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Türkei und Hamas: Erdogans gefährliche Nähe zur Terrororganisation

Die Türkei ist NATO-Mitglied, behandelt die Hamas aber nicht wie eine Terrororganisation. Das Verhältnis belastet Israel, Europa und jede glaubwürdige Nahostpolitik.

„Türkei und Hamas“ bezeichnet das politisch hoch umstrittene Verhältnis zwischen der Republik Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan und der islamistischen Terrororganisation Hamas. Die Türkei ist NATO-Mitglied, verfügt über enge wirtschaftliche, militärische und diplomatische Verbindungen in den Westen und beansprucht zugleich eine Führungsrolle in der islamischen Welt. Genau deshalb ist ihre Nähe zur Hamas so brisant. Sie verbindet westliche Bündniszugehörigkeit mit einer Politik, die Israel regelmäßig frontal angreift und Hamas politisch aufwertet.

Hamas wird von den Vereinigten Staaten als ausländische Terrororganisation geführt. Auch die Europäische Union hat Sanktionen gegen Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad eingerichtet und verweist ausdrücklich auf die Angriffe vom 7. Oktober 2023 gegen Israel. Die türkische Regierung folgt dieser Bewertung nicht. Erdogan erklärte nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, Hamas sei keine Terrororganisation, sondern eine „Befreiungsgruppe“. Reuters berichtete über diese Aussage am 25. Oktober 2023.

Damit liegt der Kern des Problems offen: Für Israel ist Hamas eine mörderische Terrororganisation, die israelische Zivilisten ermordet, Geiseln verschleppt, Raketen auf Städte feuert und das Existenzrecht Israels ablehnt. Für Erdogan ist Hamas dagegen ein politischer Akteur, den er rhetorisch und diplomatisch aufwertet. Diese Kluft ist nicht nur eine Meinungsverschiedenheit. Sie betrifft Israels Sicherheit, die Glaubwürdigkeit der NATO, die Bekämpfung von Terrorfinanzierung und die Zukunft regionaler Diplomatie.

Hamas als Terrororganisation

Hamas wurde 1987 während der Ersten Intifada gegründet und entwickelte sich aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft. Sie verbindet palästinensischen Nationalismus mit islamistischer Ideologie. Ihr bewaffneter Flügel führte über Jahrzehnte Selbstmordanschläge, Raketenangriffe, Entführungen und andere Terrorakte gegen Israel aus. Seit 2007 kontrollierte Hamas den Gazastreifen nach einem gewaltsamen Machtkampf gegen die Fatah.

Der 7. Oktober 2023 machte den Charakter der Organisation noch einmal unübersehbar. Hamas-Terroristen drangen aus dem Gazastreifen nach Israel ein, ermordeten Zivilisten, griffen Kibbuzim und Städte an, töteten Besucher eines Musikfestivals und verschleppten Geiseln. Für Israel war dies nicht nur ein Terrorangriff, sondern ein antisemitisches Massaker gegen Juden und Israelis. Wer Hamas danach politisch schützt oder verharmlost, stellt sich nicht neutral zwischen zwei Seiten. Er verschiebt die moralische Grenze.

Erdogan überschritt genau diese Grenze mehrfach. Er stellte Hamas nicht als Terrororganisation dar, sondern als Widerstandsbewegung. Diese Sprache ist entscheidend. Sie macht aus gezieltem Terror gegen Zivilisten eine angebliche Befreiungspolitik. Sie nimmt den Opfern die Klarheit ihrer Erfahrung und gibt den Tätern eine politische Deutung, die sie nicht verdienen.

Die türkische Haltung unter Erdogan

Die Türkei war nicht immer in diesem Ausmaß von Israel entfernt. Israel und die Türkei unterhielten über Jahrzehnte wichtige Beziehungen, besonders in den Bereichen Militär, Handel und Diplomatie. Unter Erdogan verschob sich die Linie jedoch deutlich. Ankara trat immer stärker als Schutzmacht islamistischer und antiisraelischer Kräfte auf. Der Konflikt mit Israel wurde zu einem Instrument innenpolitischer Mobilisierung und regionaler Selbstdarstellung.

Erdogan nutzt die palästinensische Frage regelmäßig, um sich als Verteidiger der muslimischen Welt zu präsentieren. Dabei richtet sich seine Kritik nicht nur gegen einzelne israelische Regierungen oder konkrete Entscheidungen. Sie nimmt häufig eine Form an, die Israel als Staat moralisch dämonisiert. Gleichzeitig öffnete Ankara immer wieder Räume für Hamas-Funktionäre, Gespräche und politische Kontakte.

Reuters berichtete im April 2024, dass Hamas-Führer Ismail Haniyeh zu Gesprächen mit Erdogan in die Türkei reisen sollte. Im Januar 2025 meldete Reuters, Erdogan habe in Ankara den Hamas-Führer Muhammad Ismail Darwish und eine Delegation getroffen; auch Außenminister Hakan Fidan und Geheimdienstchef Ibrahim Kalin hätten teilgenommen. Solche Treffen sind für Israel keine diplomatische Normalität. Sie bedeuten, dass ein NATO-Staat einer Terrororganisation politischen Rang gibt.

Politische Kontakte und Vermittlerrolle

Die Türkei stellt ihre Kontakte zur Hamas häufig als Teil einer möglichen Vermittlerrolle dar. Tatsächlich kann Ankara wegen seiner Beziehungen zu Hamas Informationen weitergeben oder in Gesprächen über Waffenruhe, Geiseln, Gaza und Nachkriegsordnung eine Rolle spielen. Reuters berichtete im Dezember 2025, dass der türkische Außenminister Hakan Fidan mit Hamas-Vertretern in Ankara über die zweite Phase eines Gaza-Waffenruheabkommens gesprochen habe.

Doch Vermittlung ist nur glaubwürdig, wenn sie Distanz zum Terror wahrt. Genau hier liegt das Problem. Die Türkei spricht nicht nur mit Hamas, sie verteidigt sie politisch. Erdogan bestreitet die terroristische Natur der Organisation und stellt sie als legitimen Widerstand dar. Damit unterscheidet sich Ankara von Staaten, die mit Terrorakteuren reden, um Geiseln zu befreien oder Kriege zu beenden, ohne deren Ideologie zu legitimieren.

Aus israelischer Sicht ist diese türkische Doppelrolle gefährlich. Ankara möchte als Vermittler auftreten, während es zugleich Hamas rhetorisch schützt. Das schafft kein Vertrauen. Ein Staat, der Hamas nicht klar als Terrororganisation benennt, kann schwer glaubwürdig beanspruchen, Israels Sicherheitsinteressen ernst zu nehmen.

Hamas-Netzwerke, Finanzierung und Türkei-Bezug

Neben der politischen Ebene steht der Verdacht beziehungsweise die dokumentierte Rolle von Hamas-nahen Netzwerken in der Türkei im Raum. Das US-Finanzministerium verhängte nach dem 7. Oktober 2023 Sanktionen gegen Hamas-Mitglieder, Operative und Finanzvermittler in mehreren Ländern, darunter auch in der Türkei. Es erklärte, Ziel seien unter anderem Personen, die Vermögenswerte in einem geheimen Hamas-Investmentportfolio verwalteten oder Finanzströme unterstützten.

Auch später zielten US-Sanktionen auf Hamas-Finanzierung und scheinbar zivile Strukturen. Im November 2024 betonte das US-Finanzministerium, Hamas verlasse sich auf Funktionäre mit scheinbar legitimen öffentlichen Rollen, die terroristische Aktivitäten erleichterten, Interessen im Ausland verträten und Geld- sowie Warenströme nach Gaza koordinierten. Im März 2026 sanktionierte OFAC sogenannte Scheinhilfsorganisationen, die direkt den militärischen Flügel von Hamas und dessen terroristische Aktivitäten finanziert haben sollen.

Für Israel ist die Türkei deshalb nicht nur ein politisches Problem, sondern auch ein sicherheitspolitischer Raum. Wenn Hamas-Funktionäre reisen, Geld bewegen, Kontakte pflegen oder Netzwerke unterhalten können, entsteht daraus operative Gefahr. Gerade moderne Terrororganisationen leben nicht nur von Waffenlagern in Gaza. Sie brauchen Konten, Firmen, Spendenkanäle, Tarnvereine, Reisepapiere, Treffen, Medienarbeit und diplomatische Schutzräume. Wo solche Strukturen nicht konsequent bekämpft werden, wächst das Risiko.

Die USA warnten die Türkei deshalb ausdrücklich. Reuters berichtete im November 2024, Washington habe Ankara davor gewarnt, Hamas-Führer zu beherbergen, weil die USA nicht davon ausgingen, dass Führer einer Terrororganisation komfortabel leben sollten. Diese Warnung zeigt, dass das Problem nicht nur zwischen Israel und der Türkei besteht. Es betrifft auch das Verhältnis der Türkei zu ihren westlichen Partnern.

NATO-Staat mit Sonderkurs

Die besondere Brisanz liegt in der NATO-Mitgliedschaft der Türkei. Die Türkei ist nicht irgendein regionaler Akteur. Sie ist Teil des westlichen Verteidigungsbündnisses, verfügt über eine große Armee, kontrolliert strategisch wichtige Meerengen und spielt eine zentrale Rolle zwischen Europa, Nahost, Kaukasus und Schwarzem Meer. Wenn ein solcher Staat Hamas politisch schützt oder aufwertet, entsteht ein massiver Widerspruch.

Dieser Widerspruch ist für Israel schwer hinnehmbar. Israel arbeitet eng mit vielen westlichen Staaten zusammen, während ein NATO-Mitglied eine Organisation verteidigt, die Juden und Israelis ermordet und Israel bekämpft. Für europäische Staaten stellt sich ebenfalls eine Frage der Glaubwürdigkeit: Wie konsequent kann Terrorbekämpfung sein, wenn ein Bündnispartner Hamas nicht als Terrororganisation behandelt?

Die Türkei nutzt ihre Lage geschickt. Sie ist für die NATO wichtig, für Migration, Schwarzes Meer, Ukraine, Syrien, Kaukasus und Iran. Gerade deshalb wurde Ankara lange mit Vorsicht behandelt. Doch die Hamas-Frage zeigt die Grenze dieser Rücksicht. Ein Staat kann nicht glaubwürdig westliche Sicherheitsarchitektur beanspruchen und zugleich eine Terrororganisation politisch adeln, die von westlichen Partnern bekämpft wird.

Israel und die türkische Hamas-Politik

Für Israel ist die türkische Hamas-Politik Teil einer größeren Entwicklung unter Erdogan. Die Türkei präsentiert sich in der Region zunehmend als Macht mit islamisch-nationaler Agenda. Sie sucht Einfluss in Syrien, im östlichen Mittelmeer, in Katar, in Libyen, im Kaukasus und in der palästinensischen Frage. Israel wird dabei regelmäßig zum Feindbild, obwohl beide Länder historisch zeitweise enge Beziehungen hatten.

Der Unterschied zwischen Kritik an Israel und Unterstützung für Hamas ist entscheidend. Eine Regierung kann israelische Politik kritisieren. Sie kann humanitäre Hilfe für Gaza fordern. Sie kann eine Zwei-Staaten-Lösung verlangen. Das alles ist politische Diplomatie. Wer aber Hamas nach einem Massaker an Zivilisten als Befreiungsbewegung darstellt, überschreitet eine rote Linie. Er relativiert Terror und beschädigt jede Grundlage für eine ehrliche Vermittlung.

Aus israelischer Sicht ist besonders gefährlich, dass Erdogan mit seiner Sprache antisemitische und antiisraelische Stimmungen verstärken kann. Wenn Israel als absoluter Täter und Hamas als Widerstand erscheint, verschwindet die Realität der israelischen Opfer. Die Ermordeten, Vergewaltigten, Verschleppten und Traumatisierten vom 7. Oktober werden in einer solchen Erzählung zu störenden Details. Genau darin liegt die moralische Verrohung.

Katar, Türkei und die Hamas-Führung

Hamas nutzte über Jahre mehrere außenpolitische Räume. Katar spielte eine zentrale Rolle als Sitz politischer Hamas-Führung und als Vermittler in Geisel- und Waffenruhefragen. Die Türkei war ein weiterer wichtiger Kontakt- und Rückzugsraum. Erdogan erklärte im April 2024 laut Reuters, er glaube nicht, dass Hamas Katar verlassen werde, und habe keine Anzeichen dafür gesehen, dass Doha die Gruppe zum Weggang dränge.

Diese Dreiecksbeziehung ist für Israel schwer. Einerseits braucht jede Geiselverhandlung Kontakte zu Hamas. Andererseits stärkt jeder politische Schutzraum die Fähigkeit der Organisation, sich nach Niederlagen neu zu sortieren. Nach dem 7. Oktober geht es für Israel deshalb nicht nur um Gaza, sondern auch um die Frage, ob Hamas-Führung im Ausland weiter planen, Geld sammeln, Diplomatie betreiben und Einfluss ausüben kann.

Die Türkei ist dabei besonders problematisch, weil sie nicht nur indirekt Kontakt hält, sondern Hamas öffentlich verteidigt. Das unterscheidet sie von einer rein taktischen Vermittlerrolle. Ankara möchte zugleich Richter, Anwalt und Vermittler sein. Das kann nicht funktionieren, wenn die Sicherheit Israels ernst genommen wird.

Quellen

  1. https://www.reuters.com/world/middle-east/turkeys-erdogan-says-hamas-is-not-terrorist-organisation-2023-10-25/ reuters.com/world/middle-east/turkeys-erdogan-says-hamas-is-not-terrorist-organisation-2023-10-25/
  2. https://www.reuters.com/world/middle-east/hamas-leader-visit-turkey-talks-with-erdogan-2024-04-17/ reuters.com/world/middle-east/hamas-leader-visit-turkey-talks-with-erdogan-2024-04-17/
  3. https://www.reuters.com/world/us-warns-turkey-against-hosting-hamas-leaders-2024-11-18/ reuters.com/world/us-warns-turkey-against-hosting-hamas-leaders-2024-11-18/
  4. https://www.reuters.com/world/middle-east/turkeys-erdogan-meets-with-hamas-leader-delegation-ankara-2025-01-29/ reuters.com/world/middle-east/turkeys-erdogan-meets-with-hamas-leader-delegation-ankara-2025-01-29/
  5. https://www.reuters.com/world/middle-east/turkey-hamas-discuss-gaza-ceasefire-deals-second-phase-turkish-source-says-2025-12-24/ reuters.com/world/middle-east/turkey-hamas-discuss-gaza-ceasefire-deals-second-phase-turkish-source-says-2025-12-24/
  6. https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy1816 home.treasury.gov/news/press-releases/jy1816
  7. https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy2720 home.treasury.gov/news/press-releases/jy2720
  8. https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0415 home.treasury.gov/news/press-releases/sb0415
  9. https://www.state.gov/foreign-terrorist-organizations/ state.gov/foreign-terrorist-organizations/
  10. https://www.consilium.europa.eu/en/policies/sanctions-against-terrorism/ consilium.europa.eu/en/policies/sanctions-against-terrorism/
  11. https://www.britannica.com/topic/Hamas britannica.com/topic/Hamas

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