Pay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird

„Pay for Slay“ bezeichnet Zahlungen der Palästinensischen Autonomiebehörde an Täter und Familien getöteter Angreifer. Abbas versprach Reformen, doch Berichte sehen das System weiterlaufen.

„Pay for Slay“ oder „Pay to Slay“ ist ein englischer Begriff für ein Zahlungssystem der Palästinensischen Autonomiebehörde, bei dem palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen, freigelassene Täter und Familien getöteter Angreifer finanzielle Leistungen erhalten. Im Deutschen wird oft von Terrorrenten, Märtyrerzahlungen, Märtyrerfonds oder Gefangenengehältern gesprochen.

Der Begriff ist hart, aber er benennt den Kern der Kritik: Wer Israelis angreift, verletzt oder ermordet, kann dadurch für sich oder seine Familie finanzielle Unterstützung aus palästinensischen Strukturen auslösen. Die Palästinensische Autonomiebehörde beschreibt diese Leistungen als soziale Unterstützung. Israel, die USA und viele jüdische Organisationen sehen darin jedoch ein System, das Terror nicht ächtet, sondern materiell und symbolisch belohnt.

Es geht dabei nicht um eine kleine Randfrage. Reuters berichtete im Februar 2025, dass Abbas’ Reform 35.000 bis 40.000 Familien betreffen sollte. Genau diese Größenordnung zeigt, dass es sich nicht um einzelne Ausnahmefälle handelt, sondern um ein umfangreiches, politisch verwurzeltes System.

Wie das System funktionierte

Das frühere Zahlungssystem unterschied zwischen verschiedenen Gruppen: in Israel inhaftierte palästinensische Gefangene, freigelassene Gefangene, Familien getöteter Angreifer und sogenannte Märtyrerfamilien. Besonders umstritten war, dass Zahlungen an Gefangene lange mit der Haftdauer verbunden waren. Da längere Haftstrafen meist bei schwereren Taten verhängt werden, wirkte das System aus israelischer Sicht wie eine indirekte Prämie auf schwerere Gewalt.

Das Israel Policy Forum beschreibt, dass der Märtyrerfonds Familien getöteter oder verletzter Palästinenser mit Einmalzahlungen und monatlichen Leistungen unterstützt. Nach einem palästinensischen Regierungsbeschluss von 2013 erhielt eine Märtyrerfamilie mindestens 133 Dollar monatlich, mit Zuschlägen etwa bei verheirateten Personen, Kindern oder Angehörigen der Sicherheitskräfte.

Bei Gefangenenzahlungen war die politische Wirkung noch schärfer. In der öffentlichen Debatte wurde immer wieder kritisiert, dass Gefangene je nach Haftdauer höhere Bezüge erhalten konnten. Das ist der Punkt, der den Vorwurf „Pay for Slay“ so schwerwiegend macht: Wer für besonders schwere Gewalt lange inhaftiert wird, konnte dadurch in ein höheres Zahlungssystem fallen.

Warum Israel das als Terroranreiz sieht

Israel sieht in „Pay for Slay“ ein Anreizsystem für Terror. Das bedeutet nicht, dass jeder Anschlag nur wegen Geld verübt wird. Aber Geld, öffentlicher Status, Gefangenenehrung, Märtyrerverehrung und finanzielle Absicherung der Familie schaffen ein Umfeld, in dem Gewalt gegen Israelis nicht als Verbrechen behandelt wird, sondern als nationaler Dienst.

Für israelische Opferfamilien ist das besonders unerträglich. Der Täter wird nicht nur nicht gesellschaftlich geächtet. Er oder seine Familie können aus einem offiziellen oder halboffiziellen palästinensischen System Geld erhalten. Dadurch wird der Mord politisch umgedeutet: aus einem Angriff auf Zivilisten wird in der palästinensischen Erzählung ein Akt des „Widerstands“.

Genau daran hängt die Friedensfrage. Ein Gemeinwesen, das Täter bezahlt oder Familien von Angreifern besonders behandelt, kann schwer glaubwürdig als Partner für friedliche Koexistenz auftreten. Wer Frieden will, muss Gewalt gegen Zivilisten nicht nur taktisch vermeiden, sondern moralisch ächten.

Die Summen: Hunderte Millionen pro Jahr

Die Summen sind erheblich. Die Jerusalem Post berichtete im Februar 2026, die Palästinensische Autonomiebehörde habe im Jahr 2025 rund eine halbe Milliarde Schekel über ihr Pay-for-Slay-System an Terroristen und Familien von Angreifern gezahlt.

Ein weiterer Bericht der Jerusalem Post vom April 2026 bezog sich auf einen US-Bericht und nannte 156 Millionen Dollar, die an Terroristen und ihre Familien gezahlt worden seien. Davon seien 126 Millionen Dollar an palästinensische Terroristen einschließlich aus israelischer Haft entlassener Personen geflossen und 30 Millionen Dollar an Familien von Terroristen, die bei ihren Taten starben. Der Bericht verwies außerdem auf zugesagte Zahlungen von insgesamt 214 Millionen Dollar an Familien.

Diese Zahlen sind politisch entscheidend. Sie zeigen, dass es nicht um symbolische Kleinbeträge geht. Es geht um große öffentliche oder öffentlich gestützte Mittel in einem palästinensischen System, das zugleich international finanzielle Hilfe erhält und sich regelmäßig auf wirtschaftliche Not beruft.

Taylor Force Act und amerikanischer Druck

Der Taylor Force Act ist die wichtigste amerikanische Reaktion auf dieses System. Taylor Force war ein amerikanischer Staatsbürger und ehemaliger US-Soldat. Er wurde 2016 bei einem palästinensischen Terroranschlag in Tel Aviv ermordet. Das nach ihm benannte Gesetz wurde 2018 verabschiedet und schränkt bestimmte US-Hilfen an die Palästinensische Autonomiebehörde ein, solange Zahlungen an Terroristen und deren Familien fortgesetzt werden.

Der Grundgedanke ist klar: Amerikanische Steuergelder sollen nicht direkt oder indirekt ein System ermöglichen, das Terror gegen Israelis oder Amerikaner belohnt. Unter US-Recht kann Washington bestimmte Hilfen zurückhalten, wenn das Außenministerium nicht bescheinigen kann, dass die Palästinensische Autonomiebehörde Zahlungen für Terrorakte beendet hat.

Auch Israel reagierte mit finanziellen Gegenmaßnahmen. Israel zieht für die Palästinensische Autonomiebehörde bestimmte Steuereinnahmen ein und kürzt diese nach israelischer Gesetzgebung um Beträge, die den Terrorzahlungen zugerechnet werden. Aus israelischer Sicht wäre es untragbar, Gelder weiterzuleiten, während die PA gleichzeitig Täter und Familien getöteter Angreifer finanziell unterstützt.

Abbas’ Reform von 2025

Am 10. Februar 2025 unterzeichnete Mahmud Abbas ein Dekret, mit dem das bisherige Zahlungssystem offiziell aufgehoben oder umgestellt werden sollte. Reuters berichtete, dass die Zahlungen an Familien palästinensischer Gefangener und getöteter Personen widerrufen und die Auszahlung auf eine andere Regierungsstelle unter Abbas’ Büro übertragen werden sollten. Die Details des neuen Mechanismus blieben zunächst offen.

Am 11. Februar 2025 berichtete Reuters, Abbas riskiere mit dieser Reform deutliche innenpolitische Gegenreaktionen. Die Reform sollte 35.000 bis 40.000 Familien betreffen. Hamas verurteilte den Schritt und warf Abbas vor, die Sache der Gefangenen und Märtyrer aufzugeben. Reuters schrieb zudem, die neue Unterstützung solle künftig nach Bedürftigkeit und nicht mehr nach Haftdauer erfolgen.

Das klang auf dem Papier nach einer wichtigen Korrektur. Doch der entscheidende Punkt blieb: Würden Täter und Familien getöteter Angreifer wirklich keine Sonderbehandlung mehr erhalten? Oder würde das alte System nur in ein neues Sozialprogramm verschoben?

Der Vorwurf der Verschleierung

Genau dieser Verdacht blieb bestehen. Bereits 2025 berichtete Euronews, die EU prüfe Hinweise, wonach der als „Pay for Slay“ kritisierte Mechanismus trotz offizieller Abschaffung über Umgehungskanäle weiterlaufen könnte. Brüssel betonte zugleich, EU-Gelder seien daran nicht beteiligt.

Im April 2026 legte das US-Außenministerium einen Bericht an den Kongress vor. Darin hieß es laut dem öffentlich zugänglichen Bericht, offene Quellen hätten gezeigt, dass die Palästinensische Autonomiebehörde Terroristen und ihre Familien trotz gegenteiliger Behauptungen weiter entschädigt habe.

Times of Israel berichtete am 30. April 2026, das US-Außenministerium sei zu dem Schluss gekommen, dass die Palästinensische Autonomiebehörde trotz Reform weiter Sicherheitsgefangene bezahle. Das neue System erlaube Familien palästinensischer Sicherheitsgefangener und getöteter Angreifer weiterhin, Leistungen zu erhalten, wenn sie über die neue zuständige Stelle beantragt würden und die sozioökonomischen Kriterien erfüllten.

Das ist der Kern der Verschleierungskritik. Wenn ein Täterstatus formal nicht mehr automatisch zahlt, aber dieselben Familien weiter über ein neues System Geld erhalten können, bleibt die politische und moralische Frage offen. Wurde das System wirklich beendet, oder wurde es so umgebaut, dass es gegenüber Washington und Brüssel besser aussieht?

Quellen

  1. U.S. State Department: Bericht an den Kongress zu palästinensischen Zahlungen für Terrorakte und zur Anwendung des Taylor Force Act state.gov/releases/bureau-of-near-eastern-affairs/2026/04/report-to-congress-on-palestinian-payments-for-acts-of-terrorism-and-limitation-on-assistance-to-the-west-bank-and-gaza
  2. Reuters: Bericht über Abbas’ Dekret vom Februar 2025 zur Aufhebung beziehungsweise Umstellung des bisherigen Zahlungssystems reuters.com/world/middle-east/abbas-revokes-payment-system-financial-allowances-families-palestinian-prisoners-2025-02-10/
  3. Reuters: Analyse zum politischen Risiko für Abbas nach der angekündigten Reform der Gefangenenzahlungen reuters.com/world/middle-east/abbas-risks-palestinian-backlash-over-overhaul-prisoner-payments-2025-02-11/
  4. Axios: Bericht zur Reaktion der Trump-Regierung auf Abbas’ Reformankündigung axios.com/2025/02/12/palestinian-prisoner-payments-trump-abbas
  5. U.S. Congress: Gesetzestext zum Taylor Force Act im Consolidated Appropriations Act 2018 congress.gov/bill/115th-congress/house-bill/1625
  6. Jerusalem Post: Bericht über die US-Bewertung, dass die PA-Zahlungen trotz Reform weiterlaufen jpost.com/middle-east/article-894700
  7. Times of Israel: Bericht über die Einschätzung des US-Außenministeriums, dass die PA weiter Sicherheitsgefangene bezahlt timesofisrael.com/us-says-pa-continuing-to-pay-security-prisoners-despite-reformed-welfare-criteria/
  8. Times of Israel: Bericht über ein Gericht in Ramallah, das Zahlungen für einen Gefangenen wieder einsetzen ließ timesofisrael.com/ignoring-pay-for-slay-reform-ramallah-court-tells-pa-to-reinstate-money-for-prisoner/
  9. Washington Jewish Week: Bericht über den State-Department-Befund, dass Zahlungen trotz Reformanspruch fortgesetzt wurden washingtonjewishweek.com/state-department-finds-pa-continued-terrorists-payments-despite-reform-claim/
  10. Britannica: Überblick zur Palästinensischen Autonomiebehörde und zur politischen Struktur der palästinensischen Gebiete britannica.com/place/Palestine

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