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Albanese scheitert schon am Begriff Antisemitismus und der Druck auf ihr UN-Mandat wächst

Albanese scheitert schon am Begriff Antisemitismus und der Druck auf ihr UN-Mandat wächst


Francesca Albanese erhebt seit Jahren schwerste Vorwürfe gegen Israel. Nun musste die UN-Sonderberichterstatterin einräumen, selbst einen Grundbegriff der Geschichte des Judenhasses falsch verstanden zu haben.

Albanese scheitert schon am Begriff Antisemitismus und der Druck auf ihr UN-Mandat wächst
Bildnachweis: Fotografía oficial de la Presidencia de Colombia / Quelle

Francesca Albanese spricht mit großer Sicherheit über Genozid, Apartheid, Kolonialismus und israelische Verbrechen. Sie beschuldigt einen Staat, internationale Institutionen, Unternehmen und Politiker mit Begriffen, die historisch und juristisch kaum schwerer wiegen könnten. Umso bemerkenswerter ist, woran die UN-Sonderberichterstatterin nun gescheitert ist: an der Bedeutung des Wortes AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen und an einem bekannten Begriff aus der Geschichte der KonzentrationslagerShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen.

Albanese erklärte in einem Interview, Antisemitismus habe ursprünglich nicht speziell Judenfeindschaft bezeichnet, sondern allgemein die Ablehnung „semitischer Völker“. Als vermeintlichen Beleg führte sie ausgerechnet die Konzentrationslager der Nationalsozialisten an. Juden seien dort auf dem Weg in die Gaskammern als „Muslime“ bezeichnet worden, behauptete sie. Daraus konstruierte sie eine Verbindung zwischen Juden, Muslimen und einem vermeintlich ursprünglich breiteren Antisemitismusbegriff.

Das Problem: Es stimmt nicht.

Am 28. September musste Albanese ihre Darstellung öffentlich zurücknehmen. Sie habe den Lagerbegriff „Muselmann“ falsch verstanden, erklärte sie, und daraus irrtümlich geschlossen, Antisemitismus habe ursprünglich Hass gegen alle sogenannten semitischen Völker bezeichnet. Tatsächlich sei der Begriff speziell für Judenhass geprägt worden. Sie entschuldigte sich.

Damit ist der Fehler korrigiert. Er ist deshalb aber nicht bedeutungslos.

Das Auschwitz-Birkenau-Museum erklärt den Begriff „Muselmann“ eindeutig: So wurden in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern Häftlinge bezeichnet, die durch Hunger, Krankheit und völlige körperliche Auszehrung dem Tod nahe waren. Der Ausdruck bezeichnete keine ethnische oder religiöse Gruppe und schon gar nicht eine angebliche Gleichsetzung von Juden und Muslimen. Seine genaue Herkunft ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Auch bei „Antisemitismus“ ist die historische Lage eindeutig. Die International Holocaust Remembrance Alliance verweist darauf, dass Wilhelm Marr den Begriff 1879 für antijüdische Kampagnen prägte. Seit seiner Entstehung bezeichnete er Feindschaft gegen Juden. Dass Arabisch und Hebräisch zu den semitischen Sprachen gehören, macht aus Antisemitismus keine Sammelbezeichnung für Feindschaft gegen alle Menschen aus dem Nahen Osten.

Wer solche Begriffe öffentlich erklärt, sollte das wissen.

Wer als UN-Sonderberichterstatterin mit historischem und völkerrechtlichem Anspruch auftritt, muss es wissen.

Ein Fehler, der zu Albaneses bisheriger Rolle nicht passt

Bei irgendeinem Kommentator wäre diese Episode vielleicht mit der Entschuldigung erledigt. Bei Francesca Albanese liegt der Fall anders. Ihre gesamte öffentliche Rolle beruht darauf, Geschichte, Recht und politische Begriffe mit größtmöglicher Autorität gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen einzusetzen.

haOlam hat in den vergangenen Monaten mehrfach über dieses Muster berichtet. Albanese machte aus GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Flottillen „Apartheid ohne Grenzen“, obwohl die rechtliche Bewertung maritimer Blockaden erheblich komplizierter ist als ihre politische Formel. Im September stellte sie israelische Räumarbeiten in Gaza unter den Verdacht möglicher Beweisvernichtung, konnte für zentrale Behauptungen gegenüber Reuters jedoch keine konkreten Belege nennen. Die USA haben sie wegen ihres Vorgehens gegen amerikanische und israelische Akteure im Zusammenhang mit dem Internationalen Strafgerichtshof sanktioniert.

Kritik an Israel ist selbstverständlich legitim. Auch eine UN-Sonderberichterstatterin darf zu harten Ergebnissen kommen. Aber wer anderen ständig historische Verbrechen und schwerste Rechtsbrüche vorwirft, kann für die eigenen Tatsachen keinen niedrigeren Maßstab verlangen.

Genau deshalb ist dieser Vorgang mehr als ein peinlicher Versprecher.

Albanese hat nicht einen Namen verwechselt oder eine Jahreszahl falsch erinnert. Sie baute aus einem falsch verstandenen Begriff aus der Welt der Konzentrationslager eine ganze historische Erklärung des Antisemitismus. Ausgerechnet bei einem Thema, das für die Bewertung von Judenhass und IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen zentral ist.

Yad Vashem widersprach ihrer Darstellung deshalb scharf. Der Begriff „Muselmann“ habe sowohl jüdische als auch nichtjüdische Häftlinge in einem Zustand extremer Auszehrung bezeichnet. Albaneses Verwendung verfälsche die historische Bedeutung.

Das muss man sich vor Augen halten: Eine UN-Expertin, die regelmäßig erklärt, wie Israel, Juden und Antisemitismus international einzuordnen seien, musste sich von Institutionen der Holocaust-Erinnerung erklären lassen, was ein grundlegender Lagerbegriff tatsächlich bedeutete.

Ihre Entschuldigung war richtig.

Die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit verschwindet damit nicht.

Der Streit um ihr Mandat war längst da

Albanese steht nicht erst seit diesem Wochenende unter Druck. Frankreich, Deutschland und weitere europäische Staaten hatten bereits Anfang 2026 Forderungen nach ihrem Rücktritt beziehungsweise ihrer Ablösung unterstützt. Hintergrund waren mehrere Kontroversen um ihre Sprache über Israel und Antisemitismus. Albanese wies die Vorwürfe zurück und erklärte, ihre Aussagen würden verzerrt oder politisch gegen sie eingesetzt.

Bei einem Teil dieser damaligen Auseinandersetzung ist tatsächlich Vorsicht notwendig: Ein Video, das ihr die Formulierung zuschrieb, Israel sei der „Feind der Menschheit“, erwies sich in dieser Form als manipuliert. Unterstützer Albaneses werfen ihren Kritikern deshalb seit Monaten eine Kampagne vor. Amnesty International stellte sich öffentlich hinter sie und forderte europäische Regierungen auf, ihre Rücktrittsforderungen zurückzunehmen.

Der jetzige Fall ist anders.

Hier gibt es kein manipuliertes Video und keine umstrittene Übersetzung.

Albanese selbst hat den Fehler eingeräumt.

Das macht ihn politisch relevant. Nicht weil ein einzelner Irrtum automatisch über ein gesamtes Mandat entscheidet, sondern weil er eine bereits bestehende Debatte verschärft: Wie viel fachliche Präzision darf man von einer Person verlangen, die im Namen eines UN-Mandats Israel mit den schwersten Begriffen des internationalen Rechts konfrontiert?

Mindestens sehr viel.

Die Vereinten Nationen verleihen ihren Sonderberichterstattern erhebliche internationale Sichtbarkeit. Ihre Aussagen werden weltweit zitiert, von Aktivisten aufgegriffen, von Regierungen kommentiert und von Medien als Expertenurteile behandelt. Wer diese Autorität besitzt, trägt auch Verantwortung dafür, Geschichte nicht passend zu einer politischen These umzubauen.

Gerade beim Antisemitismus ist das entscheidend. Seit Jahren wird versucht, Judenhass begrifflich zu verwässern: Araber seien ebenfalls „Semiten“, deshalb könnten sie nicht antisemitisch sein; Antizionismus habe grundsätzlich nichts mit Antisemitismus zu tun; historische Begriffe würden angeblich absichtlich auf Juden verengt. Albaneses falsche Erklärung bewegte sich genau in diesem bekannten Argumentationsraum.

Nun hat sie selbst eingeräumt: Antisemitismus wurde als Begriff für Judenhass geprägt.

Damit bleibt am Ende eine unbequeme Frage stehen. Francesca Albanese erwartet von der Welt, ihre historischen und juristischen Anklagen gegen Israel ernst zu nehmen. Dann muss sie akzeptieren, dass die Welt auch ihre eigenen historischen und juristischen Grundlagen ernsthaft überprüft.

Wer Genozid sagt, muss wissen, was Genozid bedeutet.

Wer Apartheid sagt, muss wissen, was Apartheid bedeutet.

Und wer über Antisemitismus spricht, sollte wenigstens wissen, wen dieser Begriff seit seiner Entstehung bezeichnet.

Francesca Albanese wusste es offenbar nicht.

Dass sie den Fehler eingestanden hat, spricht für die Korrektur.

Dass dieser Fehler einer UN-Sonderberichterstatterin überhaupt unterlaufen konnte, wird die Forderungen nach Konsequenzen kaum verstummen lassen.




Autor: Samuel Benning
Montag, 28 September 2026

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