6,36 Milliarden Dollar in 20 Minuten: FBI macht Nordkorea für Rekord-Hackerangriff verantwortlich6,36 Milliarden Dollar in 20 Minuten: FBI macht Nordkorea für Rekord-Hackerangriff verantwortlich
Ein Cyberangriff auf die Kryptobörse Binance erreicht eine bislang unbekannte Größenordnung. US-Ermittler identifizieren eine nordkoreanische Hackergruppe als Täter. Das gestohlene Vermögen könnte auch für das international sanktionierte Regime von Kim Jong-un von strategischer Bedeutung sein.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Nordkoreanische Hacker sollen bei einem Angriff auf die weltweit größte Kryptowährungsbörse Binance digitale Vermögenswerte im Wert von rund 6,36 Milliarden US-Dollar erbeutet haben. Der Angriff ereignete sich am 29. Oktober 2026. Nach Erkenntnissen des amerikanischen Bundeskriminalamts FBI steckt die mit Nordkorea verbundene Hackeroperation TraderTraitor dahinter. Ein Großteil der gestohlenen Kryptowährungen wurde innerhalb von nur 20 Minuten aus digitalen Geldbörsen der Handelsplattform abgezogen. Es handelt sich nach bisherigen Erkenntnissen um den größten dokumentierten Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte.
Das FBI bestätigte die nordkoreanische Verantwortung am Samstag, dem 31. Oktober, in einer offiziellen Sicherheitswarnung. Gemeinsam mit dem amerikanischen Secret Service und der Steuerfahndung IRS Criminal Investigation versucht die Behörde nun, die gestohlenen Vermögenswerte nachzuverfolgen und ihre weitere Verschiebung zu verhindern.
Der amerikanische Blockchain-Analysedienst TRM Labs beziffert den Schaden auf ungefähr 6,36 Milliarden Dollar. Die Ermittler haben Transaktionen über zehn unterschiedliche Blockchain-Netzwerke identifiziert. Nach ihrer Analyse begann der eigentliche Abfluss gegen 20.05 Uhr koordinierter Weltzeit und erreichte innerhalb kürzester Zeit ein enormes Volumen.
Besonders alarmierend ist, dass der Angriff offenbar nicht nur einzelne digitale Geldbörsen betraf. Die Täter konnten Transaktionen über mehrere unabhängige Netzwerke hinweg auslösen. TRM Labs geht mit hoher Sicherheit davon aus, dass die Operation von TraderTraitor durchgeführt wurde, einer nordkoreanischen Hackergruppe, die bereits mit früheren Angriffen auf Kryptounternehmen in Verbindung gebracht wird.
Nach ersten technischen Analysen nutzten die Angreifer unter anderem kompromittierte Zugriffsrechte auf eine mit dem Internet verbundene digitale Geldbörse von Binance. Bei solchen sogenannten Hot Wallets sind Kryptowährungen unmittelbar für Transaktionen verfügbar. Diese technische Eigenschaft erleichtert den Handel, schafft aber zusätzliche Angriffsmöglichkeiten.
Auf der Ethereum-Blockchain sollen die Täter eine besondere Funktion zur Übertragung von Berechtigungen missbraucht haben. TRM Labs identifizierte 50 im Voraus vorbereitete Autorisierungen, die offenbar Teil der Angriffsplanung waren. Auf anderen Netzwerken wurden regulär signierte Transaktionen ausgelöst, obwohl die Vermögenswerte dadurch unter die Kontrolle der Angreifer gelangten.
Die vollständige Ursache des Sicherheitsvorfalls ist noch nicht abschließend aufgeklärt. Binance sprach von einem komplexen Angriff, bei dem unter anderem ein kompromittierter Laptop und Schadsoftware zur Verschleierung von Spuren eine Rolle gespielt haben sollen.
Gestohlene Milliarden werden bereits verschoben
Für die amerikanischen Ermittler ist nicht nur die Aufklärung des Angriffs entscheidend, sondern vor allem die Frage, wie sich die gestohlenen Milliarden sichern lassen.
Nach Angaben des FBI haben die Täter bereits begonnen, Teile der Beute in Ethereum umzuwandeln. Weitere Transaktionen über dezentrale Finanzplattformen und Dienste zum schnellen Austausch von Kryptowährungen werden erwartet. Dadurch können die Angreifer versuchen, die Herkunft der Vermögenswerte zu verschleiern und die Verfolgung einzelner Transaktionen zu erschweren.
Das FBI veröffentlichte deshalb eine umfangreiche Liste digitaler Wallet-Adressen, die nach seinen Erkenntnissen von TraderTraitor kontrolliert werden oder in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Angriff stehen.
Die amerikanischen Behörden forderten Kryptobörsen, Zahlungsdienstleister, Betreiber von Blockchain-Infrastruktur und Analyseunternehmen dazu auf, Transaktionen mit diesen Adressen zu blockieren. Ziel ist es, die Weiterleitung und mögliche Geldwäsche der gestohlenen Vermögenswerte zu unterbrechen.
Eine Besonderheit digitaler Währungen besteht darin, dass viele Transaktionen auf öffentlichen Blockchains nachvollzogen werden können. Das bedeutet jedoch nicht, dass gestohlenes Geld automatisch zurückgeholt werden kann. Sobald Vermögenswerte über verschiedene Netzwerke, dezentrale Plattformen oder Dienste ohne zentrale Kontrollinstanz verschoben werden, wird die Sicherstellung erheblich schwieriger.
Binance teilte inzwischen mit, einen großen Teil der Verluste aus eigenen Mitteln ausgeglichen zu haben. Rund 90 Prozent der gestohlenen Vermögenswerte seien bereits ersetzt worden. Für die vollständige Deckung des Schadens habe das Unternehmen etwa 6,34 Milliarden Dollar bereitgestellt.
Die Börse erklärte außerdem, gemeinsam mit Partnerunternehmen ungefähr drei Milliarden Dollar an betroffenen Vermögenswerten lokalisiert zu haben und an deren Sperrung zu arbeiten. Diese Angabe bedeutet allerdings nicht, dass die gesamte Summe bereits endgültig zurückgewonnen wurde.
Nach dem Angriff hatte Binance Auszahlungen vorübergehend ausgesetzt. Die Wiederaufnahme des Betriebs sollte am Sonntag schrittweise erfolgen. Kunden sollten nach Angaben des Unternehmens keinen finanziellen Schaden tragen. Ob sämtliche betroffenen Systeme bereits wieder uneingeschränkt funktionieren, war zunächst noch offen.
Der Angriff zeigt damit zwei unterschiedliche Dimensionen: Einerseits gelang es den Tätern, eine gewaltige Summe innerhalb weniger Minuten zu bewegen. Andererseits verfügt eine große Kryptobörse über finanzielle Reserven und technische Möglichkeiten, um Verluste teilweise abzufedern und gestohlene Vermögenswerte verfolgen zu lassen.
Nordkoreas Hacker als strategische Einnahmequelle
Der Fall besitzt weit über die Kryptowährungsbranche hinaus politische Bedeutung. Nordkorea ist wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms mit umfangreichen internationalen Sanktionen belegt. Das Regime von Kim Jong-un verfügt dadurch nur eingeschränkt über Zugang zu internationalen Finanzmärkten und ausländischen Devisen.
Cyberkriminalität gehört seit Jahren zu den Methoden, mit denen nordkoreanische Akteure nach Erkenntnissen amerikanischer Behörden und internationaler Experten versuchen, diese Beschränkungen zu umgehen. Besonders Kryptowährungen sind für die staatlich unterstützten Hackergruppen attraktive Ziele, weil bei einem einzigen erfolgreichen Angriff enorme Vermögenswerte erbeutet werden können.
Bereits im Februar 2025 wurde die Kryptobörse Bybit Opfer eines Angriffs, bei dem digitale Vermögenswerte im Wert von ungefähr 1,5 Milliarden Dollar entwendet wurden. Auch diese Tat wurde nordkoreanischen Hackern zugeschrieben. Der aktuelle Angriff auf Binance übertrifft das damalige Ausmaß um mehr als das Vierfache.
Nach Berechnungen von TRM Labs haben nordkoreanische Hacker im Laufe mehrerer Jahre digitale Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 12,8 Milliarden Dollar gestohlen. Allein 2026 sollen ungefähr 7,4 Milliarden Dollar auf ihr Konto gehen, wobei der Binance-Angriff den größten Teil dieser Summe ausmacht.
Dabei handelt es sich um Schätzungen auf Grundlage bekannter und zugeordneter Vorfälle. Die tatsächlichen Erlöse können sich von den ursprünglichen Diebstahlsummen erheblich unterscheiden, etwa wenn Teile der Beute eingefroren werden oder beim Umtausch an Wert verlieren.
Die Größenordnung verdeutlicht dennoch, weshalb solche Angriffe für Nordkorea strategisch bedeutsam sind. Cyberoperationen ermöglichen dem Regime potenziell Zugang zu Milliardenbeträgen, ohne dass dafür gewöhnliche Handelsbeziehungen oder internationale Banktransaktionen notwendig sind.
Amerikanische Behörden haben wiederholt darauf hingewiesen, dass nordkoreanische Kryptowährungsdiebstähle zur Finanzierung staatlicher Programme beitragen können, darunter auch militärische Vorhaben. Für den konkreten Binance-Angriff ist jedoch noch nicht nachgewiesen, welcher Anteil der Beute tatsächlich in die Staatskasse fließen oder für bestimmte Rüstungsprojekte verwendet werden könnte.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und andere Staaten, die sich mit den finanziellen Netzwerken feindlicher Regime und terroristischer Organisationen beschäftigen, zeigt der Fall eine grundsätzliche Herausforderung. Digitale Vermögenswerte können nicht nur für legitime wirtschaftliche Zwecke genutzt werden, sondern auch zur Umgehung von Sanktionen, für verdeckte Geldtransfers und zur Finanzierung illegaler Aktivitäten.
haOlam.de berichtete bereits über die Bedeutung von Kryptowährungen für iranische Finanzstrukturen und Versuche, internationale Beschränkungen zu umgehen. Die Situation in Nordkorea ist nicht mit dem iranischen Vorgehen gleichzusetzen. Beide Entwicklungen verdeutlichen jedoch, welche sicherheitspolitische Bedeutung die Kontrolle digitaler Finanzströme inzwischen besitzt.
Für die internationale Gemeinschaft stellt sich deshalb eine doppelte Aufgabe. Einerseits müssen Handelsplattformen ihre technischen Schutzmaßnahmen verbessern. Andererseits müssen Ermittlungsbehörden und Finanzdienstleister grenzüberschreitend zusammenarbeiten, um gestohlene digitale Vermögenswerte zu identifizieren und ihre weitere Verwendung zu verhindern.
Der Angriff auf Binance zeigt, wie schwer diese Aufgabe geworden ist. Innerhalb von ungefähr 20 Minuten konnten nach bisherigem Kenntnisstand Werte verschoben werden, deren Umfang die bisherigen Rekorde der Kryptokriminalität deutlich übertrifft.
Während Binance versucht, die Schäden auszugleichen, laufen die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen nordkoreanischen Täter weiter. Dass das FBI bereits umfangreiche technische Informationen und verdächtige Wallet-Adressen veröffentlicht hat, zeigt die Dringlichkeit, mit der amerikanische Behörden die Verschiebung der gestohlenen Milliarden verhindern wollen.
Ob ein erheblicher Teil der Beute tatsächlich zurückgewonnen werden kann, bleibt offen. Sicher ist dagegen, dass der Angriff die Verwundbarkeit digitaler Finanzinfrastruktur und die wachsende Bedeutung staatlich unterstützter Cyberkriminalität in bislang unbekannter Größenordnung sichtbar gemacht hat.
Autor: Redaktion
Sonntag, 01 November 2026