Frankfurter Prediger soll für Irans Revolutionskurs geworben habenFrankfurter Prediger soll für Irans Revolutionskurs geworben haben
Mohammad Mashkoor Kabuli ist ein afghanischer Geistlicher mit Bezug zu Frankfurt am Main.
Nach Berichten soll er in Iran zur Unterstützung der Islamischen Revolution und der von Teheran geführten „Achse des Widerstands“ aufgerufen haben.

Mohammad Mashkoor Kabuli wird in mehreren Berichten als afghanischer Geistlicher und Prediger mit Bezug zu Frankfurt am Main geführt. Nach Angaben des Middle East Media Research Institute soll er bei einer internationalen Konferenz in der iranischen Stadt Mashhad zur Unterstützung der Islamischen Revolution Irans und der sogenannten „Achse des WiderstandsAchse des Widerstands: Irans Terrornetzwerk gegen Israel„Achse des Widerstands“ ist die Eigenbezeichnung eines von Iran unterstützten Netzwerks aus Terrororganisationen und Milizen. Dazu zählen unter anderem Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und proiranische Milizen im Irak und in Syrien. Das Netzwerk bedroht Israel mit Raketen, Drohnen, Terroranschlägen und Stellvertreterkrieg.Mehr lesen“ gegen den Westen aufgerufen haben.
Die Konferenz in Mashhad soll der Würdigung der religiösen und wissenschaftlichen Stellung des iranischen Führers Ayatollah Sayyid Mojtaba Khamenei gedient haben. Kabuli soll dort erklärt haben, viele sunnitische und schiitische Persönlichkeiten in Afghanistan unterstützten Iran und die „Widerstandsbewegungen“. Diese seien Symbole von Gerechtigkeit und islamischer Einheit gegen „globale Arroganz“ und westlichen Druck.
Solche Begriffe sind politisch nicht neutral. „Globale Arroganz“, „Widerstand“ und „Islamische Revolution“ gehören seit Jahrzehnten zum Vokabular der Islamischen Republik. Sie dienen Teheran dazu, den eigenen Machtanspruch, die Gegnerschaft zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Kampf gegen westlichen Einfluss religiös und moralisch aufzuladen.
Ein weiterer aktueller Bericht nennt Kabuli erneut im Zusammenhang mit der von Iran geführten „Achse des Widerstands“. Demnach soll er Unterstützung für diese Achse gefordert und Indien beschuldigt haben, die pakistanischen Taliban, Tehreek-e-Taliban Pakistan, zu finanzieren. Damit steht nicht nur eine einzelne Aussage im Raum. Es geht um mehrere Berichte, die in dieselbe politische Richtung weisen.
Juristisch ist wichtig: haOlam stützt sich bei den konkreten Aussagen auf die genannten Berichte und die dort wiedergegebenen Darstellungen. Eine eigene Prüfung des vollständigen Dari-Originalmaterials liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Der Artikel behauptet deshalb nicht, dass Kabuli eine Straftat begangen hat. Auch ist nicht jede proiranische oder antiwestliche Äußerung automatisch strafbar. Politisch und sicherheitlich ist der Vorgang dennoch relevant, weil ein Prediger mit Frankfurt-Bezug mit Teherans Revolutionssprache in Verbindung gebracht wird.
Die sogenannte „Achse des Widerstands“ ist kein harmloser Sammelbegriff. Reuters beschreibt sie als ein über Jahre oder Jahrzehnte durch iranische Unterstützung aufgebautes Netzwerk von Gruppen, die sich gegen Israel und amerikanischen Einfluss im Nahen Osten richten. Dazu werden unter anderem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen sowie schiitische bewaffnete Gruppen im Irak und Syrien gezählt. Reuters verweist zudem auf Angriffe dieser Akteure auf Israel, amerikanische Interessen und Schifffahrtswege im Roten Meer.
Der europäische Rechtsrahmen hat sich ebenfalls verschärft. Der Rat der Europäischen Union hat die Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen Irans am 19. Februar 2026 formal auf die EU-Terrorliste gesetzt. Vorausgegangen war eine politische Einigung der EU-Außenminister am 29. Januar. Seit der Listung unterliegen die Revolutionsgarden restriktiven Maßnahmen, darunter Vermögenssperren und das Verbot, der Organisation Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
Auch Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad werden im EU-Sanktionsrahmen ausdrücklich erfasst. Der Rat der EU verweist auf Maßnahmen gegen Personen, Gruppen und Einrichtungen, die terroristische Handlungen unterstützen, erleichtern oder ermöglichen. Dazu gehören Reiseverbote, Vermögenssperren und das Verbot, gelisteten Akteuren Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen bereitzustellen.
Damit wird die politische EinordnungKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen klarer: Wer die von Iran geführte „Achse des Widerstands“ unterstützt, bewegt sich nicht in einem neutralen Debattenfeld. Er greift einen Begriff auf, der eng mit Akteuren verbunden ist, die in Europa, den USA und anderen Staaten mit Terrorismus, Sanktionen und politischer Gewalt in Verbindung stehen.
Wichtig ist zugleich eine klare Abgrenzung. Dieser Artikel richtet sich nicht gegen afghanische Schiiten, Hazara oder religiöse Minderheiten in Afghanistan. Gerade diese Gruppen leben selbst unter massiver Bedrohung. Die Deutsche Welle berichtete über die Dauerangst der schiitischen Minderheit in Afghanistan unter Taliban-Herrschaft. Genau deshalb wäre es falsch, eine bedrohte Minderheit pauschal unter Verdacht zu stellen. Die Kritik richtet sich auf konkrete politische Aussagen und auf die Frage, ob ein Prediger mit Frankfurt-Bezug die Sprache der Islamischen Republik übernimmt.
Kabuli wurde bereits zuvor im Zusammenhang mit politischer Mobilisierung in Frankfurt erwähnt. Afghan Witness berichtete 2024 über eine Konferenz schiitischer Afghanen in Frankfurt, die nach Angaben mehrerer afghanischer Medien zum bewaffneten Widerstand gegen die Taliban aufgerufen haben soll. Nach Darstellung der National Resistance Front sei die Veranstaltung von Sheikh Mashkoor Kabuli, einem prominenten schiitischen Geistlichen und Mitglied im Führungsrat der National Resistance Front, mit Unterstützung schiitischer islamischer Zentren in Frankfurt organisiert worden.
Afghan Witness dokumentierte zugleich deutliche Kritik aus Teilen der Hazara- und Schia-Community. Mehrere Stimmen warnten sinngemäß davor, aus der Sicherheit Europas heraus andere in Krieg und Gewalt zu schicken. Ein ehemaliger afghanischer Minister erklärte dem Bericht zufolge, niemand habe Kabuli zum Sprecher der Hazara-Community ernannt. Ein weiterer Kommentator kritisierte, wer zum Krieg aufrufe, solle selbst an der Front stehen.
Auch diese Vorgeschichte beweist keine strafbare Handlung. Sie zeigt aber, dass Kabuli wiederholt nicht nur als religiöse Figur, sondern als politisch wirkender Akteur in transnationalen Konflikten beschrieben wird. 2024 ging es in Frankfurt um Afghanistan und den bewaffneten Widerstand gegen die Taliban. 2026 geht es um die Islamische Revolution Irans und die von Teheran geführte „Achse des Widerstands“. Das sind unterschiedliche Konflikte. Gemeinsam ist ihnen, dass religiöse Autorität mit politischen Gewaltfragen verbunden wird.
Genau deshalb darf der Fall nicht verharmlost werden. Deutschland muss nicht jede radikale Rede kriminalisieren. Aber es muss genau hinsehen, wenn Personen mit deutschem Standort oder Deutschland-Bezug in solchen Zusammenhängen auftreten. Die entscheidenden Fragen lauten: Welche Botschaften werden verbreitet? Welche Netzwerke tragen sie weiter? Welche Rolle spielen religiöse Veranstaltungen, Exilpolitik und ausländische Einflussinteressen? Und wie schützt der Staat jene Menschen, die vor genau solchen Machtapparaten geflohen sind?
Das betrifft Frankfurt am Main konkret. In der Stadt leben jüdische Gemeinden, iranische Oppositionelle, afghanische Exilgruppen, israelische Staatsbürger und Menschen, die vor Islamisten, Taliban oder Revolutionsgarden geflohen sind. Wenn ein Prediger mit Frankfurt-Bezug in Iran die Sprache der Islamischen Republik unterstützt haben soll, ist das keine lokale Randnotiz und auch kein bloßes Auslandsthema.
Die Islamische Republik führt ihren Kampf nicht nur mit Raketen, Drohnen und Stellvertretern. Sie führt ihn auch mit Begriffen. Aus Milizen wird „Widerstand“. Aus Machtpolitik wird „islamische Einheit“. Aus Gegnerschaft zu Israel und dem Westen wird der Kampf gegen „globale Arroganz“.
Wenn solche Formeln mit einem Frankfurter Prediger in Verbindung gebracht werden, ist das kein fertiges Strafurteil. Aber es ist ein politisches Warnsignal.
Deutschland sollte sehr genau wissen, wer hier welche Revolutionssprache übernimmt und welche Wirkung sie in den betroffenen Communities entfalten kann.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 01 Juli 2026