Arabische Stimmen gegen die Hamas: „Juden wurden ermordet, weil sie Juden waren“Arabische Stimmen gegen die Hamas: „Juden wurden ermordet, weil sie Juden waren“
Zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers verurteilen arabische Journalisten und Intellektuelle die Terrorverbrechen vom 7. Oktober. Sie greifen auch jene an, die Morde, Vergewaltigungen und Entführungen als Widerstand rechtfertigen.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Drei Jahre nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 haben arabische Journalisten, Schriftsteller und Intellektuelle die Terrororganisation mit ungewöhnlicher Deutlichkeit angegriffen. Sie verurteilen nicht nur die Ermordung und Entführung israelischer Zivilisten, sondern rechnen auch mit jenen politischen und medialen Kräften ab, die das Massaker bis heute als legitimen palästinensischen Widerstand darstellen. Ihre Botschaft: Die Opfer wurden nicht ermordet, weil sie Soldaten oder politische Entscheidungsträger waren. Sie wurden angegriffen, weil sie Juden waren.
Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) hat mehrere entsprechende Beiträge zum dritten Jahrestag des Massakers dokumentiert. Sie stammen unter anderem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, dem Libanon, Kuwait, Irak, Algerien und von einem palästinensischen Journalisten.
Besonders eindringlich äußerte sich der emiratische Publizist Amjad Taha. Er erinnerte daran, dass am 7. Oktober jüdische Familien in ihren Häusern überfallen, Frauen vergewaltigt, Kinder entführt und Zivilisten ermordet wurden. Nichts davon könne durch eine politische Ideologie oder den Hinweis auf angeblichen Widerstand gerechtfertigt werden.
Taha wandte sich ausdrücklich an westliche Linke und Menschen, die sich selbst als Verteidiger der Gerechtigkeit verstehen. Seine Kritik richtete sich gegen eine politische Kultur, in der das Leid der jüdischen Opfer relativiert werde, während ihre Mörder als Widerstandskämpfer gefeiert würden.
Er erinnerte auch an die Reaktionen in London, Paris und Toronto. Während jüdische Familien nach ihren Angehörigen suchten und um Ermordete trauerten, hätten andere Menschen die Täter gefeiert.
Für Taha ist dieser Umgang mit dem Massaker ein moralisches Versagen. Wer Vergewaltigungen, die Ermordung von Kindern und Geiselnahmen durch politische Parolen rechtfertige, habe grundlegende menschliche Maßstäbe verloren.
Kritik an Hamas und ihren Verteidigern
Der libanesische Journalist Hussain Abdul-Hussain verglich das Massaker mit einem barbarischen Überfall aus vorislamischer Zeit. Bewaffnete Männer seien in Häuser und Schlafzimmer eingedrungen, hätten Familien ermordet, Menschen verschleppt und Gebäude in Brand gesetzt.
Abdul-Hussain widersprach ausdrücklich der Behauptung, der 7. Oktober habe den palästinensischen Freiheitswillen demonstriert. Aus seiner Sicht offenbarte der Angriff vielmehr das Versagen politischer und ideologischer Vorstellungen innerhalb der palästinensischen, arabischen und islamischen Welt.
Er stellte außerdem eine unbequeme Frage an die Hamas-Führung: Weshalb habe sie einen Angriff begonnen, dessen absehbare Folgen vor allem die Bevölkerung des Gazastreifens tragen musste?
Die Zerstörungen in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und die zahlreichen palästinensischen Todesopfer seien das Gegenteil jenes Erfolgs, den die Hamas mit ihrer Operation propagiert habe. Auch eine palästinensische Staatsgründung sei durch die Folgen des Massakers in weitere Ferne gerückt.
Ähnlich deutlich äußerte sich die ägyptische Schriftstellerin Dalia Ziada. Für sie war der 7. Oktober ein Versuch der Hamas und ihrer Unterstützer, die jahrtausendealte Geschichte des jüdischen Volkes gewaltsam zu beenden.
Dieser Versuch sei gescheitert, weil Juden heute über einen eigenen Staat verfügten, der sich verteidigen könne.
Ziada bezeichnete die Hamas ausdrücklich als Terrororganisation und den Überfall als nicht zu rechtfertigenden Terroranschlag. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen habe das Recht auf Selbstverteidigung. Sie vertrat außerdem die Auffassung, dass der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus nicht allein Israels Angelegenheit sei, sondern die gesamte Region betreffe.
Bemerkenswert ist ihre persönliche Erfahrung. Ziada berichtete, dass sie wegen ihrer öffentlichen Unterstützung Israels seit Oktober 2023 erheblichen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei. Dennoch halte sie an ihrer Position fest.
Auch der kuwaitische Publizist Jasem Al-Juraid setzte am Jahrestag ein öffentliches Zeichen. Er veröffentlichte ein Foto, auf dem er eine Gedenkkerze entzündete, bekundete seine Solidarität mit den israelischen Opfern und beendete seine Botschaft mit den Worten „Am Yisrael Chai“.
Diese Äußerungen widersprechen der häufig verbreiteten Vorstellung, die Verurteilung der Hamas und die Solidarität mit jüdischen Opfern seien ausschließlich Positionen israelischer oder westlicher Stimmen.
Scharfe Vorwürfe gegen arabische Medien
Besonders weit ging der irakische Journalist Sufian Al-Samarrai, Chefredakteur der Nachrichtenplattform Baghdad Post.
Er veröffentlichte mehrere Beiträge mit Aufnahmen der Hamas-Verbrechen und kritisierte arabische Fernsehsender dafür, dass sie seiner Darstellung zufolge entscheidende Bilder des Massakers nicht gezeigt hätten.
Al-Samarrai beschrieb die Hamas-Täter als dschihadistische Terrorgruppen und stellte ihre Verbindungen zu Iran, Katar und der Türkei in den Mittelpunkt seiner Kritik.
Dabei verwendete er drastische Formulierungen. Er warf den Terroristen vor, Familien in Fahrzeugen ermordet, Leichen misshandelt und ihre eigenen Verbrechen gefilmt zu haben. Seine Anklage richtete sich zugleich gegen jene, die solche Täter anschließend zu nationalen Helden erklärten.
Seine Aussagen sind eine politische Bewertung der genannten Staaten und Organisationen, keine eigenständigen Beweise für eine unmittelbare operative Beteiligung sämtlicher Genannter an den Verbrechen des 7. Oktober.
Der zentrale Vorwurf gegen die mediale Darstellung ist jedoch klar: Wer die Gräueltaten der Hamas verschweigt, aber deren Angriff als militärischen Triumph präsentiert, vermittelt seinem Publikum ein verzerrtes Bild.
Auch der algerische Publizist Anwar Malek kritisierte die anhaltende Selbstinszenierung der Hamas. Anlass war eine Erklärung ihres militärischen Sprechers, der den 7. Oktober erneut als außergewöhnlichen Erfolg der militärischen Planung gefeiert hatte.
Malek erinnerte daran, dass die Bevölkerung Gazas für diese angebliche Leistung einen katastrophalen Preis bezahlen musste.
Der palästinensische Journalist Ayman Khaled verurteilte seinerseits jene, die den 7. Oktober weiterhin als Sieg feiern. Er bezeichnete sie als Profiteure des Krieges und warf ihnen vor, aus dem Leiden anderer politischen Nutzen zu ziehen.
Damit kommt die Kritik nicht nur von arabischen Autoren außerhalb der palästinensischen Gesellschaft. Sie wird auch von einem palästinensischen Journalisten selbst formuliert.
Die Verherrlichung des Massakers ist Teil des Problems
Die dokumentierten Aussagen sind gerade deshalb bedeutsam, weil sie zwei Dinge gleichzeitig benennen: die Verbrechen an jüdischen Israelis und die Verantwortung der Hamas für die Folgen ihres Handelns im Gazastreifen.
Sie richten sich gegen die Behauptung, die gezielte Ermordung von Zivilisten werde dadurch legitim, dass ihre Täter sich auf nationale Befreiung berufen.
Dieser Unterschied muss unmissverständlich bleiben. Politische Forderungen können Gegenstand von Verhandlungen und öffentlicher Auseinandersetzung sein. Die Ermordung unbewaffneter Menschen, Vergewaltigungen und die Verschleppung von Kindern sind keine legitimen Mittel zur Durchsetzung solcher Forderungen.
Besonders aufschlussreich ist die Kritik an der öffentlichen Reaktion auf das Massaker. Während die Opfer noch nicht einmal identifiziert waren, feierten Anhänger der Hamas bereits den Angriff.
Auch drei Jahre später verbreiten Unterstützer der Terrororganisation Darstellungen, in denen der 7. Oktober als historischer Triumph erscheint. Die von MEMRI dokumentierten arabischen Stimmen widersprechen dieser Erzählung ausdrücklich.
Dabei handelt es sich um ausgewählte Stimmen liberaler und Hamas-kritischer Autoren. Aus ihren Beiträgen lässt sich keine repräsentative Aussage über die Einstellungen der gesamten arabischen Bevölkerung ableiten. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie öffentlich Position gegen die Verherrlichung des Massakers beziehen, obwohl sie dafür teilweise persönliche Anfeindungen riskieren.
Für die politische Debatte über Gaza ist diese Kritik wesentlich. Wer über die Zukunft der Bevölkerung spricht, muss auch über die Verantwortung jener Organisation sprechen, die den Terrorangriff begann und anschließend die eigenen Taten als Erfolg feierte.
Der Jahrestag des 7. Oktober ist deshalb nicht nur ein Tag des Gedenkens an die israelischen Opfer. Er ist auch eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, zwischen legitimen politischen Anliegen und terroristischer Gewalt zu unterscheiden.
Amjad Taha, Dalia Ziada, Hussain Abdul-Hussain und die anderen dokumentierten Autoren tun genau das. Sie verweigern der Hamas die moralische Anerkennung, die deren Unterstützer dem Massaker verleihen möchten.
Ihre Botschaft ist nicht kompliziert: Die Ermordung jüdischer Familien wird nicht dadurch zu Widerstand, dass ein Terrorist sie so bezeichnet.
Und das Leid der palästinensischen Bevölkerung wird nicht geringer, wenn die Verantwortlichen des 7. Oktober ihre Verbrechen weiterhin als Sieg feiern.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 22 Oktober 2026