Wie ein britisches Ferienlager Kinder für Irans Islamismus gewinnen sollWie ein britisches Ferienlager Kinder für Irans Islamismus gewinnen soll
Ein Sommerlager für Achtjährige, das vorgibt, islamische Werte zu vermitteln, steht im Verdacht, Kinder zu indoktrinieren und für das Regime in Teheran zu radikalisieren. Die Warnung kommt nicht von irgendwem – sondern von einer juristischen Organisation mit präzisem Blick auf Extremismus im Gewand legaler NGOs.

Ein Zeltlager in Südengland, angekündigt als kinderfreundliches Sommererlebnis für muslimische Familien, sorgt für Aufruhr: Laut der renommierten Organisation UK Lawyers for IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen (UKLFI) stellt „Camp Wilayah“ eine ernstzunehmende Gefahr für die Sicherheit von Kindern dar. In Wahrheit, so der Vorwurf, handele es sich um ein ideologisches Werkzeug, durch das die Werte des iranischen Mullah-Regimes und seiner bewaffneten Stellvertreter in die Köpfe britischer Minderjähriger gepflanzt werden sollen – getarnt als harmlose Ferienfreizeit.
Veranstaltet wird das Camp vom britischen Ableger der Ahlulbayt Islamic Mission (AIM), einer schiitischen Organisation mit eindeutigem Bekenntnis zu Teheran und dessen religiös-politischer Führung. Der Zeitpunkt ist brisant: Zwischen dem 22. und 25. August sollen Jungen und Mädchen zwischen acht und 13 Jahren im Camp „die Natur genießen und ihre islamischen Werte vertiefen“. Doch hinter dem Pastoralton lauert ein Netzwerk religiöser Indoktrination – mit Verbindungen zu Irans RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und antisemitischer HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen.
Organisierte Nähe zur Islamischen Republik
Wer sich die Website und Aktivitäten von AIM ansieht, stößt rasch auf den ideologischen Kern: Bücher des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khamenei, Lobeshymnen auf gefallene Kämpfer der IRGC, Texte von Ajatollah Khomeini und inszenierte Märtyrerkulte sind zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. AIM verkauft diese Inhalte nicht nur online, sondern verbreitet sie über soziale Medien – gezielt und oft mit radikalen Untertönen.
Die Vorwürfe von UKLFI sind schwerwiegend. Sie werfen AIM vor, bewusst Inhalte zu verbreiten, die gegen mehrere britische Gesetze verstoßen, darunter Abschnitte des Public Order Act 1986, des Counter-Terrorism and Security Act 2015 sowie des Children Act 1989. AIM, so die Juristen, sei nicht nur ideologisch mit dem iranischen Regime verbunden, sondern diene in Großbritannien als verlängerter Arm von Teherans ideologischem Exportapparat.
Das Camp in Phasels Wood, nahe London, ist laut AIM ein sicherer Ort religiöser Erziehung. Doch nach außen vermittelt wird ein geschlossenes Weltbild, das westliche Gesellschaftsordnung ablehnt, Integration verächtlich macht und „gewaltbereiten Widerstand“ verherrlicht – so formuliert es UKLFI in einem Schreiben an die zuständigen Behörden. Die Kinder sollen getrennt nach Geschlechtern untergebracht sein, Mädchen sind verpflichtet, Hijab zu tragen, und die Inhalte der Erziehung orientieren sich laut UKLFI eindeutig an Khomeinis Revolutionsideologie.
Behörden alarmiert – aber nicht konsequent
UKLFI hat bereits an mehrere Stellen geschrieben: an die Gemeinde Brent, in der AIM ansässig ist, sowie an den Landkreis Hertfordshire, wo das Camp stattfinden soll. Dabei fordern sie nicht nur eine Prüfung, sondern die komplette Verhinderung des Camps – aus Sorge um die mentale und politische Instrumentalisierung der Kinder.
Doch die Reaktion der britischen Behörden ist bislang verhalten. Man wolle „erst prüfen“ und „Gesetzesverstöße konkret feststellen“. Dass ein solches Zögern im Umgang mit radikalen Organisationen fatal sein kann, hat die britische Gesellschaft bereits mehrfach erlebt – sei es durch islamistische Prediger in Moscheen, verdeckte Islamisten in Bildungseinrichtungen oder durch unkontrollierte Auslandseinflüsse auf Schulhöfen.
Das Ausmaß von AIMs Verflechtung mit Teheran wurde zuletzt auch im Mai in einem Bericht der iranisch-amerikanischen Organisation NUFDI beleuchtet: AIM sei direkt mit der World Ahlul Bayt Foundation vernetzt, deren Leiter Muhammad Hassan Akhtari ein Mitbegründer der Hisbollah und enger Vertrauter Khameneis ist. Laut The Times verbreitete AIM nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen auf Instagram die Botschaft, dass „die Zionisten sich das selbst eingebrockt haben“.
Die Antwort: Dämonisierung und Antizionismus
Statt sich mit den Vorwürfen argumentativ auseinanderzusetzen, wählt AIM die Konfrontation. Die Organisation nennt die juristische Kritik eine „zionistische Schmierenkampagne“, wirft UKLFI vor, ein „Frontapparat der genocidalen Zionisten“ zu sein und spricht von „islamophober Hetze“. In ihrer Erklärung geht es weniger um inhaltliche Verteidigung als um aggressive politische Rhetorik. AIM behauptet, man sei das Opfer eines imperialistischen Angriffs auf Muslime, während man selbst friedlich und gesetzestreu agiere.
Die Worte der Organisation offenbaren eine tiefergehende Strategie: Die Kritik wird nicht sachlich entkräftet, sondern durch Dämonisierung und IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen umgedeutet. Dabei schreckt AIM nicht davor zurück, Großbritannien offen als fremdgesteuert zu diffamieren – „die Plattformierung zionistischer Gruppen im UK sei ein Beweis für die Verrottung britischer Souveränität“.
Was hier wirklich auf dem Spiel steht
Der Skandal um „Camp Wilayah“ ist kein Einzelfall – sondern Symptom eines größeren Problems: Der Export ideologischer Einflussnahme durch den Iran in westliche Demokratien. Gerade Kinder werden dabei zum schwächsten Glied – und zum Hauptziel. Wer glaubt, das alles sei übertrieben oder harmlos, möge sich erinnern: Auch die Revolutionsgarden begannen ihre Mobilisierung einst in Koranschulen und Ferienlagern.
Die britische Gesellschaft steht an einem Scheideweg. Wer Grundrechte und Religionsfreiheit schützt, darf nicht zulassen, dass diese Rechte als Deckmantel für die Vorbereitung auf islamistischen Extremismus missbraucht werden. Das Schweigen oder die Passivität der Behörden angesichts solch klarer Hinweise ist nicht Neutralität – es ist Fahrlässigkeit. Und sie hat einen Preis.
Autor: Redaktion
Montag, 14 Juli 2025