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Jüdischer CBC-Journalist filmt Hass vor Jom-Kippur-Gebet danach wird er vom Sender genommen

Jüdischer CBC-Journalist filmt Hass vor Jom-Kippur-Gebet danach wird er vom Sender genommen


Neil Herland dokumentierte, wie Demonstranten jüdische Besucher beschimpften und einschüchterten. Kurz darauf wurde der erfahrene CBC-Journalist laut kanadischen Medien vom Sender genommen und zu einem Disziplinargespräch geladen. Ausgerechnet ein alter CBC-Fall wirft nun die Frage nach zweierlei Maß auf.

Jüdischer CBC-Journalist filmt Hass vor Jom-Kippur-Gebet danach wird er vom Sender genommen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Neil Herland tat zunächst etwas ausgesprochen Journalistisches: Er zog sein Telefon heraus und filmte, was vor ihm geschah. Der Unterschied war, dass der erfahrene Nachrichtenmann des kanadischen öffentlich-rechtlichen Senders CBC diesmal selbst betroffen war. Am Abend von Jom Kippur wollte der jüdische Journalist einen Gottesdienst der Gemeinde The Song Shul im Meridian Arts Centre in Toronto besuchen. Vor dem Gebäude warteten rund 20 pro-palästinensische Demonstranten.

Auf Herlands Aufnahmen sind Palästinenserflaggen und Megafone zu sehen und zu hören. Ein Demonstrant ruft ihm mehrfach entgegen, er werde „zur Hölle fahren“. Andere rufen „ZionistZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen alert“, „Babymörder“ und „alle Zionisten sind Rassisten“. Nach Angaben der Gemeinde fühlten sich Besucher derart eingeschüchtert, dass einige in ihren Autos blieben und schließlich nach Hause fuhren, statt am Jom-Kippur-Gottesdienst teilzunehmen.

Herland veröffentlichte das Video auf seinem privaten X-Konto. Er schrieb, er sei Journalist und Jude und habe Demonstranten erlebt, die versucht hätten, ihn einzuschüchtern und vom Betreten des Gebäudes abzuhalten. Außerdem schilderte er seine Sorge um jüdisches Leben in Kanada. Sein Vater habe als österreichischer Jude den HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen in Rumänien überlebt und sei als Flüchtling nach Kanada gekommen. Herland schrieb, er habe sich inzwischen vorsorglich einen österreichischen Pass besorgt, falls Kanada für ihn als Juden unsicher werde.

Dann wurde offenbar nicht die Demonstration zum Problem für CBC, sondern Herlands Reaktion darauf.

Beschwerde gegen den Journalisten, Schweigen beim Sender

Nach Berichten kanadischer Medien nahm CBC den seit rund drei Jahrzehnten tätigen Journalisten vorläufig aus dem Programm. Am Donnerstag soll ein Disziplinargespräch mit Herland und seinem Anwalt stattgefunden haben. CBC bestätigt bislang weder öffentlich die konkreten Vorwürfe noch den Anlass. Sprecher Chuck Thompson erklärte lediglich, Personalangelegenheiten würden aus Gründen des Datenschutzes nicht kommentiert. Zugleich sagte er, einige Medienberichte enthielten Fehler und falsche Darstellungen, wollte aber auch diese nicht konkret benennen.

Fest steht dagegen, dass Canadians for Justice and Peace in the Middle East, CJPME, eine formelle Beschwerde gegen Herland einreichte und eine Kampagne gegen seine Beiträge organisierte. Die Gruppe wirft ihm vor, die Demonstration irreführend als Einschüchterung jüdischer Gottesdienstbesucher dargestellt und wesentlichen KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen verschwiegen zu haben.

Dieser Kontext lautet: Bei der Veranstaltung sprach auch Mark Regev, früher israelischer Botschafter in Großbritannien und ehemaliger Berater israelischer Ministerpräsidenten. Die Protestierenden hätten sich deshalb gegen Regev und israelische Politik gerichtet.

Das erklärt, warum demonstriert wurde. Es erklärt allerdings nicht, weshalb Besucher eines Jom-Kippur-Gottesdienstes mit „Babymörder“, „Zionist alert“ oder der Aufforderung, zur Hölle zu fahren, begrüßt werden mussten. Noch weniger beantwortet es die Frage, warum ein Journalist seine eigene Erfahrung nicht dokumentieren dürfen soll.

CJPME fordert ausdrücklich, Herland müsse seinen Thread löschen, seine Darstellung zurücknehmen und sich künftig strikt an die Social-Media-Regeln von CBC halten.

CBC hat tatsächlich Regeln, nach denen Journalisten auf öffentlichen Social-Media-Konten bei kontroversen politischen Fragen keine persönlichen Positionen vertreten sollen. Ob Herlands Beschreibung dessen, was ihm persönlich widerfuhr, bereits eine solche unzulässige Positionierung darstellt, ist jedoch genau der Punkt, über den nun gestritten wird.

Bei muslimischer „Lebenserfahrung“ war CBC großzügiger

Besonders unangenehm wird der Fall durch einen Präzedenzfall aus dem eigenen Haus.

Nach der Ermordung einer muslimischen Familie im kanadischen London im Jahr 2021 äußerte sich CBC-Journalistin Ginella Massa in einer landesweiten Sendung ausführlich über ihre persönlichen Erfahrungen als muslimische Frau und die Ängste muslimischer Kanadier. Dagegen wurde Beschwerde eingelegt, weil Journalisten nach den CBC-Regeln eigentlich keine persönlichen politischen Positionen vertreten sollen.

Der damalige CBC-Ombudsmann Jack Nagler kam 2022 jedoch zu einem bemerkenswerten Ergebnis. Massas persönliche Erfahrungen seien keine unzulässige Parteinahme gewesen. Journalistische Erkenntnis könne ausdrücklich auch aus der eigenen „lived experience“, der persönlichen Lebenserfahrung, entstehen. Die Zugehörigkeit zu einer betroffenen Gemeinschaft könne die Berichterstattung sogar vertiefen. Ein Verstoß gegen journalistische Standards liege nicht vor.

Genau deshalb stellt sich heute eine einfache Frage:Warum darf die persönliche Erfahrung einer muslimischen Journalistin journalistisch wertvoll sein, während die persönliche Erfahrung eines jüdischen Journalisten offenbar ein Disziplinarverfahren auslösen kann?

Es gibt Unterschiede zwischen beiden Fällen, und CBC hat Herlands Verfahren bislang nicht öffentlich erläutert. Deshalb wäre es voreilig, abschließend von bewusster Diskriminierung zu sprechen. Aber gerade ein öffentlich-rechtlicher Sender müsste erklären können, nach welchem einheitlichen Maßstab er entscheidet.

Denn Herland erfand die Demonstranten nicht. Er erfand auch die Beschimpfungen nicht. Das Video existiert. Die Gemeinde bestätigt die Einschüchterung ihrer Besucher. CJPME bestätigt wiederum selbst, dass es eine Kampagne und eine formelle Beschwerde gegen ihn gestartet hat.

Und während über journalistische Neutralität diskutiert wird, bleibt ein merkwürdiges Bild zurück: Am höchsten jüdischen Feiertag müssen Menschen an Demonstranten vorbei zum Gebet, werden als „Babymörder“ beschimpft und von Megafonen angeschrien.

Der Journalist, der es zeigt, muss sich anschließend erklären.




Autor: Redaktion
Montag, 28 September 2026

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