte sich vor allem ins Rote Meer, wo die von Iran gesteuerten Huthi-Milizen internationale Schiffe ins Visier nahmen. Doch nun scheint Teheran wieder dorthin zurückzukehren, wo es die größte Hebelwirkung besitzt.

Taleblu weist darauf hin, dass viele der Methoden, die heute von den Huthis genutzt werden, ursprünglich vom iranischen Regime selbst entwickelt wurden: das Belästigen von Handelsschiffen mit Schnellbooten, der Einsatz billiger Drohnen, asymmetrische Taktiken gegen hochgerüstete Gegner.

Die Botschaft an Washington ist eindeutig: Man testet die Entschlossenheit der neuen amerikanischen Regierung. Und man prüft, wie weit man gehen kann, ohne eine massive militärische Reaktion auszulösen.

Die Zerstörung der Drohne durch die US-Streitkräfte sei deshalb nicht nur eine routinemäßige Abwehrmaßnahme gewesen, sondern ein wichtiges Signal. „Die Abraham Lincoln und der F-35-Jet haben ihre Aufgabe mit Bravour erfüllt“, betont Taleblu. Doch die eigentliche Gefahr liegt nicht in einzelnen Drohnen, sondern in einer möglichen Überflutung der Verteidigungssysteme.

Genau davor warnen andere Experten eindringlich.

Cameron Chell, Chef eines kanadischen Drohnenunternehmens, erklärte kürzlich, dass Iran inzwischen über die Fähigkeit verfüge, Hunderte billige Einwegdrohnen in kurzer Zeit abzufeuern. „Wenn in kurzer Zeit genug Drohnen gestartet werden, ist es fast sicher, dass einige durchkommen“, sagte er in einem Interview.

Ein solches Szenario wird als Schwarmangriff bezeichnet: Dutzende oder gar Hunderte Drohnen werden gleichzeitig eingesetzt, um Radarsysteme, Abwehrraketen und elektronische Gegenmaßnahmen zu überfordern. Selbst hochentwickelte Armeen könnten dann an ihre Grenzen stoßen.

Taleblu bestätigt diese Gefahr. Die meisten iranischen Drohnen seien zwar langsam und relativ leicht zu zerstören. Doch kombiniert mit Marschflugkörpern und ballistischen Raketen könnten sie Teil eines vielschichtigen Angriffs werden. Im Zwölf-Tage-Krieg gegen Israel versuchte Iran bereits, genau diese Strategie anzuwenden scheiterte jedoch an den modernen israelischen Luftabwehrsystemen.

Trotzdem bleibt das Risiko bestehen. Ziele, die näher an iranischem Territorium liegen, sind deutlich verwundbarer als Israel selbst. Amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten oder Schiffe im Golf könnten bei einem massiven Angriff in ernste Bedrängnis geraten.

„Das iranische Regime mag wirtschaftlich schwach sein“, warnt Taleblu, „aber es bleibt tödlich.“ Iran verfüge über ein ganzes Spektrum unbemannter Bedrohungen: von Mörsern über Raketen bis hin zu Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Systemen. Zusammen bilden sie das wichtigste Instrument iranischer Abschreckung.

Für Israel und die Vereinigten Staaten bedeutet das: Jede einzelne Drohne mag unscheinbar wirken. Doch die eigentliche Gefahr liegt in der Strategie dahinter. Iran führt keinen offenen Krieg. Es führt einen ständigen Testlauf mit kleinen Schritten, die eines Tages zu einem großen Ausbruch führen könnten.

Und genau deshalb darf der Westen diese „kleinen Vorfälle“ nicht unterschätzen.




Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Student News Agency, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130867102
Donnerstag, 05 Februar 2026

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