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Wenn jüdische Opfer erst beweisen müssen, dass sie Opfer sind

Wenn jüdische Opfer erst beweisen müssen, dass sie Opfer sind


Ein Bericht dokumentiert sexuelle Gewalt der Hamas beim Massaker vom 7. Oktober und in der Geiselhaft. Vor der UNO ging es nicht nur um Verbrechen, sondern auch um das beschämende Schweigen gegenüber jüdischem Leid.

Wenn jüdische Opfer erst beweisen müssen, dass sie Opfer sind
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen wurden Menschen in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ermordet, verschleppt, vergewaltigt, verstümmelt und vor den Augen ihrer Familien entmenschlicht. Doch ein Teil der Welt reagierte nicht mit dem, was in jedem anderen Fall selbstverständlich gewesen wäre: Entsetzen, Mitgefühl, klare Sprache. Stattdessen begann ein zweites Verbrechen an der Wahrheit. Es wurde gezögert, relativiert, bezweifelt, eingeordnet, umgedeutet. Israelische Opfer mussten erst beweisen, dass sie Opfer sind. Jüdisches Leid wurde nicht einfach betrauert, sondern unter Verdacht gestellt.

Genau an diesem Punkt setzt der Bericht „Silenced No More“ der Civil Commission on October 7th Crimes Against Women and Children an. Dr. Cochav Elkayam-Levy, Gründerin und Vorsitzende der Kommission, stellte die Ergebnisse am 26. Juni 2026 in Genf bei einer Veranstaltung von UN Watch am Rande der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats vor. Der Bericht dokumentiert sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt während des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers vom 7. Oktober und während der Gefangenschaft von Geiseln im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Nach Angaben der Kommission wurden mehr als 430 Aussagen und Interviews, über 1.800 Stunden Bildmaterial sowie zahlreiche Fotos, Videos und weitere Unterlagen ausgewertet.

Die Kommission beschreibt 13 wiederkehrende Muster der Gewalt. Dazu zählen Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung, sexuelle Folter, erzwungene Nacktheit, Verstümmelung, gezielte Verletzungen an Gesichtern und Genitalien, Misshandlungen in Gefangenschaft und Taten, die bewusst auf die Zerstörung von Familien zielten. Das ist keine Randnotiz des Terrors. Es ist sein Kern. Die Hamas griff nicht nur Körper an. Sie griff Würde, Familie, Erinnerung und das Vertrauen an, dass selbst im Krieg bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.

Dr. Elkayam-Levy sagte in Genf, die Kommission habe Verbrechen dokumentiert, die so grausam seien, dass bestehende rechtliche Begriffe kaum ausreichten, um sie vollständig zu beschreiben. Das ist keine Übertreibung. Wer Menschen vergewaltigt, verstümmelt, filmt, verschleppt und anschließend die Welt mit Bildern der Erniedrigung flutet, führt nicht nur Krieg gegen einen Staat. Er führt Krieg gegen das Menschsein selbst.

Besonders erschütternd ist der Begriff, den die Kommission für eine bestimmte Form dieser Gewalt verwendet: sexuelle Gewalt, die gezielt eingesetzt wird, um Familien zu foltern und ihr Leid zu vergrößern. Gemeint ist eine Grausamkeit, die Angehörige nicht nur als Hinterbliebene trifft, sondern als Teil der Tat. Eltern, Kinder, Partner, Geschwister werden in den Schmerz hineingezogen. Das Ziel ist nicht allein der Tod. Das Ziel ist die seelische Verwüstung einer ganzen Gemeinschaft.

Das zweite Schweigen

Doch der Bericht handelt nicht nur von dem, was Hamas-Terroristen und ihre Helfer am 7. Oktober taten. Er handelt auch von dem, was danach geschah. Von einem Schweigen, das nicht neutral war. Von einem Zweifel, der sich nicht gegen Täter, sondern gegen Opfer richtete. Von einem internationalen Klima, in dem jüdisches Leid oft erst dann anerkannt wird, wenn es politisch niemanden stört.

Bei anderen Opfern sexueller Gewalt gilt zu Recht: Man hört zu. Man nimmt Aussagen ernst. Man schützt die Würde der Betroffenen. Man vermeidet öffentliche Demütigung. Bei israelischen Opfern trat vielerorts plötzlich ein anderer Maßstab in Kraft. Da wurde gefragt, ob es wirklich so gewesen sei. Da wurde behauptet, Israel instrumentalisiere Leid. Da wurde jedes Entsetzen sofort in politische Gegenvorwürfe verwandelt. Da wurde aus ermordeten Kindern eine angebliche Chiffre staatlicher Schuld. Da wurden vergewaltigte Frauen zu unbequemen Störfaktoren in einer Weltanschauung, in der Israel nur Täter sein darf.

Das ist der eigentliche Abgrund. Wenn Juden ermordet werden, beginnt für manche nicht die Trauer, sondern die Suche nach einem Grund, warum Israel am Ende doch selbst verantwortlich sein soll. Unter dem Wort „KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen“ wird dann eine Kälte versteckt, die bei keinem anderen Opfer so offen gezeigt würde. Kein historischer Streit erklärt eine Vergewaltigung. Kein politischer Konflikt macht ein ermordetes Baby zu einer militärischen Figur. Keine Debatte über Grenzen, Regierungen oder Kriege nimmt einer Geisel ihre Menschlichkeit.

Wer nach dem 7. Oktober zuerst nach Gründen sucht, warum jüdische Opfer weniger Mitgefühl verdienen, analysiert nicht. Er versagt moralisch.

Die Hamas hat Menschen entmenschlicht. Teile der internationalen Debatte haben diese Entmenschlichung fortgesetzt. Nicht mit Waffen, nicht mit Messern, nicht mit Geiselkellern, sondern mit Zweifel, Ausweichen und SchuldumkehrTäter-Opfer-Umkehr: Wenn Schuld gezielt verdreht wirdTäter-Opfer-Umkehr bezeichnet die Verdrehung von Verantwortung: Täter werden entlastet, Opfer beschuldigt oder moralisch auf die Seite der Täter gerückt. Im Antisemitismus zeigt sich dieses Muster besonders bei Holocaust-Relativierung, Israelhass und der Rechtfertigung von Gewalt gegen Juden oder Israelis.Mehr lesen. Die Toten konnten nicht mehr sprechen. Die Überlebenden mussten erleben, dass ihr Schmerz nicht genügte. Selbst die Spuren der Gewalt wurden in manchen Kreisen nicht als Beweise gesehen, sondern als Störung der eigenen politischen Erzählung.

Genau deshalb ist „Silenced No More“ so wichtig. Der Bericht gibt nicht nur Opfern eine Stimme. Er zwingt eine Welt zum Hinsehen, die zu oft weggesehen hat. Er hält fest, was nicht verschwinden darf. Er widerspricht der perfiden Logik, nach der jüdisches Leid erst geprüft, relativiert und politisch sortiert werden muss, bevor es als Leid gelten darf.

Eine Prüfung für die Vereinten Nationen

Dass dieser Bericht vor den Vereinten Nationen überhaupt so notwendig ist, sagt viel über den Zustand internationaler Institutionen. Israel musste nach dem schlimmsten Massaker an Juden seit der Schoa nicht nur seine Toten begraben, Verwundete versorgen und Geiseln suchen. Es musste zugleich darum kämpfen, dass die Welt anerkennt, was geschehen ist.

UN Watch-Direktor Hillel Neuer formulierte in Genf die entscheidende Frage: Werden die Vereinten Nationen für israelische Opfer dieselben Maßstäbe von Mitgefühl, Glaubwürdigkeit und Verantwortung anwenden, die sie für andere Opfer sexueller Gewalt einfordern? Genau darum geht es. Nicht um Sonderbehandlung für Israel. Nicht um politische Immunität. Sondern um den einfachsten Maßstab von Menschlichkeit: Wer Opfer sexueller Gewalt ist, verliert diesen Status nicht dadurch, dass er Jude oder Israeli ist.

Die Antwort der UNO darf nicht in leeren Formeln bestehen. Sie darf nicht in Ausschüssen versanden, die jedes klare Wort durch diplomatische Watte ersetzen. Sie muss mit Anerkennung beginnen. Mit einer Sprache, die Täter Täter nennt. Mit der Bereitschaft, die Verbrechen der Hamas nicht in allgemeinen Sätzen über „Gewalt im Konflikt“ verschwinden zu lassen. Und mit dem Ende eines doppelten Standards, der israelische Opfer anders behandelt als alle anderen.

Der Bericht warnt zudem vor einer Zukunft, in der solche Gewalt kopiert und weiterentwickelt wird. Terrororganisationen lernen voneinander. Sie sehen, welche Bilder Angst erzeugen. Sie sehen, welche Grausamkeit Aufmerksamkeit schafft. Sie sehen aber auch, welche Gesellschaften wegsehen, wenn die Opfer politisch nicht passen. Wer sexuelle Gewalt der Hamas relativiert, sendet ein gefährliches Signal an andere Täter: Gegen Juden und Israelis wird die Welt länger zweifeln, langsamer trauern und schneller erklären.

Das darf nicht stehen bleiben.

„Silenced No More“ ist deshalb mehr als ein Untersuchungsbericht. Es ist ein Dokument gegen das Auslöschen. Es ist ein Einspruch gegen jene Kälte, die sich als Ausgewogenheit tarnt. Es ist eine Anklage gegen eine internationale Öffentlichkeit, die viel zu oft erst dann menschlich wird, wenn Israel nicht das Opfer ist.

Der 7. Oktober war kein „Ereignis“, das man in politischer Routine ablegen kann. Es war ein Angriff auf jüdisches Leben, auf Familien, auf Frauen, Männer und Kinder, auf den Gedanken, dass Zivilisten nicht zur Beute von Terroristen werden dürfen. Wer diesen Bericht ernst nimmt, kann nicht länger so tun, als gehe es nur um die nächste Runde im Nahostkonflikt. Es geht um eine Terrororganisation, die sexuelle Gewalt als Waffe einsetzte. Und es geht um eine Welt, die sich fragen lassen muss, warum sie bei jüdischen Opfern so oft später, leiser und kälter reagiert.

Die Opfer des 7. Oktober brauchen keine Erlaubnis zum Gedenken. Sie brauchen keine politische Einordnung, um Menschlichkeit zu verdienen. Sie brauchen Wahrheit, Anerkennung und Gerechtigkeit. Wer ihnen das verweigert, stellt nicht Israel bloß, sondern sich selbst.




Autor: Redaktion
Samstag, 27 Juni 2026

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