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7. Oktober weltweit: Gewalt, Festnahmen und „Ruhm den Märtyrern“

7. Oktober weltweit: Gewalt, Festnahmen und „Ruhm den Märtyrern“


Während Israelis und jüdische Gemeinden der Opfer des Hamas-Massakers gedachten, nutzten antiisraelische Gruppen den 7. Oktober für Proteste und „Widerstands“-Parolen. In Paris kam es zu einem Angriff, in Melbourne zu Zusammenstößen und in London zu zahlreichen Festnahmen.

7. Oktober weltweit: Gewalt, Festnahmen und „Ruhm den Märtyrern“
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der dritte Jahrestag des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers ist am Mittwoch weltweit nicht nur zu einem Tag des Gedenkens geworden. Antiisraelische und propalästinensische Gruppen nutzten ausgerechnet den 7. Oktober für Demonstrationen, Blockaden und politische Kampagnen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Teilweise ging die verwendete Sprache weit über Kritik an der israelischen Regierung oder Solidarität mit palästinensischen Zivilisten hinaus.

In Paris wurde einer Frau eine israelische Flagge entrissen und sie als „Nazi“ beschimpft. In Melbourne kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen rund um eine propalästinensische Kundgebung. In London nahm die Polizei elf Menschen fest, fünf von ihnen wegen des Verdachts der Aufstachelung zu rassistischem Hass. In New York mobilisierten Gruppen unter der Parole „Ruhm den Märtyrern, Sieg dem Widerstand“.

Der 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen war der Tag, an dem Hamas und weitere Terroristen aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen nach Israel eindrangen, rund 1.200 Menschen ermordeten und 251 Menschen verschleppten. Drei Jahre später wurde dieses Datum von Teilen der internationalen antiisraelischen Szene nicht als Jahrestag eines Terrorangriffs behandelt, sondern als Bezugspunkt für den eigenen politischen „Widerstand“.

Genau darin liegt die besondere Provokation.

haOlam hatte bereits vor dem Jahrestag über mindestens 75 angekündigte antiisraelische Veranstaltungen berichtet, darunter 14 in Deutschland. Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, dass die Wahl dieses Datums keineswegs überall nur zufälliger Ausdruck der Solidarität mit den Palästinensern war. In mehreren Mobilisierungsaufrufen wurden Begriffe und Symbole verwendet, die die Täter des 7. Oktober ausblenden oder den Terrorangriff sogar in eine Erzählung des legitimen „Widerstands“ einordnen.

Israel hatte seine Bürger im Ausland deshalb zu besonderer Vorsicht aufgerufen und empfohlen, Protestorte und mögliche Konfrontationspunkte zu meiden.

Angriff in Paris, Sinwar-Verherrlichung in Melbourne

In Paris hatte die Polizeipräfektur bereits am Dienstag eine für den 7. Oktober geplante Demonstration des Kollektivs Urgence Palestine im 18. Arrondissement verboten.

Polizeipräfekt Patrice Faure verwies auf die besondere Bedeutung des Datums, die weiterhin hohe terroristische Bedrohung und die stark gestiegene Zahl antisemitischer Vorfälle in Frankreich. Die angekündigte Demonstration könne eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen.

Davon getrennt ereignete sich am Mittwoch ein dokumentierter Vorfall vor der Pariser Elitehochschule Sciences Po.

Dort blockierten Studenten im Rahmen der französischen Schüler- und Studentenproteste den Zugang zur Hochschule. Unter den Demonstranten waren palästinensische Fahnen zu sehen. Eine Frau trat mit einer israelischen Flagge vor die Absperrung.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein maskierter Mann über die Barrikade steigt, auf die Frau zugeht und ihr die israelische Fahne entreißt. Dabei beschimpfte er sie unter anderem als „Nazi“ und warf ihr einen „Genozid“ vor.

Die Frau verwies anschließend ausdrücklich darauf, dass sich der Vorfall am 7. Oktober ereignete.

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Blockade vor Sciences Po war nicht die von der Polizei verbotene Urgence-Palestine-Demonstration. Der Angriff auf die Frau und die Beschimpfungen sind dennoch dokumentiert und zeigen, wie aggressiv die Atmosphäre am Jahrestag teilweise war.

Auch in Melbourne prallten Gedenken und antiisraelischer Protest unmittelbar aufeinander.

Während rund tausend Menschen bei einer jüdischen Gedenkveranstaltung an die Ermordeten des 7. Oktober erinnerten, fand an der State Library of Victoria eine propalästinensische Kundgebung statt.

Nach australischen Medienberichten kam es dort zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Die Polizei musste die Gruppen voneinander trennen. Während der Konfrontationen wurde auch eine Glasflasche geworfen, die nach Berichten eine Frau mit Kind nur knapp verfehlte.

Besonders bezeichnend war ein weiteres Detail: Auf der propalästinensischen Veranstaltung wurde ein Bild des früheren Hamas-Chefs Yahya Sinwar gezeigt. Ein Teilnehmer bezeichnete ihn nach australischen Medienberichten als „Helden“.

Sinwar war einer der führenden Köpfe der Hamas und gilt als einer der maßgeblichen Planer des Massakers vom 7. Oktober 2023.

Wer an genau diesem Jahrestag Sinwar als Helden präsentiert, betreibt keine bloße Kritik an israelischer Politik. Er verherrlicht einen führenden Vertreter jener Terrororganisation, deren Angriff an diesem Tag betrauert wurde.

London: Elf Festnahmen am Jahrestag

Auch in London hatte die Metropolitan Police bereits im Vorfeld außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen angekündigt.

Mehr als 600 Polizeibeamte sollten rund um Gedenkveranstaltungen und propalästinensische Demonstrationen eingesetzt werden. Die Polizei hatte die Organisatoren einer Studentenveranstaltung zuvor ausdrücklich aufgefordert, ihre Demonstration auf einen anderen Tag zu verschieben.

Die Aufforderung blieb erfolglos.

Studentische Gruppen marschierten am Mittwoch durch die Londoner Innenstadt. Die Polizei hatte die Route und den zeitlichen Rahmen eingeschränkt und das Verbergen der Identität durch Gesichtsbedeckungen untersagt.

Im Verlauf des Tages wurden insgesamt elf Menschen festgenommen.

Fünf Personen nahm die Polizei bei einer spontanen Demonstration vor dem Board of Deputies of British Jews wegen des Verdachts der Aufstachelung zu rassistischem Hass fest. Nach Polizeiangaben ging es dabei um Parolen beziehungsweise Rufe zur „IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“.

Weitere Festnahmen erfolgten unter anderem wegen Verstößen gegen polizeiliche Auflagen und weil Demonstranten sich weigerten, ihre Gesichtsbedeckungen abzunehmen.

Damit bestätigten sich zumindest teilweise die Befürchtungen jüdischer Organisationen, die schon vor dem 7. Oktober davor gewarnt hatten, den Jahrestag für antiisraelische Protestaktionen zu benutzen.

Auch in New York war für den Jahrestag eine besonders provokante Mobilisierung angekündigt.

Rund zwei Dutzend antiisraelische Organisationen warben für eine Kundgebung vor dem Rathaus. Auf dem verbreiteten Plakat stand: „Glory to the martyrs, victory to the resistance“, auf Deutsch: „Ruhm den Märtyrern, Sieg dem Widerstand“.

Daneben war eine maskierte Figur mit Kufiya sowie ein umgedrehtes rotes Dreieck abgebildet. Das rote Dreieck ist durch Propagandavideos der Hamas international zu einem Symbol geworden, mit dem Ziele vor Angriffen markiert werden.

In einem weiteren Aufruf hieß es, der 7. Oktober markiere drei Jahre, seit „Widerstand gegen Imperialismus“ das Schicksal der Welt verändert habe.

Allein diese Wortwahl macht deutlich, worum es Teilen der Szene geht.

Der Hamas-Angriff wird sprachlich nicht als Massaker an israelischen Zivilisten behandelt, sondern als politischer Wendepunkt eines angeblich legitimen „Widerstands“.

Einige zunächst als Unterstützer genannte sozialistische Studentengruppen in New York distanzierten sich später von dem besonders radikalen Aufruf beziehungsweise entfernten ihre Unterstützung. Das ändert nichts daran, dass eine solche Botschaft am Jahrestag überhaupt verbreitet und von einem breiten Bündnis beworben wurde.

Der Versuch, den 7. Oktober umzudeuten

Die entscheidende Frage dieser Proteste ist nicht, ob Menschen gegen Israels Politik demonstrieren dürfen.

Selbstverständlich dürfen sie das.

Auch am 7. Oktober endet die Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht. Kritik an der israelischen Regierung, Forderungen nach einer anderen Gaza-Politik oder das Gedenken an palästinensische Zivilisten sind grundsätzlich legitime politische Positionen.

Etwas anderes ist es jedoch, den Jahrestag eines Terrorangriffs mit Parolen wie „Ruhm den Märtyrern“ oder „Sieg dem Widerstand“ zu besetzen, Yahya Sinwar als Helden darzustellen oder den Angriff vom 7. Oktober rückwirkend als Beginn eines legitimen Widerstands umzudeuten.

Dann geht es nicht mehr nur um Gaza.

Dann geht es um die Erinnerung an das Massaker selbst.

Die Combat Antisemitism Movement hatte bereits vor dem Jahrestag vor genau dieser Entwicklung gewarnt. Nach ihrer Auswertung versuchten zahlreiche studentische Gruppen in den USA, den 7. Oktober umzudeuten. Hamas, die Ermordeten und die Verschleppten verschwänden dabei teilweise vollständig aus der Erzählung, während Begriffe wie „Märtyrer“ und „Widerstand“ in den Mittelpunkt gerückt würden.

Auch Deutschland war am Mittwoch Teil dieser Entwicklung.

In Hamburg hatte der Verfassungsschutz vor der Teilnahme an einer Demonstration unter dem Titel „Drei Jahre Genozid“ gewarnt. Eine der mobilisierenden Gruppen, Thawra Hamburg, wird von der Behörde als extremistischer Verdachtsfall beobachtet.

In Berlin standen sich ebenfalls Gedenken und antiisraelischer Protest gegenüber. Während rund 1.700 Menschen auf dem Bebelplatz an die Opfer des Hamas-Massakers erinnerten, fanden andernorts Protestaktionen gegen Israel statt.

So entstand am 7. Oktober 2026 weltweit ein Bild, das kaum gegensätzlicher sein könnte.

Auf der einen Seite standen Angehörige, Überlebende und jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen mit Fotos der Ermordeten, Kerzen und israelischen Fahnen.

Auf der anderen Seite erschienen Sinwar-Bilder, „Märtyrer“-Parolen und Aufrufe zum „Widerstand“.

Genau deshalb löst die Wahl dieses Datums so viel Empörung aus.

Wer am Jahrestag des Hamas-Massakers ausgerechnet jene Begriffe verwendet, mit denen Terrororganisationen ihre Täter und Anschläge glorifizieren, kann sich nicht glaubhaft darauf zurückziehen, lediglich gegen eine israelische Regierung zu protestieren.

Der 7. Oktober ist kein unbeschriebenes Datum.

Am 7. Oktober 2023 wurden Menschen wegen ihrer israelischen oder jüdischen Identität und völlig unabhängig von ihrer politischen Haltung ermordet, vergewaltigt, gefoltert und verschleppt.

Drei Jahre später versuchen Teile der antiisraelischen Bewegung, aus diesem Tag einen eigenen internationalen Aktionstag zu machen.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit diese Umdeutung inzwischen reicht.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 08 Oktober 2026

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