Miss Israel erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta: Antisemitismus werde algorithmisch verstärktMiss Israel erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta: Antisemitismus werde algorithmisch verstärkt
Die amtierende Miss Israel berichtet von Hunderttausenden Hasskommentaren und spricht von struktureller Benachteiligung jüdischer Stimmen. Big Tech, so ihr Vorwurf, fördere durch seine Algorithmen genau jene Inhalte, die es angeblich bekämpfen will.

AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen im Netz ist kein Randphänomen mehr. Er ist sichtbar, laut und vielfach koordiniert. Melanie Shiraz Asor, Miss IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen 2025, beschreibt in einem Meinungsbeitrag eine digitale Realität, die sie aus zwei Perspektiven kennt: als ausgebildete Datenwissenschaftlerin mit Stationen im Silicon Valley und als öffentliche Repräsentantin des jüdischen Staates auf internationalen Bühnen.
Asor schildert, sie sei mit Hunderttausenden antisemitischen Kommentaren konfrontiert worden. Darunter Aufrufe zu Gewalt, HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Verherrlichung und direkte Morddrohungen gegen sie und ihre Familie. Wiederholte Meldungen solcher Inhalte seien ohne sichtbare Konsequenzen geblieben. Gleichzeitig seien eigene Beiträge ohne beleidigende oder politische Inhalte innerhalb kurzer Zeit gelöscht worden. Koordinierte Massenmeldungen würden von den Plattformen automatisch berücksichtigt, unabhängig von der tatsächlichen Rechtslage des Inhalts.
Engagement über Verantwortung
Asor widerspricht der verbreiteten Darstellung, soziale Netzwerke seien neutrale Plattformen. Aus ihrer Sicht ist diese Argumentation aus technischer Perspektive nicht haltbar. Moderne Plattformen wie Meta ordnen, gewichten und empfehlen Inhalte aktiv. Algorithmen priorisieren Beiträge, die hohe Interaktionsraten erzeugen. Wut, Polarisierung und Provokation generieren Reichweite. Antisemitische Inhalte profitieren von genau diesen Mechanismen.
Die Systeme seien zudem manipulierbar. Koordinierte Kampagnen könnten automatisierte Moderationsmechanismen auslösen. Wenn eine ausreichende Zahl von Nutzern Inhalte melde, erfolge eine Entfernung oft vor menschlicher Prüfung. Für kleine Gemeinschaften sei dieses System besonders nachteilig. Die jüdische Weltbevölkerung umfasst rund 16 Millionen Menschen. In einem globalen digitalen Raum mit Milliarden Nutzern könne eine relativ kleine Gruppe algorithmisch leicht überstimmt werden.
Nach Ansicht Asors liegt das Problem nicht allein in einzelnen Fehlentscheidungen, sondern in der Architektur der Plattformen. Moderation werde auf Volumen statt auf Validität ausgerichtet. Die Folge sei eine digitale Umgebung, in der antisemitische Narrative hohe Sichtbarkeit erlangen, während jüdische Stimmen durch Massenmeldungen eingeschränkt werden.
Rechtliche Grauzonen und politische Verantwortung
Rechtlich berufen sich US-Unternehmen häufig auf Section 230 des Communications Decency Act. Diese Regelung schützt Plattformen weitgehend vor Haftung für Nutzerinhalte. Sie entstand jedoch zu einer Zeit, als algorithmische Empfehlungssysteme in heutiger Form noch nicht existierten. In den USA wird inzwischen diskutiert, ob Unternehmen weiterhin uneingeschränkt immun bleiben sollten, wenn ihre Systeme aktiv zur Verbreitung schädlicher Inhalte beitragen.
Asor argumentiert, neue Gesetze seien nicht zwingend erforderlich, um Verantwortung zu übernehmen. Plattformen könnten ihre Moderationssysteme anpassen, um koordinierten Missbrauch zu erkennen. Sie könnten transparenter darlegen, wie antisemitische Inhalte bewertet werden. Sie könnten sicherstellen, dass Meldemechanismen nicht zur Unterdrückung legitimer Stimmen missbraucht werden.
Der Vorwurf wiegt schwer: Wenn Plattformen mit globaler Reichweite antisemitische Inhalte dulden oder algorithmisch verstärken, während jüdische Nutzer systematisch eingeschränkt werden, entstehe kein neutraler Diskursraum, sondern eine verzerrte Öffentlichkeit. Für Asor ist das keine abstrakte Debatte, sondern persönliche Erfahrung.
Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Im digitalen Zeitalter verbreitet er sich mit neuer Geschwindigkeit. Die Frage, ob Technologieunternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, ist damit nicht nur eine wirtschaftliche oder juristische. Sie betrifft den Schutz von Minderheiten und die Stabilität demokratischer Diskurse weltweit.
Autor: Redaktion
Samstag, 14 Februar 2026