Schüsse im Festgedränge: Zwei Tote bei Torontos Salsa-FestivalSchüsse im Festgedränge: Zwei Tote bei Torontos Salsa-Festival
Zwischen Musik, Tanz und Familienprogramm liefern sich zwei Bewaffnete offenbar einen Schusswechsel. Zwei Männer sterben, vier weitere Menschen werden verletzt, die Täter sind auf der Flucht.

Mitten in einem der größten lateinamerikanischen Straßenfeste Kanadas sind am Samstagabend Schüsse gefallen. Zwei Männer wurden getötet, vier weitere Menschen mit Schussverletzungen in Krankenhäuser gebracht. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand handelte es sich nicht um einen wahllosen Angriff auf die Besucher des Festivals. Die Polizei geht vielmehr davon aus, dass zwei bewaffnete Personen gezielt aufeinander schossen und dabei Tausende unbeteiligte Menschen in Lebensgefahr brachten. Festnahmen gab es zunächst nicht.
Der erste Notruf ging gegen 20.12 Uhr Ortszeit ein. Die Schüsse fielen im Bereich der St. Clair Avenue West und der Arlington Avenue, unmittelbar am Gelände des Festivals „Salsa on St. Clair“. Als Polizei und Rettungskräfte eintrafen, fanden sie mehrere Menschen mit Schussverletzungen. Zwei Männer wurden noch am Tatort für tot erklärt. Vier weitere Verletzte kamen nach späteren Angaben der Polizei mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser. Frühe Meldungen hatten von fünf Verletzten gesprochen. Diese Zahl wurde im Verlauf des Abends berichtigt.
Die ersten Meldungen der Polizei warnten vor einem möglicherweise weiterhin aktiven Schützen. Besucher wurden aufgefordert, das Gebiet umgehend zu verlassen, Deckung zu suchen und sämtliche Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen. Später erklärte der stellvertretende Polizeichef Frank Barredo, die anfängliche Befürchtung eines Angreifers, der wahllos auf die Menge feuere, habe sich nicht bestätigt.
Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen schossen mindestens zwei Menschen gezielt aufeinander. Dabei feuerten sie jedoch mitten in einer dicht gedrängten Menschenmenge. Barredo erklärte, die Beteiligten hätten durch ihr Handeln eine große Zahl unbeteiligter Menschen rücksichtslos in Gefahr gebracht. Die Polizei stellte am Tatort zwei Schusswaffen sicher. Ob sie den beiden getöteten Männern, den gesuchten Verdächtigen oder weiteren Beteiligten gehörten, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Eine Welle aus Angst zieht über das Festival
Nach Angaben örtlicher Medien hielten sich zu diesem Zeitpunkt etwa 13.000 Menschen in dem Veranstaltungsbereich auf. Besucher berichteten von mehreren schnell aufeinanderfolgenden Schüssen. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich das Straßenfest in einen Ort der Panik. Menschen schrien, rannten in Hauseingänge und Restaurants oder warfen sich auf den Boden. Eltern versuchten, ihre Kinder aus dem Gedränge zu bringen. Andere suchten Schutz hinter Verkaufsständen und abgestellten Fahrzeugen.
Eine Besucherin schilderte, sie habe etwa sieben Schüsse gehört und anschließend gesehen, wie die Menge plötzlich zu rennen begann. Erst während ihrer Flucht habe sie erkannt, dass ein Mensch getroffen worden war. Eine Händlerin berichtete von einer gewaltigen Welle fliehender Besucher, die innerhalb kürzester Zeit durch das Veranstaltungsgelände zog. Menschen, die wenige Augenblicke zuvor noch getanzt oder an den Verkaufsständen gewartet hatten, wussten nicht, woher die Schüsse kamen und ob weitere Angreifer unterwegs waren.
„Salsa on St. Clair“ fand in diesem Jahr zum 22. Mal statt. Das zweitägige Fest verwandelt einen Abschnitt der St. Clair Avenue West in eine große Veranstaltungsfläche mit lateinamerikanischer Musik, Tanzvorführungen, Speisen und Angeboten für Familien. Nach Angaben der Veranstalter gehört es inzwischen zu den größten lateinamerikanischen Kulturfesten Torontos und zieht jedes Jahr Tausende Menschen an.
Die Schüsse fielen am ersten Abend des Festivals, kurz vor dem vorgesehenen Ende des Samstagsprogramms. Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab und erklärte das Gelände später für gesichert. Zahlreiche Beamte blieben jedoch vor Ort, um Spuren zu sichern, Zeugen zu befragen und Aufnahmen von Mobiltelefonen sowie Überwachungskameras auszuwerten.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die gesuchten Personen nach dem Schusswechsel unter die fliehenden Besucher gemischt haben könnten. Wie viele Menschen unmittelbar beteiligt waren und ob einer der beiden getöteten Männer selbst eine Waffe abgefeuert hatte, blieb zunächst offen. Die Polizei rief Besucher dazu auf, Fotos und Videos aus dem Bereich der St. Clair Avenue West und Arlington Avenue zur Verfügung zu stellen.
Entsetzen in Kanada
Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte, er sei über die Schüsse entsetzt. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Angehörige verloren hätten, bei den Schwerverletzten und bei allen Menschen, die das Geschehen miterleben mussten. Den Einsatzkräften dankte er für ihr schnelles Handeln. Die Polizei habe die volle Unterstützung der Bundesregierung bei der Suche nach den Verantwortlichen.
Ontarios Premierminister Doug Ford sprach von sinnloser Gewalt, die zwei Menschenleben gefordert und weitere Menschen verletzt habe. Die Verantwortlichen müssten gefasst und vor Gericht gestellt werden. Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow bezeichnete den Schusswechsel als rücksichtslos und verachtenswert. Besonders erschütternd sei, dass die Täter inmitten eines von Familien, Kindern und älteren Menschen besuchten Festes geschossen hätten.
Toronto gilt trotz wiederkehrender Fälle von Waffengewalt weiterhin als eine der sichereren Großstädte Nordamerikas. Barredo warnte jedoch davor, aus diesem Ruf eine falsche Sicherheit abzuleiten. In einer Stadt mit rund drei Millionen Einwohnern könne Gewalt nicht vollständig ausgeschlossen werden. Entscheidend sei nun, die Verantwortlichen zu finden und den genauen Ablauf zu klären.
Zu einem möglichen persönlichen oder kriminellen Hintergrund des Schusswechsels machte die Polizei zunächst keine Angaben. Ebenso gab es keine Hinweise auf ein politisches, religiöses oder terroristisches Motiv. Die Namen der Toten und Verletzten wurden zunächst nicht veröffentlicht. Die Ermittlungen dauern an.
Autor: Redaktion
Sonntag, 12 Juli 2026