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taz-Kommentar über Zentralrat löst Kritik aus: Wer entscheidet, wann jüdische Stimmen sprechen dürfen?

taz-Kommentar über Zentralrat löst Kritik aus: Wer entscheidet, wann jüdische Stimmen sprechen dürfen?


Ein Kommentar der taz kritisiert den Präsidenten des Zentralrats der Juden für seine Unterstützung der Angriffe auf das iranische Regime. Doch die Debatte berührt eine größere Frage: Wer entscheidet eigentlich, wann jüdische Stimmen in Deutschland sprechen dürfen und wann nicht?

taz-Kommentar über Zentralrat löst Kritik aus: Wer entscheidet, wann jüdische Stimmen sprechen dürfen?

Der Kommentar der Journalistin Susanne Knaul in der Tageszeitung taz hat eine Diskussion ausgelöst, die weit über eine einzelne Person hinausgeht. Anlass ist eine Stellungnahme von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Schuster hatte öffentlich Verständnis für militärische Angriffe auf das iranische Regime geäußert. Hintergrund ist die jahrzehntelange Feindschaft Teherans gegenüber Israel und die wiederholten Drohungen iranischer Politiker, den jüdischen Staat zu vernichten.

In ihrem Kommentar erkennt Knaul diese Bedrohung zwar an. Gleichzeitig argumentiert sie, Schuster hätte sich in seiner Funktion besser zurückhalten sollen. Stellungnahmen zu militärischen Aktionen Israels seien eher Aufgabe des israelischen Botschafters.

Diese Argumentation hat bei vielen Beobachtern Verwunderung ausgelöst. Denn sie wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wer entscheidet eigentlich, welche Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit sprechen dürfen und welche nicht?

Der Zentralrat der Juden ist keine private Interessenvertretung ohne gesellschaftliche Rolle. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um jüdisches Leben in Deutschland zu vertreten und eine Stimme für die jüdische Gemeinschaft zu sein. Dazu gehört selbstverständlich auch, sich zu politischen Fragen zu äußern, die Juden weltweit betreffen. Die Sicherheit Israels ist für viele jüdische Gemeinden ein zentrales Thema, nicht nur aus religiösen oder kulturellen Gründen, sondern auch aus historischer Erfahrung.

Wenn der Präsident des Zentralrats öffentlich Stellung zur Bedrohung Israels durch das iranische Regime bezieht, bewegt er sich daher innerhalb seines Mandats. Man kann seine Position kritisieren oder ihr widersprechen. Das gehört zur demokratischen Debatte. Doch etwas anderes ist es, grundsätzlich zu verlangen, er hätte seine Meinung besser nicht äußern sollen.

Genau hier beginnt die eigentliche Irritation vieler Leser. Die Kritik richtet sich nicht nur gegen eine politische Haltung, sondern gegen die Tatsache, dass diese Haltung öffentlich geäußert wurde. Dadurch entsteht der Eindruck, dass jüdische Vertreter in Deutschland zwar existieren und repräsentieren dürfen, ihre Stimme in bestimmten politischen Fragen jedoch lieber zurückhalten sollten.

In einer offenen Gesellschaft sollte das Gegenteil gelten. Unterschiedliche Perspektiven gehören zur demokratischen Auseinandersetzung. Kirchen äußern sich regelmäßig zu internationalen Konflikten. Menschenrechtsorganisationen kommentieren militärische Einsätze. Verbände vertreten die Interessen ihrer Mitglieder in politischen Debatten. Warum sollte das ausgerechnet für jüdische Institutionen nicht gelten, wenn es um Israel geht?

Die Diskussion berührt auch einen historischen Punkt, der in Deutschland besonders sensibel ist. Die deutsche Geschichte mahnt zur Vorsicht, wenn es darum geht, jüdischen Stimmen Grenzen zu setzen. Gerade nach der Shoah gehört es zur Verantwortung dieses Landes, jüdisches Leben nicht nur zu schützen, sondern auch seine gesellschaftliche und politische Stimme zu respektieren.

Das bedeutet nicht, dass jüdische Organisationen über Kritik stehen. Auch der Zentralrat der Juden ist Teil der öffentlichen Debatte und muss sich mit Gegenargumenten auseinandersetzen. Doch Kritik sollte sich auf Inhalte beziehen, nicht auf die Frage, ob jemand überhaupt sprechen sollte.

Der Kommentar der taz zeigt damit ein tieferes Spannungsfeld der deutschen Israeldebatte. Einerseits wird immer wieder betont, wie wichtig die Unterstützung jüdischen Lebens ist. Andererseits entstehen regelmäßig Diskussionen, sobald jüdische Stimmen klar Position beziehen, besonders dann, wenn sie Israels Sicherheit verteidigen.

Gerade deshalb ist eine nüchterne Diskussion notwendig. Niemand muss die Position von Josef Schuster teilen. Doch das Recht, sie öffentlich zu äußern, sollte außer Frage stehen. Wenn der Eindruck entsteht, bestimmte Stimmen sollten in der politischen Debatte besser schweigen, wird eine Grenze berührt, die in Deutschland aus gutem Grund besonders sensibel ist.

Die Kontroverse um den taz-Kommentar zeigt deshalb mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit über einen militärischen Konflikt im Nahen Osten. Sie erinnert daran, dass demokratische Debatten davon leben, dass auch unbequeme Stimmen gehört werden. Dazu gehören selbstverständlich auch jüdische Stimmen, die ihre Perspektive auf Israel und dessen Sicherheit formulieren.

Gerade in Deutschland sollte diese Selbstverständlichkeit nicht infrage stehen.




Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: Screenshot Taz
Mittwoch, 04 März 2026

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