Entführungen, Terror, tödliche Rituale: USA verschärfen Warnhinweise für Peru

Entführungen, Terror, tödliche Rituale: USA verschärfen Warnhinweise für Peru


Peru bleibt insgesamt auf US Warnstufe 2, doch für mehrere Regionen gilt inzwischen die höchste Stufe. Washington warnt vor bewaffneten Überfällen, Blitzentführungen und Todesfällen nach Ayahuasca und Kambô. Die berühmtesten Reiseziele sind ausdrücklich nicht betroffen.

Entführungen, Terror, tödliche Rituale: USA verschärfen Warnhinweise für Peru
Bildnachweis: Pixabay

Peru gehört mit Machu Picchu, Cusco und dem Heiligen Tal zu den bekanntesten Reisezielen Südamerikas. Eine am 4. September aktualisierte Reisewarnung des US Außenministeriums zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Sicherheitslage innerhalb des Landes inzwischen bewertet wird. Für Peru insgesamt bleibt es bei Stufe 2, Reisende sollen erhöhte Vorsicht walten lassen. Für mehrere Gebiete gilt dagegen Stufe 4: nicht reisen. Als Risiken nennt Washington Kriminalität, Unruhen, Entführungen und Terrorismus.

Die Warnungen sind konkret. Raubüberfälle, bewaffnete Autodiebstähle und andere Gewalttaten können nach Angaben des State Department auch am helllichten Tag und vor zahlreichen Zeugen geschehen. Hinzu kommen sogenannte Blitzentführungen. Opfer werden festgehalten und gezwungen, Bargeld von ihren Konten abzuheben. Nachts steigt das Risiko. Außerhalb Limas errichten kriminelle Gruppen teilweise Straßensperren, um Reisende auszurauben.

Auch Kanada und Australien warnen unabhängig voneinander vor solchen Entführungen. Die kanadischen Behörden beschreiben Fälle, bei denen Touristen für mehrere Stunden verschleppt und zu Geldabhebungen gezwungen wurden. Australien weist ebenfalls auf organisierte Kriminalität und ein erhöhtes Risiko gewaltsamer Straftaten hin.

Wo Washington ausdrücklich von Reisen abrät

Die höchste amerikanische Warnstufe gilt für den Grenzraum zwischen Peru und Kolumbien in der Region Loreto. Dort ist die staatliche Sicherheitspräsenz begrenzt. US Regierungsmitarbeiter benötigen für Reisen innerhalb von 20 Kilometern zur Grenze eine besondere Genehmigung und dürfen den Putumayo nicht benutzen.

Noch deutlicher fällt die Warnung für das VRAEM aus, das Tal der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro. Dazu gehört auch Vilcabamba. Washington nennt Kriminalität und terroristische Bedrohungen als Gründe. Reste der Terrororganisation Sendero Luminoso, Leuchtender Pfad, sind dort weiterhin aktiv und greifen nach amerikanischen Angaben vor allem staatliche Einrichtungen und Sicherheitskräfte an. Großbritannien und Kanada warnen ebenfalls vor Reisen in dieses Gebiet.

Auch Abancay, Ayacucho, Huancavelica und Huancayo stehen auf der amerikanischen Liste der Gebiete, in die nicht gereist werden soll. Schlechte Infrastruktur, begrenzte Möglichkeiten der Sicherheitsbehörden und die Nähe zu Gebieten mit terroristischer Aktivität erhöhen das Risiko.

Für Urlauber ist zugleich wichtig, was die Warnung nicht bedeutet. Die Stadt Cusco, das Heilige Tal, der Inka Trail und Machu Picchu liegen nach ausdrücklicher Feststellung des US Außenministeriums nicht in den Gebieten der Warnstufe 4. Eine pauschale Aussage, Peru sei für Touristen nicht mehr bereisbar, wäre deshalb falsch.

Auch das deutsche Auswärtige Amt weist allerdings auf erhebliche Sicherheitsprobleme hin. Im VRAEM und in Grenzregionen zu Kolumbien und Brasilien bestehen wegen des Kampfes gegen den Drogenhandel teilweise Ausnahmezustände. Trotz weitreichender Befugnisse von Polizei und Militär kommt es dort weiterhin zu bewaffneten Angriffen auf Sicherheitskräfte und staatliche Einrichtungen.

Für israelische Reisende fällt die Bewertung differenzierter aus. Nach der vom israelischen Nationalen Sicherheitsrat verwendeten gemischten Einstufung gilt für den überwiegenden Teil Perus keine besondere Reisewarnung und es werden normale Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. Für das VRAEM und Gebiete entlang der Grenze zu Kolumbien gilt dagegen Stufe 3. Nicht notwendige Reisen sollen dort vermieden werden.

Wenn das vermeintliche spirituelle Erlebnis lebensgefährlich wird

Der ungewöhnlichste Teil der amerikanischen Warnung betrifft nicht Kriminalität oder Terrorismus, sondern eine wachsende Form des Tourismus. Peru zieht Besucher an, die an sogenannten spirituellen Zeremonien mit Ayahuasca oder Kambô teilnehmen.

Das State Department rät seinen Bürgern ausdrücklich davon ab.

Ayahuasca ist ein psychoaktives Gebräu, das häufig als traditionelles oder spirituelles Ritual vermarktet wird. Kambô wird aus dem Hautsekret eines südamerikanischen Frosches gewonnen. Entsprechende Zentren befinden sich auch in touristisch stark frequentierten Regionen wie Cusco sowie in Iquitos, Tarapoto und Pucallpa.

Die amerikanischen Behörden berichten von schweren Erkrankungen und Todesfällen nach dem Konsum. Zudem seien Menschen während des Rausches sexuell angegriffen, verletzt oder beraubt worden. Besonders problematisch ist, dass viele solcher Zeremonien in abgelegenen Regionen stattfinden, weit entfernt von moderner medizinischer Versorgung. Nach Angaben des State Department reguliert die peruanische Regierung Anbieter solcher Ayahuasca und Kambô Angebote nicht.

Großbritannien bestätigt das Problem. Die britischen Reisehinweise berichten ebenfalls von schweren Erkrankungen, Todesfällen und sexuellen Übergriffen im Zusammenhang mit sogenannten spirituellen Reinigungszeremonien. Australien nennt zusätzlich schwere Überfälle, Raub und Todesfälle im Zusammenhang mit dem wachsenden Ayahuasca Tourismus.

Washington warnt außerdem vor Kokaprodukten wie Tee oder Süßigkeiten, die Touristen häufig gegen Beschwerden durch die große Höhe angeboten werden. Die Stoffe können nach US Angaben mit Medikamenten reagieren und gelten in den Vereinigten Staaten als kontrollierte Substanzen.

Die aktualisierte Warnung vom 4. September bedeutet damit nicht, dass Peru plötzlich insgesamt zum Hochrisikoland geworden ist. Die nationale Einstufung wurde ausdrücklich nicht erhöht. Neu gefasst und präzisiert wurden vielmehr die Gefahrenhinweise. Das US Außenministerium selbst hält fest, dass die allgemeine Warnstufe unverändert blieb.

Gerade darin liegt der praktische Nachrichtenwert: Zwischen einem Besuch in Machu Picchu und einer Reise durch das VRAEM liegen sicherheitspolitisch Welten. Während Millionen Touristen weiterhin die klassischen Routen nutzen können, gibt es Regionen, für die Washington inzwischen unmissverständlich sagt: nicht hinfahren.

Und bei Ayahuasca endet die Warnung nicht bei schlechtem Geschmack oder einem misslungenen Urlaubserlebnis.

Die amerikanischen Behörden sprechen von schweren Erkrankungen, Übergriffen und Todesfällen.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 10 September 2026

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