Geschichte und Geschichten um die 5 neuen U-Bahnhöfe Berlins

Geschichte und Geschichten um die 5 neuen U-Bahnhöfe Berlins


Berlins Liniennetz der U-Bahnen ist um fünf Bahnhöfe verlängert worden. Einige davon sind gleichermaßen Eingangspforten zu einmaligen touristischen Sehenswürdigkeiten.

Geschichte und Geschichten um die 5 neuen U-Bahnhöfe Berlins

Von Wolfgang Will

Die um 2,4 Kilometer verlängerte U 5 ist mit den Bahnhöfen Rotes Rathaus, Museumsinsel, Friedrichstraße, Brandenburger Tor und Reichstag zur Attraktion geworden. Mehr noch als die sehenswürdigen Bahnhöfe betrifft das deren oberirdische Umgebung.

ROTES RATHAUS.

Nein, dieses „Rot“ hat nichts mit Kommunismus und Ost-Berlin zu tun, wie so viele denken mögen. Dieses „Rot“ ist viel älter. Es geht in die Bauzeit dieses Rathauses zurück, und die war zwischen 1861 und 1871. Für den Bau wurden rote Klinker verwendet, also Backsteine. So erstrahlt der gewaltige Bau in Berlin-Mitte leuchtend rot. Die leidigen Probleme von heute gab es schon damals: Das Rathaus sollte 1869 fertig werden – zwei Jahre Verzögerung. Und es waren für den Bau drei Millionen Mark kalkuliert worden – daraus wurden zehn Millionen. Gewaltig ist dieser Bau wahrhaftig. Seine Grundfläche: 8 720 Quadratmeter. Der Rathausturm ist 94 Meter hoch, womit er die Silhouette der Stadt bestimmt. 375 Stufen führen hinauf. Die Turmuhr hat einen Durchmesser von 4,75 Meter. Insgesamt gibt es in diesem Rathaus 252 Büros und 15 Sitzungssäle. Der dazu gehörende U-BAHNHOF reflektiert all das nicht. Er ist eher enttäuschend, ganz in tiefes Schwarz gehüllt. Traurig! Und das im Gegensatz zu anderen Stationen der verlängerten U 5.

MUSEUMSINSEL

Hier gibt es auf knapp neun Hektar fünf Museen, deren Einmaligkeit international anerkannt wird: Das Neue Museum, das Alte Museum, das Pergamonmuseum, die alte Nationalgalerie und das Bodemuseum. Diese museale Spreeinsel gehört zu den bedeutendsten Museumskomplexen Europas. Entstanden zwischen 1830 und 1930 im Auftrag der preußischen Könige. Fünf Architekten waren beauftragt worden. Die Gesamtanlage wurde 1999 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Erst seit 12. Juli 2019 hat dieser Komplex ein gemeinsames Eingangszentrum die James-Simon-Galerie. Sie ist weit mehr als eine Pforte: Hier gibt es Konferenzräume, hier gibt es Ausstellungen. Ein würdiger Zugang. Die Museen verzeichnen übrigens jährlich zwischen zwei und drei Millionen Besucher. Der dazugehörende U-BAHNHOF wird erst Mitte 2021 eröffnet, die Bauarbeiten sind in Verzug geraten. Die Züge durchqueren die Station langsam, so dass man ein wenig vom künftigen Bahnhof „erhaschen“ kann: Seine Wände und die Decke erstrahlen in wundervollem Blau und 6 600 Sternen. Diese Station wird ein Hingucker!

BRANDENBURGER TOR

Der preußische König Friedrich Wilhelm II. (1744 – 1797) regierte autoritärer als viele seiner Vorgänger, doch er war gleichzeitig einer der ganz großen Mäzenen seiner Epoche (Gönner, Förderer). Ihm etwa verdankt Berlin - seine Hauptstadt! - das Brandenburger Tor. Er forderte in seinem Bauauftrag „die großen und schönen Partien der Stadt und des daran liegenden Thiergartens dergestalt miteinander zu verbinden, dass dem Thor so viel mögliche freye Öffnung und viel Durchsicht gegeben werde“. Das sollte Carl Friedrich Langhans tun, des Königs Lieblingsarchitekt – offizieller Titel: Leiter de Oberhofbauamtes. So entstand nach nervigem Hin und Her und vielen Änderungen das Brandenburger Tor als „frühklassizistisches Gebäudeensemble“ (Wikipedia). Bauzeit: 1789 – 1793. Langhans, der nie in Griechenland war, ließ sich durch Erzählungen und Zeichnungen inspirieren – von den Propyläen der Athener Akropolis. Auf dem Tor thront die aus Kupferblech gefertigte Quadriga des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Eine Quadriga ist ein von vier Pferden gezogener Streitwagen antiken Vorbilds. Die Figur auf dem Wagen stellt die Friedensgöttin Eirene dar, angeblich mit den Gesichtszügen der preußischen Königin Luise.

Diese Berliner Quadriga wurde 1806 von Napoleon, der den Krieg gegen Preußen gewonnen hatte, abgebaut und als Kriegsbeute nach Paris verschifft – in zwölf Kisten, erst rheinaufwärts nach Hamburg, dann über die Nordsee und französische Flüsse und Kanäle nach Paris. Dort sollte sie im Louvre als Siegestrophäe gezeigt werden. Dazu kam es nie. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 besetzten preußische Truppen die französische Hauptstadt und brachten die Quadriga nach Berlin zurück. Sie kam wieder aufs Brandenburger Tor, jetzt als Siegesgöttin Victoria und mit dem Eisernen Kreuz im Lorbeerkranz. Die sprichwörtliche Berliner Schnauze gab es schon damals: Die Berliner nannten die Quadriga „Retourkutsche“.

Der U-BAHNHOF Brandenburger Tor zeigt all das bis in die Gegenwart in Zeichnungen, Fotografien und Karikaturen. Ein ganzes Geschichtsbuch ist auf diese Weise an den Wänden entstanden und zu studieren – allein deshalb lohnt sich ein Besuch dieser Station der Linie 5.

BUNDESTAG

Das Parlament Deutschlands, der Bundestag, hat seinen Sitz im Reichstag. Für dieses klassizistische Gebäude gab es 1882 einen Ideenwettbewerb. 189 Architekten beteiligten sich daran. Sieger wurde der Entwurf von Paul Wallot. Am 9. Juni 1889 erfolgte der erste Spatenstich – bei regnerischem Wetter, mit mehr Militär als Parlamentariern. Einweihung: 1894. Das äußerst imposante Gebäude im Stil der Neorenaissance erhielt von dem Berliner Bauingenieur Hermann Zimmermann eine krönende Kuppel aus Stahl und Glas, die seinerzeit schon als „genial“ in die Baugeschichte einging. Damals wie heute dringt Tageslicht in den Plenarsaal ein. Durch den Reichstagsbrand 1933 und den Zweiten Weltkrieg wurde der Bau schwer zerstört. Er war – wie der Parlamentarismus – bei Nazis und Kommunisten (DDR) ungeliebt. Nach der Wiedervereinigung und nach gründlicher Neugestaltung durch Norman Foster ist der Reichstag – diese Bezeichnung blieb erhalten – seit 19. April 1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Die Kuppel ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie gewährt einen Blick in den Plenarsaal. Genau gegenüber steht das supermoderne Kanzleramt. Der U-BAHNHOF Bundestag gewährt dank phantastischer Fotos einen Blick in und durch den Reichstag sowie die entlang des Spreeufers entstandenen hochmodernen Parlamentsgebäude.

Insgesamt sind die fünf neuen Bahnhöfe einen Ausflug wert. Besondere Merkmale: Licht, viel Licht, abwechslungsreiche Säulengebilde.

Verglichen mit den Untergrundsystemen von London und Paris ist die seit 1902 existierende BERLINER U-Bahn mit .neun Linien und 174 Bahnhöfen sowie einer Gesamtlänge von 148,8 Kilometer eher klein. Sie befördert täglich etwa 1,6 Millionen Personen. LONDON hat seit 1863 einen „Untergrund“, womit die U-Bahn der britischen Hauptstadt die älteste der Welt ist. Ihr Streckennetz ist 402 Kilometer lang, seine elf Linien haben 270 Stationen. Durchschnittliche Zahl der täglichen Nutzer: 3,2 Millionen. Die U-Bahn in PARIS gibt es seit 1900. Das System ist 219 Kilometer lang und hat 303 Stationen. Auf 16 Linien werden täglich 4,2 Millionen Fahrgäste befördert.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York.


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Lacu Schienred, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Donnerstag, 28 Januar 2021

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