Mamdani wird zum unfreiwilligen Wahlhelfer NetanjahusMamdani wird zum unfreiwilligen Wahlhelfer Netanjahus
2019 zeigte der Likud Benjamin Netanjahu noch an der Seite mächtiger Staatschefs. 2026 funktioniert der Wahlkampf anders: Jetzt sollen ausgerechnet die Gegner des israelischen Regierungschefs zeigen, warum er bleiben soll.

Bildnachweis: FotografÃa oficial de la Presidencia de Colombia /
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Es ist ein Wahlplakat, das mehr über den israelischen Wahlkampf des Jahres 2026 erzählt als viele lange Reden. Auf schwarzem Hintergrund sind vier Männer zu sehen: Irans oberster Führer Mojtaba Khamenei, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Chef Naim Qassem und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani. Dazu die Botschaft: Sie wollen, dass Netanjahu verliert. Lasst sie nicht gewinnen.
Der Likud hat das Plakat vor der Knessetwahl am 27. Oktober in Tel Aviv am Ayalon Highway platziert. Benjamin Netanjahu verbreitete das Motiv selbst weiter. Mamdani steht damit in einer Reihe, in die er militärisch selbstverständlich nicht gehört. Er führt keinen Staat im Krieg mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, befehligt keine Terrororganisation und verfügt über keine Streitkräfte. Genau deshalb ist seine Aufnahme in das Motiv politisch so aufschlussreich. Seine Funktion auf dem Plakat ist eine andere: Er verkörpert für den Likud jene westliche politische Strömung, in der scharfe Angriffe auf Israel längst nicht mehr an den Rand gedrängt werden.
Das unterscheidet den Wahlkampf fundamental von dem Bild, das Netanjahu 2019 von sich zeichnete. Damals hing der Regierungschef auf riesigen Plakaten neben Donald Trump, Wladimir Putin und Narendra Modi. Die Botschaft lautete sinngemäß: Netanjahu spielt in einer anderen Liga. Die Bilder sollten beweisen, dass der Likud-Chef Zugang zu den mächtigsten Männern der Welt hatte und Israels internationale Stellung durch seine persönlichen Beziehungen stärken konnte. Die Kampagne vor der zweiten Wahl 2019 setzte diese Kontakte gezielt in Szene.
Sieben Jahre später steht auf dem Plakat nicht mehr der Freund, sondern der Gegner.
Das ist keine Kleinigkeit. Es beschreibt eine Verschiebung des gesamten politischen Angebots Netanjahus. Früher lautete es: Seht, mit wem ich reden kann. Heute lautet es: Seht, wer mich loswerden will.
Mamdanis Angriff auf Netanjahu liefert dem Likud das Material
Gerade Zohran Mamdani ist für diese Strategie nahezu ideal. Der New Yorker Bürgermeister hat Netanjahu öffentlich als Kriegsverbrecher bezeichnet und während seines Wahlkampfes angekündigt, eine Festnahme des israelischen Regierungschefs in New York wegen des Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs anzustreben.
Das Problem: Diese vollmundige Ankündigung hielt der rechtlichen Wirklichkeit nicht stand.
Im Juli musste Mamdani selbst einräumen, dass die Stadt New York nicht über die eigenständige rechtliche Befugnis verfügt, den Haftbefehl gegen Netanjahu zu vollstrecken. Stattdessen forderte er die US-Bundesregierung auf, dies zu tun. Die Vereinigten Staaten sind ebenso wie Israel kein Vertragsstaat des Internationalen Strafgerichtshofs. Präsident Trump erklärte anschließend unmissverständlich, Netanjahu werde in den Vereinigten Staaten nicht festgenommen.
Für Mamdani mag seine harte Haltung gegen den israelischen Regierungschef bei Teilen seiner politischen Anhängerschaft nützlich sein. Für Netanjahu ist sie jedoch ebenfalls brauchbares Wahlkampfmaterial.
Das ist die eigentliche Ironie dieses Plakats.
Mamdani benutzt Netanjahu als Symbolfigur für seine Israelkritik. Netanjahu wiederum benutzt Mamdani als Symbolfigur dafür, wie weit die Feindschaft gegenüber der israelischen Regierung inzwischen in westliche politische Zentren vorgedrungen ist. Jeder mobilisiert seine eigene Wählerschaft mit dem anderen.
Dabei muss man das Likud-Plakat nicht falsch lesen. Es behauptet nicht, Mamdani verfüge über dieselbe militärische Macht wie Khamenei, Erdogan oder Qassem. Eine solche Gleichsetzung wäre offenkundig unsinnig. Seine Platzierung neben ihnen funktioniert politisch gerade deshalb, weil unterschiedliche Formen des Drucks auf Israel in einem Bild zusammengeführt werden.
Khamenei steht für das iranische Regime. Qassem steht für die Hisbollah. Erdogan steht für eine Regionalmacht, deren Verhältnis zu Israel seit Jahren von scharfen Konflikten geprägt ist. Mamdani steht dagegen für einen politischen Wandel innerhalb des Westens.
Und möglicherweise ist gerade er deshalb für einen israelischen Wahlkampf besonders nützlich. Einen Hisbollah-Chef als Gegner Israels zu präsentieren, überrascht niemanden. Ein Bürgermeister von New York, der den israelischen Regierungschef öffentlich als Kriegsverbrecher bezeichnet und dessen Festnahme zum politischen Thema gemacht hat, berührt dagegen eine vollkommen andere Frage: Wie sicher kann Israel noch sein, dass Solidarität mit dem jüdischen Staat in westlichen Metropolen zum politischen Grundbestand gehört?
Dass Mamdani seine angekündigte Festnahme rechtlich nicht selbst durchsetzen kann, vermindert die politische Wirkung seiner Worte nicht. Im Gegenteil. Aus israelischer Sicht bleibt die Tatsache bestehen, dass der Bürgermeister der Stadt mit einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels öffentlich erklärt, Netanjahu gehöre nach Den Haag und sei in New York nicht willkommen.
Der Likud muss diese Sätze nicht erfinden. Mamdani liefert sie selbst.
Trump verliert seinen Glanz als Wahlkampfplakat
Noch interessanter wird die neue Strategie durch das Fehlen Donald Trumps.
Trump wurde am Montag von Fox News ausdrücklich auf die israelische Wahl angesprochen. Seine Antwort war bemerkenswert zurückhaltend. Er halte es für angemessen, sich aus der israelischen Wahl herauszuhalten, erklärte der US-Präsident. Gleichzeitig ließ er sich eine Hintertür offen und sagte, er könne möglicherweise noch jemanden unterstützen. Eine ausdrückliche Wahlempfehlung für Netanjahu gab er damit gerade nicht ab.
Für einen Regierungschef, der seine besondere Beziehung zu Trump über Jahre zu einem Bestandteil seiner politischen Marke gemacht hat, ist diese Zurückhaltung bemerkenswert.
Hinzu kommt, dass Trump in Israel nicht mehr jene nahezu unangefochtene Stellung besitzt, mit der der Likud 2019 werben konnte.
Der Israel Democracy Institute veröffentlichte Anfang Juli Ergebnisse, nach denen nur noch 28 Prozent der Befragten glaubten, Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen gehöre zu den zentralen Erwägungen Trumps. Bei jüdischen Befragten waren es 26 Prozent. Unter politisch rechts stehenden jüdischen Israelis vertraten nur noch 35 Prozent diese Ansicht. Noch im März hatten 64 Prozent der jüdischen Befragten Israels Sicherheit als ein zentrales Anliegen Trumps betrachtet. Die Messung, die im Juli veröffentlicht wurde, stammt aus dem Juni.
Das bedeutet nicht, dass Trump in Israel plötzlich bedeutungslos wäre. Ebenso wenig bedeutet es, dass eine spätere Unterstützung Netanjahus keinen Einfluss auf den Wahlkampf hätte. Aber aus einem beinahe selbstverständlich positiven Symbol ist ein komplizierterer politischer Faktor geworden.
Auch die Geschichte spricht gegen die Vorstellung, eine Unterstützung Trumps könne allein eine israelische Wahl entscheiden.
2019 erkannte Trump kurz vor einer Wahl die israelische Souveränität über die Golanhöhen an. Im selben Wahljahr machte der Likud Trumps Nähe zu Netanjahu zu einem zentralen Bestandteil seiner Kampagne. Trotzdem geriet Israel in eine jahrelange Serie von Wahlen und politischen Blockaden. Persönliche Beziehungen zu mächtigen Staatschefs sind politisches Kapital. Sie ersetzen jedoch keine Mehrheit in der Knesset.
Der Wahlkampf 2026 zieht daraus offenbar eine bemerkenswerte Konsequenz.
Netanjahu braucht Trump auf einem Plakat womöglich weniger dringend als früher. Stattdessen kann er die offene Ablehnung durch Personen wie Mamdani nutzen, um eine ganz andere Frage an israelische Wähler zu stellen: Wenn diejenigen, die Israel scharf bekämpfen oder seinen Regierungschef politisch isolieren wollen, Netanjahus Niederlage begrüßen würden, wem nützt dann seine Abwahl?
Das ist Wahlkampf, keine mathematische Gleichung. Selbstverständlich folgt aus der Ablehnung Netanjahus durch einen Gegner nicht automatisch, dass Netanjahu deshalb der richtige Regierungschef ist. Israelis werden am 27. Oktober über sehr viel mehr entscheiden: Sicherheit, Wirtschaft, den Umgang mit Iran, GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und Libanon, gesellschaftliche Konflikte und die Zukunft der Regierung nach Jahren außergewöhnlicher Belastungen.
Doch Wahlkämpfe funktionieren nicht nur über Programme. Sie funktionieren über Bilder, Gefühle und politische Gegensätze.
2019 wollte Netanjahu zeigen, welche mächtigen Freunde er besitzt.
2026 zeigt er, welche Gegner ihn verlieren sehen wollen.
Und ausgerechnet Zohran Mamdani, der Netanjahu öffentlich angreift und ihn am liebsten vor dem Internationalen Strafgerichtshof sehen würde, könnte dem israelischen Regierungschef damit etwas liefern, das Donald Trump bislang verweigert: ein äußerst wirkungsvolles Motiv zur Mobilisierung der eigenen Wähler.
Mamdani muss Netanjahu nicht unterstützen, um ihm im Wahlkampf zu helfen. Es genügt möglicherweise, dass er ihn unbedingt verlieren sehen will.
Autor: Redaktion
Dienstag, 18 August 2026