Hamas-Terrornetz vor Gericht: Verfassungsschutz-Quelle soll Munition für Anschläge beschafft haben

Hamas-Terrornetz vor Gericht: Verfassungsschutz-Quelle soll Munition für Anschläge beschafft haben


Pistolen, Sturmgewehr, hunderte Patronen und ein vorbereitetes Bekennervideo: Sieben Männer sollen für die Hamas Waffen für Mordanschläge beschafft haben. Einer der Beschuldigten arbeitete zugleich als Quelle des deutschen Inlandsgeheimdienstes.

Hamas-Terrornetz vor Gericht: Verfassungsschutz-Quelle soll Munition für Anschläge beschafft haben
Bildnachweis: Pixabay

Ein Mann beschafft nach Überzeugung der Ermittler 300 Schuss Munition für ein mutmaßliches HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Netzwerk. Dieselbe Person wird zu dieser Zeit als Vertrauensperson des Bundesamtes für Verfassungsschutz geführt. Was zunächst wie ein kaum vorstellbarer Widerspruch klingt, steht nun im Zentrum eines der brisantesten deutschen Terrorverfahren der vergangenen Jahre.

Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin Anklage gegen sieben Männer erhoben, denen eine Beteiligung an der Waffenbeschaffung für die islamistische Terrororganisation Hamas vorgeworfen wird. Nach Angaben aus dem Verfahren sollten die Waffen der Vorbereitung von Mordanschlägen auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland oder Österreich dienen. Über die Anklage berichteten am Freitag unter anderem die Jüdische Allgemeine und die Welt.

Damit erreicht eine Ermittlung ihren nächsten Abschnitt, die seit Herbst 2025 immer neue Verbindungen durch Europa offengelegt hat.

Der Mann, der für den Verfassungsschutz arbeitete

Besonders heikel ist die Rolle von Mohammad S. Der im Libanon geborene Mann wurde im Januar am Flughafen Berlin Brandenburg festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, im August 2025 in Absprache mit einem weiteren Beschuldigten 300 Schuss scharfe Munition beschafft zu haben. Nach Auffassung der Ermittler sollte damit die Vorbereitung von Hamas-Mordanschlägen unterstützt werden.

Im April deckte die Zeit auf, dass Mohammad S. zugleich als Vertrauensperson des Bundesamtes für Verfassungsschutz geführt worden war. Der Mann soll für den deutschen Inlandsnachrichtendienst wegen seiner Kontakte in islamistische Milieus interessant gewesen sein. Gleichzeitig soll er nach den Ermittlungen genau jenem Kreis Munition geliefert haben, gegen den inzwischen wegen eines möglichen Terroranschlags vorgegangen wird.

Damit steht nicht nur die Hamas vor Gericht.

Der Fall wirft zwangsläufig Fragen darüber auf, wie eine Quelle des Verfassungsschutzes derart tief in eine mutmaßliche Waffenbeschaffung geraten konnte und was die Behörde über ihre Aktivitäten wusste.

Der Verfassungsschutz hat nach bisherigen Berichten erklärt, Mohammad S. sei nicht dazu gesteuert worden, an einer Anschlagsvorbereitung mitzuwirken. Ob und wie weit die Behörde seine Kontakte kontrollierte, dürfte im Verfahren dennoch von erheblichem Interesse sein.

Die 300 Patronen waren offenbar nur ein kleiner Teil eines deutlich größeren Waffenbestandes.

Bereits am 1. Oktober 2025 nahm die Bundesanwaltschaft drei Männer in Berlin fest. Bei den Zugriffen stellten Ermittler nach eigenen Angaben unter anderem ein Sturmgewehr AK 47, mehrere Pistolen und Munition sicher. Die Männer sollen als Auslandsoperateure der Hamas tätig gewesen sein und spätestens seit Sommer 2025 Waffen für mögliche Mordanschläge auf jüdische oder israelische Einrichtungen beschafft haben.

Wenige Wochen später wurde der nächste Beschaffungsweg sichtbar.

Borhan El K. soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Deutschland ein vollautomatisches Gewehr, acht Glock-Pistolen und mehr als 600 Schuss Munition beschafft haben. Die Waffen wurden anschließend nach Berlin transportiert.

Ein weiterer Strang führte nach Wien. Der in Dänemark festgenommene Yousif C. soll im Juli 2025 fünf Pistolen und Munition übergeben haben. Diese Waffen sollten nach den Ermittlungen über weitere Beteiligte nach Österreich gelangen.

Kamel M., im März auf Zypern festgenommen, soll wiederum die Beschaffung jener 300 Patronen organisiert haben, die schließlich über Mohammad S. weitergereicht wurden. Auch hier nennt die Bundesanwaltschaft als Zweck ausdrücklich die Vorbereitung von Mordanschlägen auf israelische oder jüdische Einrichtungen.

Deutschland, Dänemark, Zypern, Österreich und der Libanon tauchen damit in demselben Ermittlungskomplex auf.

Das wirkt nicht wie eine spontane Waffenbeschaffung einiger Sympathisanten. Nach Darstellung der Ermittler bestand ein arbeitsteiliges System aus Beschaffung, Transport, Zwischenlagerung und Weitergabe.

Das Bekennervideo verändert die Dimension

Noch schwerer wiegt ein weiterer Fund.

Generalbundesanwalt Jens Rommel erklärte bereits im Juni, die Ermittler gingen inzwischen von einem konkreten Anschlagsplan in Europa aus. Bei einem Beschuldigten sei ein vorbereitetes Bekennervideo gefunden worden. Darin soll ein Anschlag um den zweiten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober angekündigt worden sein. Die ersten drei Verdächtigen wurden wenige Tage vor diesem Datum festgenommen.

Ein solches Video wäre mehr als Propagandamaterial.

Es würde darauf hindeuten, dass nicht nur Waffen gesammelt wurden, sondern zumindest Teile des mutmaßlichen Netzwerks bereits über die öffentliche Inszenierung einer Tat nachdachten.

haOlam berichtete bereits im Juni über diesen Punkt und über die Einschätzung der Bundesanwaltschaft, dass die Ermittlungen inzwischen über eine bloß abstrakte Anschlagsgefahr hinausgingen.

Der jetzige Fall ist zudem nicht das erste deutsche Verfahren gegen Hamas-Auslandsstrukturen.

Bereits im März wurden vier Männer vor dem Berliner Kammergericht wegen ihrer Tätigkeit für die Terrororganisation verurteilt. Das Verfahren betraf unter anderem Waffendepots in Bulgarien, Polen und Dänemark. Die Ermittlungen hatten gezeigt, dass die Hamas bereits lange vor dem 7. Oktober WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen in Europa angelegt hatte, die im Bedarfsfall für Anschläge genutzt werden sollten.

Die neuen Vorwürfe gehen noch weiter.

Diesmal soll es nicht nur um alte Depots gegangen sein, sondern um aktive Beschaffung im Jahr 2025, um neue Waffen, neue Munition und nach Einschätzung der Ermittler um einen konkreteren Anschlagsplan.

Für jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen in Deutschland ist das keine abstrakte außenpolitische Entwicklung.

Synagogen, Schulen und Gemeindezentren werden seit Jahren bewacht. Nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen hat sich die Bedrohungslage weiter verschärft. Wenn deutsche Ermittler nun davon ausgehen, dass Auslandsoperateure der Hamas Sturmgewehre, Pistolen und hunderte Patronen für Angriffe auf jüdische oder israelische Ziele beschafft haben, dann verläuft die Front des Hamas-Terrors nicht nur an Israels Grenze.

Sie reicht bis nach Berlin.

Besonders bitter ist dabei die Rolle des deutschen Staates selbst.

Einer der Männer, denen nun die Beteiligung an der Waffenbeschaffung vorgeworfen wird, lieferte gleichzeitig Informationen an den Verfassungsschutz.

Damit muss das Verfahren zwei Fragen beantworten.

Wie weit reichte das mutmaßliche Hamas-Netzwerk tatsächlich?

Und wie konnte ein Mann, den der deutsche Nachrichtendienst als Quelle führte, gleichzeitig in einer Beschaffungskette für Munition landen, die nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft für Mordanschläge bestimmt war?

Die sieben Angeklagten gelten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.

Die sichergestellten Waffen, die europäischen Transportwege und das vorbereitete Bekennervideo sind dennoch ein Warnsignal, das sich nicht wegdiskutieren lässt.

Die Hamas ist eine Terrororganisation.

Und nach allem, was die deutschen Ermittlungen bislang ergeben haben, betrachtete sie Europa offenbar nicht nur als Rückzugsraum.

Sondern auch als möglichen Operationsraum.




Autor: Redaktion
Freitag, 11 September 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage