Mit Äxten gejagt, weil sie Hebräisch sprachenMit Äxten gejagt, weil sie Hebräisch sprachen
Sechs Israelis wurden auf einem abgelegenen Campingplatz in der Mongolei von mehreren Männern mit Äxten und Messern angegriffen. Zuvor sollen die Täter „Heil Hitler“ gerufen haben.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Was als Reise durch eines der dünnsten besiedelten Länder der Welt begann, endete für sechs Israelis in einer nächtlichen Flucht um ihr Leben. Auf einem abgelegenen Campingplatz im Norden der Mongolei soll eine Gruppe von Männern die Reisenden angegriffen haben, nachdem sie diese Hebräisch sprechen gehört hatte. Mindestens ein Angreifer war mit einer Axt bewaffnet, weitere Männer sollen Messer und Beile getragen haben. Einer der Israelis erlitt einen Kieferbruch und musste nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zurückkehren.
Der Angriff ereignete sich nach Angaben des israelischen Ministeriums für Diasporaangelegenheiten am Abend des 13. Juli 2026. Bei den Reisenden handelte es sich um drei Männer und drei Frauen. Sie hatten ihre Ausrüstung auf einem Nachtplatz aufgebaut und miteinander gesprochen. Musik lief nach ihrer Schilderung nicht, einen Streit mit anderen Besuchern hatte es zuvor ebenfalls nicht gegeben. Dann hörten sie plötzlich den Hitlergruß.
Amit, einer der Betroffenen, berichtete im israelischen Frühstücksfernsehen, zunächst sei ein offenbar betrunkener Mann mit einer Axt auf die Gruppe zugerannt. Hinter ihm hätten weitere Personen gestanden. Die Israelis signalisierten nach seiner Darstellung, dass sie den Platz verlassen würden, und begannen, ihre Sachen zusammenzupacken. Damit schien die unmittelbare Gefahr zunächst vorüber zu sein.
Doch der Mann sei wenig später mit sechs oder sieben weiteren Angreifern zurückgekehrt. Einige von ihnen hätten große Äxte und Messer getragen. Es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Die Reisenden erklärten später, sie hätten den Eindruck gehabt, dass die Angreifer sie töten wollten. Diese Einschätzung stammt von den Opfern; ein öffentlich zugänglicher mongolischer Ermittlungsbericht, der Absicht und genauen Ablauf abschließend bestätigt, liegt bislang nicht vor.
Flucht ohne Gepäck und mit gebrochenem Kiefer
Die drei israelischen Männer, allesamt ehemalige Kampfsoldaten, sollen sich den Angreifern entgegengestellt haben, damit die gesamte Gruppe fliehen konnte. Ein Mitglied der Reisegruppe zerbrach nach Amits Darstellung eine Glasflasche auf einem Angreifer, ein anderer nahm ein Messer zur Selbstverteidigung an sich. Danach gelang ihnen die Flucht.
Amit erlitt einen Kieferbruch. Ein weiterer Reisender blutete. Telefone, ein Satellitentelefon, Campingausrüstung und zunächst auch die Reisepässe blieben am Platz zurück. Über die Reiseagentur konnten die Israelis später ihren Fahrer erreichen, der ihnen zumindest einen Teil der zurückgelassenen Gegenstände brachte. Erst nachdem sie überprüft hatten, dass die Pässe und andere unverzichtbare Dokumente wieder vorhanden waren, konnten sie die Fahrt fortsetzen.
Die Suche nach medizinischer Hilfe zeigte, wie schutzlos sich Reisende in abgelegenen Regionen befinden können. Nach Amits Bericht fuhr die Gruppe zunächst zu einem vermeintlichen Krankenhaus in der nächsten Stadt. Das Gebäude sei jedoch verlassen gewesen. Erst in einer weiteren Klinik wurde der Kieferbruch diagnostiziert. Anschließend nahmen die Israelis Kontakt mit der israelischen Botschaft in Peking auf, die auch für die Mongolei zuständig ist. Ihnen wurde geraten, das Land möglichst schnell zu verlassen. Es folgte eine etwa 14-stündige Fahrt zum Flughafen.
Die mongolischen Behörden boten den Betroffenen nach Medienberichten an, Anzeige zu erstatten. Die Israelis verzichteten darauf, offenbar weil sie das Land rasch verlassen wollten. Mongolische Stellen verurteilten den Angriff. Wie intensiv nach den mutmaßlichen Tätern gesucht wird, ob Verdächtige identifiziert wurden und welche strafrechtlichen Schritte eingeleitet wurden, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Gerade der Verzicht auf eine Anzeige kann Ermittlungen erschweren. Den Opfern daraus einen Vorwurf zu machen, wäre dennoch verfehlt. Sie befanden sich verletzt in einem fremden Land, weit entfernt von einer israelischen Vertretung und ohne sichere medizinische Versorgung. Ihr vorrangiges Ziel war erkennbar, die Gruppe in Sicherheit zu bringen.
Der Hitlergruß lässt am Motiv kaum Zweifel
Die genaue Herkunft und Zugehörigkeit der Angreifer ist noch nicht unabhängig bestätigt. Das israelische Diasporaministerium und mehrere Medienberichte sprechen von Angehörigen der kasachischen muslimischen Minderheit in der Mongolei. Diese Angabe beruht offenbar auf Informationen der Betroffenen und ihrer Reiseagentur. Sie rechtfertigt keinerlei Verallgemeinerung gegenüber Kasachen, Muslimen oder der Bevölkerung der Mongolei. Verantwortlich sind die konkreten Täter, nicht eine ethnische oder religiöse Gruppe.
Am antisemitischen Charakter des geschilderten Angriffs bestehen jedoch kaum vernünftige Zweifel, sofern die Zeugenaussagen zutreffen. Die Angreifer sollen auf die hebräische Sprache reagiert und mehrfach „Heil Hitler“ gerufen haben. Das ist keine beliebige Beleidigung und kein Ausdruck eines zufälligen Streits auf einem Campingplatz. Der Ruf verherrlicht den Diktator, unter dessen Herrschaft sechs Millionen Juden ermordet wurden, und richtete sich hier offenbar gezielt gegen Israelis.
Die Betroffenen hatten zuvor nach eigener Aussage keine besondere Feindseligkeit erlebt. Viele Menschen, denen sie begegneten, hätten kaum etwas über Israel gewusst und neugierig nachgefragt. Gerade deshalb traf sie der Angriff unvorbereitet. Die Mongolei gilt für israelische Reisende im Allgemeinen als freundliches und vergleichsweise sicheres Ziel. Auch Ynet bezeichnete den Vorfall als ungewöhnlich.
Das macht die Tat nicht weniger ernst. AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen benötigt keine große organisierte Bewegung, um Menschen in Lebensgefahr zu bringen. Es genügen einige Täter, Waffen, Alkohol und die Überzeugung, Israelis seien ein erlaubtes Ziel. Für die Angegriffenen spielt es in diesem Augenblick keine Rolle, ob der Hass in der Mehrheitsgesellschaft verbreitet ist oder von einer kleinen Gruppe ausgeht.
Der Vorfall folgt nur wenige Tage nach einem schweren Angriff auf israelische Reisende in Budva in Montenegro. Dort berichteten Betroffene, von mehr als zehn jungen Männern beschimpft, getreten und mit Stühlen beworfen worden zu sein. Auch dort erlitt ein Israeli einen Kieferbruch, ein weiterer verlor zeitweise das Bewusstsein. Eine Verbindung zwischen beiden Taten gibt es nicht. Die zeitliche Nähe zeigt jedoch, wie verletzlich Israelis inzwischen auch auf gewöhnlichen Urlaubsreisen geworden sind.
Israelische Reisende sollen nicht gezwungen sein, ihre Sprache zu verbergen, Herkunftsgeschichten zu erfinden oder ständig mögliche Fluchtwege zu prüfen. Doch die Wirklichkeit verlangt zunehmend besondere Wachsamkeit. Abgelegene Reiseziele bieten Freiheit und Ruhe, zugleich aber oft keine schnelle Polizei, keine erreichbare Klinik und kaum Mobilfunkempfang.
Der Angriff in der Mongolei darf deshalb weder als gewöhnliche Schlägerei noch als unbedeutender Einzelfall abgetan werden. Sechs Menschen wurden nach ihrer Darstellung wegen ihrer israelischen Identität mit Äxten und Messern verfolgt. Dass sie entkommen konnten, lag nicht an staatlichem Schutz, sondern an ihrer eigenen Gegenwehr und Flucht.
Nun liegt es an den mongolischen Behörden, die Täter zu finden und deutlich zu machen, dass der Hitlergruß nicht der Auftakt zu einem folgenlosen Jagdausflug auf Juden und Israelis sein darf.
Autor: Redaktion
Dienstag, 21 Juli 2026