Bonnie Tyler ist tot: Die Stimme, die auch Tel Aviv erreichteBonnie Tyler ist tot: Die Stimme, die auch Tel Aviv erreichte
Bonnie Tyler starb am Abend des 8. Juli in Portugal. Die walisische Sängerin wurde mit „Total Eclipse of the Heart“ weltberühmt und trat 2017 auch erstmals in Israel auf.

Bildnachweis: Manusinger /
QuelleBonnie Tyler ist tot. Die walisische Sängerin, deren raue Stimme Millionen Menschen durch Jahrzehnte begleitet hat, starb am Abend des 8. Juli im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Portugal. Bekannt wurde die Nachricht am Donnerstag. Ihre Familie und ihr Team erklärten, sie sei infolge jener Erkrankung gestorben, wegen der sie zuletzt behandelt wurde. Bereits im Mai war Tyler in Portugal notoperiert worden, später lag sie zeitweise im künstlichen Koma. Noch Mitte Juni hatte es geheißen, sie sei nicht mehr im Koma, aber weiterhin schwer krank und auf der Intensivstation.
Mit ihrem Tod endet eine Karriere, die nicht nur aus großen Refrains bestand, sondern aus einer Stimme, die sofort erkennbar war. Bonnie Tyler sang nicht glatt, nicht makellos, nicht angepasst. Ihre Stimme klang, als habe sie schon etwas erlebt, bevor sie überhaupt den ersten Ton traf. Genau darin lag ihre Kraft. In einer Musikindustrie, die oft Jugend, Oberfläche und Austauschbarkeit verkauft, blieb sie eine Sängerin mit Ecken, mit Schwere, mit Wiedererkennungswert.
Geboren wurde sie als Gaynor Hopkins am 8. Juni 1951 in Skewen in Südwales. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, sang zunächst in Clubs und arbeitete sich über Jahre auf Bühnen hoch, auf denen niemand auf Weltruhm wartet. Ihr Durchbruch kam Ende der siebziger Jahre mit „It’s a Heartache“. Wenige Jahre später folgte der Song, der ihren Namen endgültig in die Popgeschichte schrieb: „Total Eclipse of the Heart“. Die Ballade aus dem Jahr 1983, geschrieben von Jim Steinman, wurde zu einem jener Lieder, die nicht altern, sondern immer wieder neu auftauchen, in Filmen, Serien, Radioprogrammen und Erinnerungen.
Auch „Holding Out for a Hero“ gehört zu diesen Stücken. Es ist ein Lied, das längst größer wurde als seine Entstehungszeit. Es lief in Kinos, bei Sportereignissen, in Fernsehformaten und auf zahllosen privaten Feiern. Bonnie Tyler wurde dadurch zu einer Stimme, die Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien verbindet. Wer in den achtziger Jahren jung war, hat sie anders gehört als jene, die ihre Lieder erst über Streaming, Werbung oder alte Filmszenen entdeckten. Aber der Kern blieb derselbe: Pathos ohne Scham, Gefühl ohne Entschuldigung, Kraft ohne Kälte.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hatte Bonnie Tyler keinen großen politischen Auftritt nötig, um in Erinnerung zu bleiben. Ihr Bezug zum Land war leiser, aber deutlich. Im Februar 2017 trat sie erstmals in Israel auf. Geplant waren zwei Konzerte in Tel Aviv, am 6. Februar im Hangar 11 am Hafen von Tel Aviv und am 7. Februar im Charles Bronfman Auditorium im Zentrum der Stadt. Israelische Medien hoben damals hervor, dass es ihr erster Besuch als auftretende Künstlerin im Land war.
Das ist mehr als eine Randnotiz. Denn gerade bei internationalen Künstlern ist Israel seit Jahren nicht einfach irgendein Tourneestopp. Wer dort spielt, gerät immer wieder unter Druck von Boykottkampagnen, von Aktivisten, von selbsternannten moralischen Gerichten, die Kultur nur dann gelten lassen wollen, wenn sie in ihr politisches Weltbild passt. Bonnie Tyler gehörte nicht zu jenen, die Israel mieden oder dem Land die kulturelle Normalität absprachen. Sie kam nach Tel Aviv, brachte ihre Band mit und sang vor einem israelischen Publikum, das ihre Lieder längst kannte.
Man sollte daraus keine politische Erklärung machen, die sie selbst so nicht abgegeben hat. Aber man darf festhalten, was geschehen ist: Eine international bekannte Künstlerin trat in Israel auf, ohne daraus ein Drama zu machen und ohne sich dem Druck jener zu beugen, die israelische Bühnen aus der Weltkultur herausschneiden wollen. Gerade das macht diesen kleinen Israel-Bezug bemerkenswert. Manchmal ist Normalität stärker als jedes Manifest.
Bonnie Tyler stand nicht für leise Hintergrundmusik. Ihre großen Lieder waren überlebensgroß. Sie handelten von Herzschmerz, Sehnsucht, Verlorenheit, Heldensuche und innerer Dunkelheit. Das konnte leicht übertrieben wirken, aber bei ihr war es glaubwürdig, weil ihre Stimme jede glatte Oberfläche sprengte. Sie sang, als müsse ein Gefühl nicht erklärt, sondern herausgeschleudert werden. In einer Zeit, in der vieles gefiltert, geglättet und berechnet erscheint, wirkt diese Art von Ausdruck fast trotzig.
Auch deshalb berührt ihr Tod viele Menschen. Nicht, weil jeder ihr gesamtes Werk kennt. Sondern weil fast jeder irgendwann einmal von dieser Stimme getroffen wurde. Im Autoradio, auf einer Feier, im Fernsehen, in einem Moment, in dem ein altes Lied plötzlich wieder da ist. „Total Eclipse of the Heart“ war nie nur ein Hit. Es war ein Klangbild für Dramatik, Verlust und große Gefühle. „Holding Out for a Hero“ wurde zur Hymne für all jene Augenblicke, in denen Menschen sich nach jemandem sehnen, der nicht wegschaut.
Dass Bonnie Tyler 2013 Großbritannien beim Eurovision Song ContestDana International: Israels Eurovision-Sieg, der mehr war als PopDana International ist eine israelische Sängerin und trans Frau. 1998 gewann sie mit „Diva“ für Israel den Eurovision Song Contest und wurde international zu einem Symbol für LGBT-Sichtbarkeit und israelische Popkultur.Mehr lesen vertrat, passte zu ihrer Laufbahn. Sie war keine Künstlerin, die sich auf einen einzigen Erfolg zurückzog. Sie veröffentlichte weiter Alben, trat weiter auf, blieb in Europa präsent und wurde für ihre Verdienste um die Musik ausgezeichnet. Die Associated Press verweist auf mehrere Grammy-Nominierungen und ihre Auszeichnung als Member of the Order of the British Empire. Das sind formale Ehrungen. Ihr eigentliches Denkmal liegt jedoch woanders: in einer Stimme, die man nach wenigen Sekunden erkennt.
Für Israel bleibt die Erinnerung an eine Künstlerin, die Tel Aviv nicht ausließ. An zwei Abende im Februar 2017, an denen eine Sängerin aus Wales auf israelischen Bühnen stand und Lieder sang, die längst Teil eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses geworden waren. In einer Welt, in der Israel oft nicht nur politisch kritisiert, sondern kulturell isoliert werden soll, zählt auch das.
Bonnie Tyler ist gestorben. Ihre Stimme bleibt. Sie bleibt in den großen Balladen, in der rauen Farbe, in den Refrains, die sich nicht kleinmachen lassen. Und sie bleibt auch in jener Erinnerung, dass Musik Grenzen überschreiten kann, selbst dort, wo andere sie mit Absicht hochziehen wollen.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 09 Juli 2026