Neue Studie: Iran schenkte der Hisbollah 2024 Waffen für rund 129 Millionen DollarNeue Studie: Iran schenkte der Hisbollah 2024 Waffen für rund 129 Millionen Dollar
Eine neue Untersuchung beziffert den Wert der 2024 von der Hisbollah beschafften Waffen auf rund 157 Millionen Dollar. Den größten Teil musste die Terrororganisation nicht einmal bezahlen: Iran soll Raketen, Drohnen und weitere militärische Ausrüstung im Wert von etwa 129 Millionen Dollar geliefert haben.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen verfügt über eigene Geldquellen, internationale Finanznetzwerke und Unternehmen. Wenn es um ihre militärische Schlagkraft geht, bleibt jedoch ein anderer Akteur entscheidend: Iran.
Eine neue Untersuchung des Center for Research of Terror Financing, kurz CENTEF, versucht erstmals detailliert zu berechnen, welchen Wert die Waffen hatten, die die Hisbollah allein im Jahr 2024 erhielt. Das Ergebnis zeigt, wie weit die militärische Abhängigkeit der Terrororganisation von Teheran reicht.
Nach Schätzung der Forscher beschaffte die Hisbollah 2024 Waffen und militärische Ausrüstung im Gesamtwert von rund 157 Millionen Dollar. Nur etwa 28 Millionen Dollar davon musste die Organisation aus eigenen Mitteln aufbringen. Rund 129 Millionen Dollar entfielen demnach auf Waffen, die Iran als Sachleistungen bereitstellte.
Anders gesagt: Mehr als vier Fünftel des geschätzten Waffenwertes kamen praktisch kostenlos aus Teheran.
Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil 2024 keineswegs ein ruhiges Jahr für die iranischen Versorgungswege war. Die Hisbollah befand sich im Krieg mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Transportwege wurden angegriffen und militärische Infrastruktur zerstört. Trotzdem gelang es offenbar, tausende Raketen, Panzerabwehrwaffen, Drohnen und große Mengen Munition neu zu beschaffen oder zu ersetzen.
Iran liefert, die Hisbollah schießt
CENTEF schätzt, dass die Hisbollah allein bei Kurzstreckenraketen rund 4.000 Exemplare erhielt. Hinzu kamen etwa 400 schwere Falaq-Raketen und ungefähr 120 Burkan-Raketen. Bei schwereren Systemen rechnen die Forscher mit rund 600 Raketen der Fajr-Klasse sowie kleineren Stückzahlen von Zelzal- und Fateh-110 beziehungsweise M-600-Raketen.
Gerade die Fateh-Familie ist für Israel von besonderer Bedeutung, weil diese Systeme mit Präzisionslenkung ausgerüstet werden können. Nach Schätzung der Studie kamen 2024 rund 40 dieser Flugkörper sowie etwa 150 Lenksätze zur Hisbollah.
Noch größer ist der Umfang bei Panzerabwehrwaffen. CENTEF geht davon aus, dass die Terrororganisation etwa 700 Kornet-Geschosse, 500 iranische Dehlavieh, rund 500 Almas-Flugkörper sowie weitere Konkurs- und Metis-Raketen erhielt.
Auch bei Drohnen wurde weiter aufgerüstet. Die Studie nennt ungefähr 300 Mirsad- und Ababil-Drohnen, rund 200 herumkreisende Angriffsdrohnen sowie etwa 400 kommerzielle und FPV-Drohnen. Dazu kamen nach der Modellrechnung tausende Schusswaffen, Maschinengewehre, Mörser und Millionen Schuss Munition.
Diese Zahlen sind keine Inventarliste aus dem Hauptquartier der Hisbollah. Die Organisation veröffentlicht selbstverständlich keine Einkaufsbücher über ihre Waffenbeschaffung. CENTEF hat deshalb mehrere Berechnungsmethoden miteinander kombiniert. Die Forscher analysierten den historischen Aufbau des Hisbollah-Arsenals, die iranischen Produktionskapazitäten, bekannte Transportmöglichkeiten und internationale Preise vergleichbarer Waffensysteme.
Die konkreten Stückzahlen bleiben deshalb Schätzungen. Der grundlegende Befund ist jedoch deutlich breiter abgesichert.
Iran ist seit Jahrzehnten der wichtigste militärische und finanzielle Unterstützer der Hisbollah. Auch das US-Außenministerium bezeichnet Teheran als Hauptquelle für Geld, Ausbildung, Waffen und Sprengstoffe der Terrororganisation. Amerikanische Behörden gehen seit Jahren von iranischen Unterstützungsleistungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar jährlich aus.
Washington versucht inzwischen verstärkt, genau diese Strukturen zu treffen. Das US-Finanzministerium verhängte 2026 mehrfach Sanktionen gegen Finanznetzwerke, Unternehmen und Personen, die Geld für die Hisbollah beschaffen oder transferieren. Im August meldete das Ministerium ein Netzwerk, das über kommerzielle Flugreisen zwischen Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei und dem Libanon Bargeld in einer Größenordnung von bis zu mehreren hundert Millionen Dollar bewegt haben soll.
Das zeigt die zweite Seite des Systems: Iran liefert nicht nur Waffen. Teheran hilft zugleich dabei, die Organisation finanziell am Leben zu halten.
Die zerstörten Waffenlager erzählen dieselbe Geschichte
Für Israel ist die neue Studie keine abstrakte Finanzanalyse. Was CENTEF in Dollar berechnet, findet die IDF seit Monaten in Tunneln, Häusern und unterirdischen Anlagen im Südlibanon.
haOlam berichtete zuletzt über das gewaltige Hisbollah-Zentrum unter dem Ali-Taher-Höhenzug. Dort fanden israelische Soldaten iranische Raketen, Drohnen, Panzerabwehrwaffen, Minen und weitere militärische Ausrüstung. Die Anlage war über viele Jahre aufgebaut worden und wurde schließlich mit mehr als 1.100 Tonnen Sprengstoff zerstört.
Nur wenige Tage später entdeckte die IDF eine weitere Stellung mit 32 bereits auf Israel ausgerichteten Raketen. Gleichzeitig warnen israelische Sicherheitskreise davor, dass die Hisbollah verbliebene Waffen verlagert und versucht, ihre Fähigkeiten an die neue Sicherheitslage anzupassen.
haOlam berichtete bereits im August über zunehmende Versuche Irans, Waffen über Syrien in den Libanon zu schmuggeln. Israelische Sicherheitskreise gingen damals davon aus, dass nicht jeder Transport entdeckt wird.
Die neue CENTEF-Untersuchung erklärt, warum Teheran trotz aller Verluste weiter investiert.
Die Hisbollah ist für Iran keine gewöhnliche verbündete Partei im Libanon. Sie wurde über Jahrzehnte als bewaffneter Vorposten gegen Israel aufgebaut. Raketen, Drohnen und Präzisionswaffen ermöglichen Teheran, Israel von libanesischem Gebiet aus zu bedrohen, ohne dafür ausschließlich eigene Streitkräfte einsetzen zu müssen.
Deshalb greift auch die häufige Beschreibung der Hisbollah als rein libanesischer Akteur zu kurz. Ihre Kämpfer sind Libanesen und ihre politische Machtbasis liegt im Libanon. Ein großer Teil ihrer militärischen Fähigkeiten existiert jedoch nur, weil Iran sie finanziert, ausbildet und bewaffnet.
Die CENTEF-Zahlen machen dieses Verhältnis erstmals in einer besonders anschaulichen Form sichtbar.
157 Millionen Dollar geschätzter Waffenwert innerhalb eines Jahres.
129 Millionen davon aus Iran.
28 Millionen aus eigenen Mitteln.
Damit stellt sich auch die Frage nach der viel diskutierten Entwaffnung der Hisbollah anders. Es reicht nicht, einzelne WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen im Libanon zu räumen, solange Teheran gleichzeitig Geld, Raketen, Drohnen und Technik nachliefert. Jeder zerstörte Bestand kann wieder aufgebaut werden, solange die iranischen Versorgungsketten funktionieren.
Genau deshalb versucht Israel seit Jahren nicht nur die Hisbollah selbst zu treffen, sondern auch ihre Transportwege, Produktionsstätten und Nachschubstrukturen.
Was im Libanon als Waffenlager endet, beginnt häufig weit vorher.
In Iran.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 01 Oktober 2026